Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ölverschmutzungen aufsaugen

17.07.2017

Geliermittel-imprägnierte Cellulose als umweltfreundliches Abtrennungsmittel für Ölfilme

Ausgetretenes Rohöl verschmutzt und zerstört immer wieder marine Ökosysteme. Eine wirksame Maßnahme zur Entfernung eines solchen Ölteppichs könnte die Absorption in eine feste, leichter abzutrennende Phase sein. Indische Wissenschaftler berichten jetzt in der Zeitschrift Angewandte Chemie, dass Öl in Teilchen aus imprägnierter Cellulose erstarrt und sich dann einfach abschöpfen lässt.


Erstarrtes Öl lässt sich leicht von der Wasseroberfläche abschöpfen

(c) Wiley-VCH

Solange im Meer nach Öl gebohrt oder es darüber transportiert wird, werden sich Ölaustritte und -verschmutzungen nie vollständig vermeiden lassen. Da eine Ölpest zu enormen ökologischen und ökonomischen Belastungen führen kann, versucht man das auf der Oberfläche treibende Rohöl zurückzugewinnen, bevor es die Küste erreicht oder durch den Seegang zu stark emulgiert wird.

Das ist allerdings schwierig. Durch einfache Sperren und Aufsaugvorrichtungen kann es zum Beispiel nur dann zurückgewonnen werden, wenn sich der Ölfilm noch nicht weit verbreitet und verdünnt hat. Kana M. Suresan und Annamalai Prathap vom Indian Institute of Science, Education and Research (IISER) Thiruvananthapuram in Kerala,(Indien) haben jetzt eine erstaunlich einfache Strategie entwickelt und getestet. Durch eine Kombination von Absorption und Gelbildung konnten sie das Öl an eine poröse Matrix binden und dann die festen Teilchen einfach aus dem Wasser herausschöpfen. Selbst voll mit Öl sanken die Körner nicht und blieben an der Oberfläche.

Als umweltfreundliche, preiswerte und poröse Trägermatrix wählten sie Cellulose, die sie mit einem Öl-Geliermittel, einer preiswerten organischen Mannitolverbindung, imprägnierten. Die Imprägnierung erwies sich als entscheidend, um aus einfacher Cellulose ein wirksames System für die Absorption und Wiedergewinnung von Rohöl zu machen.

Das lag vor allem am Geliermittel, dem „Organogelator“. „Phasenselektive Organogelatoren sind Amphiphile, die Öle selektiv aus einer zweiphasigen Mischung von Öl und Wasser gerinnen lassen können“, erklären die Wissenschaftler. Zur Gelbildung kommt es, weil sich die Gelatormoleküle in der Ölphase lösen und dann durch Wasserstoffbrücken ein dreidimensionales Fasernetzwerk aufbauen. In diesem feinfaserigen Netzwerk wird das Öl eingefangen und bildet ein starres Gel. Durch die Gelierung wird also die flüssige Ölphase fest und kann einfach abgeschöpft werden.

Der andere Vorteil durch die Imprägnierung ist die Herstellung einer wasserabweisenden Cellulosematrix, die ganz im Gegensatz zur unbehandelten Cellulose fast kein Wasser aufsaugt. Dagegen „absorbierte sie das gesamte verteilte Öl, und die Körner mit dem geronnenen Öl konnten nach zwei Stunden herausgeschöpft werden, während sauberes Wasser zurückblieb“, berichteten die Autoren. Und auch ein Recycling war möglich: Wie die Wissenschaftler zeigten, kann man durch Ausquetschen oder Destillation das Öl aus den geronnenen Körnern zurückgewinnen. Dieses einfache, preiswerte und umweltfreundliche System sollte interessante Aspekte für die Feldforschung bieten.

Angewandte Chemie: Presseinfo 31/2017

Autor: Kana M. Sureshan, Indian Institute of Science Education and Research (India), http://www.iisertvm.ac.in/faculties/kms.phpx

Link zum Originalbeitrag: https://doi.org/10.1002/ange.201704699

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany.

Weitere Informationen:

http://presse.angewandte.de

Dr. Karin J. Schmitz | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Weitere Berichte zu: Cellulose Imprägnierung Rohöl marine Ökosysteme Öl Ölverschmutzungen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wenn für Fischlarven die Nacht zum Tag wird
18.01.2019 | Universität Siegen

nachricht Handgestrickte Moleküle
18.01.2019 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultra ultrasound to transform new tech

World first experiments on sensor that may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles

The new sensor - capable of detecting vibrations of living cells - may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles.

Im Focus: Fliegende optische Katzen für die Quantenkommunikation

Gleichzeitig tot und lebendig? Max-Planck-Forscher realisieren im Labor Erwin Schrödingers paradoxes Gedankenexperiment mithilfe eines verschränkten Atom-Licht-Zustands.

Bereits 1935 formulierte Erwin Schrödinger die paradoxen Eigenschaften der Quantenphysik in einem Gedankenexperiment über eine Katze, die gleichzeitig tot und...

Im Focus: Flying Optical Cats for Quantum Communication

Dead and alive at the same time? Researchers at the Max Planck Institute of Quantum Optics have implemented Erwin Schrödinger’s paradoxical gedanken experiment employing an entangled atom-light state.

In 1935 Erwin Schrödinger formulated a thought experiment designed to capture the paradoxical nature of quantum physics. The crucial element of this gedanken...

Im Focus: Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken den biologisch abbaubaren Rohstoff nun mit zusätzlichen Fähigkeiten, um Implantate für Knorpelerkrankungen mittels 3-D-Druck fertigen zu können.

Alles beginnt mit einem Ohr. Empa-Forscher Michael Hausmann entfernt das Objekt in Form eines menschlichen Ohrs aus dem 3-D-Drucker und erklärt: «Nanocellulose...

Im Focus: Nanocellulose for novel implants: Ears from the 3D-printer

Cellulose obtained from wood has amazing material properties. Empa researchers are now equipping the biodegradable material with additional functionalities to produce implants for cartilage diseases using 3D printing.

It all starts with an ear. Empa researcher Michael Hausmann removes the object shaped like a human ear from the 3D printer and explains:

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Smarte Sensorik für Mobilität und Produktion 4.0 am 07. Februar 2019 in Oldenburg

18.01.2019 | Veranstaltungen

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungen

Erstmalig in Nürnberg: Tagung „HR-Trends 2019“

17.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Smarte Sensorik für Mobilität und Produktion 4.0 am 07. Februar 2019 in Oldenburg

18.01.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Chemiker der Saar-Uni entwickeln neues Material, das Seltene Erden bei LED-Lampen spart

18.01.2019 | Materialwissenschaften

Süßwasserfische der Mittelmeerregion in der Klimakrise

18.01.2019 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics