Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Nilhecht als Zitterwels?

14.03.2013
Fisch gibt Rätsel auf. Eine Art verzichtet auf Vorteile der Evolution.

Nilhechte haben sich an ihre Umgebung evolutionär angepasst. Sie verfügen über elektrische Organe und nutzen ihre – normalerweise – schwachelektrischen Entladungen für die Kommunikation und aktive Elektroortung.


Die Nilhecht-Art Mormyrus hasselquistii (Valenciennes, 1846).
Foto: Prof. Dr. Bernd Kramer

Nicht so die Nilhecht-Art Mormyrus hasselquistii (Valenciennes, 1846): Ihre elektrischen Entladungen sind so stark, dass eine Berührung für den Menschen durchaus schmerzhaft sein kann. Diese Beobachtung machte Prof. Dr. Bernd Kramer vom Institut für Zoologie der Universität Regensburg. Warum der Fisch damit scheinbar auf zahlreiche Vorteile verzichtet, will der Biologe nun klären.

Kramer machte seine Entdeckung im Rahmen einer Studie zum Körperbau verschiedener Nilhecht-Arten in Afrika. „Die elektrischen Entladungen dieser besonderen Nilhecht-Art erinnerten mich eher an die Energie eines Elektrozauns als an die bekannten Eigenschaften anderer, schwachelektrischer Nilhechte“, so Kramer.

Dabei erscheinen die starken Entladungen von Mormyrus hasselquistii auf den ersten Blick kontraproduktiv zu sein. Weder eine „private“ Kommunikation mit Artgenossen noch eine diskrete Elektroortung in der Umgebung sind auf diese Weise möglich. Auf der anderen Seite sind die Entladungen wiederum nicht stark genug, um sie bei der Jagd auf andere Fische als tödliche Elektroschocker einzusetzen.

Normalerweise achten Nilhechte sehr genau darauf, nicht durch auffälliges Verhalten potentielle Räuber in der Umgebung anzulocken. Sie sind zumeist nachtaktiv und weichen so dem Druck von tagaktiven Feinden aus. Kramer vermutet, dass die starken Entladungen von Mormyrus hasselquistii in diesem Zusammenhang als Abschreckung dienen, wobei die Nilhecht-Art mit einer Größe von bis zu 50 cm selbst verhältnismäßig kräftig gebaut ist.

Die Nilhecht-Art könnte davon profitieren, für den starkelektrischen Zitterwels (Malapterurus electricus Gmelin, 1789) gehalten zu werden, der schon als Winzling gefährliche Schläge austeilt und bis zu 120 cm lang wird. Er kommt in denselben Gewässern Westafrikas vor wie Mormyrus hasselquistii.

Was es genau mit dem „Zitter-Nilhecht“ auf sich hat, will Kramer in einer weiteren Untersuchung erforschen.

Die ersten Beobachtungen sind vor Kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „African Journal of Aquatic Science“ veröffentlicht worden (DOI:10.2989/16085914.2012.745806).

Der Original-Artikel unter:
http://epub.uni-regensburg.de/27753/
Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Bernd Kramer
Universität Regensburg
Institut für Zoologie
Tel.: 0941 943-2263
Bernd.Kramer@biologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.biologie.uni-regensburg.de/Zoologie/Kramer/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues über ein Pflanzenhormon
07.12.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Selbstlernende Netzwerke lassen Forscher mehr sehen
07.12.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Supercomputer ohne Abwärme

Konstanzer Physiker eröffnen die Möglichkeit, Supraleiter zur Informationsübertragung einzusetzen

Konventionell betrachtet sind Magnetismus und der widerstandsfreie Fluss elektrischen Stroms („Supraleitung“) konkurrierende Phänomene, die nicht zusammen in...

Im Focus: Drei Nervenzellen reichen, um eine Fliege zu steuern

Uns wirft so schnell nichts um. Eine Fruchtfliege kann dagegen schon ein kleiner Windstoß vom Kurs abbringen. Drei große Nervenzellen in jeder Hälfte des Fliegenhirns reichen jedoch aus, um die Fliege mit Hilfe visueller Signale wieder auf Kurs zu bringen.

Bewegen wir uns vorwärts, zieht die Umwelt in die entgegengesetzte Richtung an unseren Augen vorbei. Drehen wir uns, verschiebt sich das Bild der Umwelt im...

Im Focus: Researchers develop method to transfer entire 2D circuits to any smooth surface

What if a sensor sensing a thing could be part of the thing itself? Rice University engineers believe they have a two-dimensional solution to do just that.

Rice engineers led by materials scientists Pulickel Ajayan and Jun Lou have developed a method to make atom-flat sensors that seamlessly integrate with devices...

Im Focus: Drei Komponenten auf einem Chip

Wissenschaftlern der Universität Stuttgart und des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT gelingt wichtige Weiterentwicklung auf dem Weg zum Quantencomputer

Quantencomputer sollen bestimmte Rechenprobleme einmal sehr viel schneller lösen können als ein klassischer Computer. Einer der vielversprechendsten Ansätze...

Im Focus: Three components on one chip

Scientists at the University of Stuttgart and the Karlsruhe Institute of Technology (KIT) succeed in important further development on the way to quantum Computers.

Quantum computers one day should be able to solve certain computing problems much faster than a classical computer. One of the most promising approaches is...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Großes Interesse an erster Fachtagung

07.12.2018 | Veranstaltungen

Entwicklung eines Amphibienflugzeugs

04.12.2018 | Veranstaltungen

Neue biologische Verfahren im Trink- und Grundwassermanagement

04.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erstmalig in Deutschland: Erfolgreiche Bestrahlungstherapie lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörung

07.12.2018 | Medizintechnik

Nicht zu warm und nicht zu kalt! Seminar „Thermomanagement von Lithium-Ionen-Batterien“ am 02.04.2019 in Aachen

07.12.2018 | Seminare Workshops

Seminar „Magnettechnik - Magnetwerkstoffe“ vom 19. – 20.02.2019 in Essen

07.12.2018 | Seminare Workshops

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics