Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Therapieansatz für Autoimmunerkrankung

30.10.2017

Wissenschaftlern der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist es gelungen, einen zentralen Mechanismus in der Pathogenese einer schwerwiegenden Autoimmunerkrankung besser zu verstehen. Dabei konnte erstmalig bei einer systemischen Gefäßentzündung, die durch bestimmte Autoantikörper, sogenannte ANCA, hervorgerufen wird, ein enger Zusammenhang zwischen der Aktivierung des regulierten Zelltodes, der Aktivierung des Komplementsystems und des Organschadens nachgewiesen werden. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences* veröffentlicht.

Die ANCA-assoziierte Vaskulitis ist eine systemische Erkrankung, bei der eine Immunreaktion gegen körpereigene Strukturen in weißen Blutzellen zu einer Entzündung kleiner Blutgefäße führt. Häufig kommt es im Rahmen der Gefäßentzündung zum Befall der Niere mit der Gefahr eines akuten Nierenversagens, auch die Lunge oder andere Organe können betroffen sein. Die klassische Therapie beruht auf Unterdrückung des Immunsystems. Eine Methode, die den Krankheitsverlauf zwar stoppt, jedoch für Patienten mit starken Nebenwirkungen verbunden ist.


Bildung von extrazellulären Strukturen durch weiße Blutzellen nach Stimulation durch ANCA.

A. Schreiber

Doch was passiert im menschlichen Organismus? Wie ist die Ablaufkette der Ereignisse, die zu diesem Krankheitsbild führt? Unter der Leitung von Privatdozent Dr. Adrian Schreiber, Arbeitsgruppe Tierexperimentelle Vaskulitisforschung am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), und Prof. Dr. Ralph Kettritz, Charité und ECRC, konnte ein Forscherteam jetzt nachweisen, dass Auslöser des Prozesses die Aktivierung des regulierten Zelltodes, Nekroptose genannt, in den weißen Blutzellen ist.

Dabei heften sich Antikörper, die sich gegen körpereigene Proteine richten, sogenannte Autoantikörper, an Bestandteile der weißen Blutzellen und aktivieren dadurch den regulierten Zelltod. Dabei bilden sich NETs – komplexe Fangnetze aus extrazellulären DNA-Fasern. Das Team fand heraus, dass diese NET-Strukturen zur Aktivierung des Komplementsystems, also einem speziellen Teil des Immunsystems, und damit zur Erkrankung beitragen.

Mithilfe verschiedener genetisch veränderter Tiermodelle sowie durch einen pharmakologischen Ansatz konnten die Forscher zeigen, dass der regulierte Zelltod einer der zentralen pathogenen Mechanismen in der Ausbildung der schweren Gefäßentzündung mit begleitender Nierenerkrankung ist.

„Die spezifische pharmakologische Hemmung des regulierten Zelltods könnte künftig ein neuer Ansatz in der Behandlung der ANCA-Vaskulitis sein“, erklärt Privatdozent Schreiber. „Die generelle Anwendbarkeit einer Hemmung der Nekroptose wird gegenwärtig in ersten klinischen Studien untersucht. Wir hoffen, dass sich perspektivisch auf Grundlage unserer Daten eine neue Therapie für die ANCA-Vaskulitis entwickeln lässt“, fügt er hinzu.

*Adrian Schreiber, Anthony Rousselle, Jan Ulrich Becker, Anne von Mässenhausen, Andreas Linkermann, and Ralph Kettritz. Necroptosis controls NET generation and mediates complement activation, endothelial damage, and autoimmune vasculitis. Proceedings of the National Academy of Sciences USA. 2017. Epub ahead of print. Oct. 24th. doi: 10.1073/pnas.1708247114.

Manuela Zingl | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entstanden Nervenzellen, um mit Mikroben zu sprechen?
10.07.2020 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Forscher der Universität Bayreuth entdecken außergewöhnliche Regeneration von Nervenzellen
09.07.2020 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektrische Spannung aus Elektronenspin – Batterie der Zukunft?

Forschern der Technischen Universität Ilmenau ist es gelungen, sich den Eigendrehimpuls von Elektronen – den sogenannten Elektronenspin, kurz: Spin – zunutze zu machen, um elektrische Spannung zu erzeugen. Noch sind die gemessenen Spannungen winzig klein, doch hoffen die Wissenschaftler, auf der Basis ihrer Arbeiten hochleistungsfähige Batterien der Zukunft möglich zu machen. Die Forschungsarbeiten des Teams um Prof. Christian Cierpka und Prof. Jörg Schumacher vom Institut für Thermo- und Fluiddynamik wurden soeben im renommierten Journal Physical Review Applied veröffentlicht.

Laptop- und Handyspeicher der neuesten Generation nutzen Erkenntnisse eines der jüngsten Forschungsgebiete der Nanoelektronik: der Spintronik. Die heutige...

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erster Test für neues Roboter-Umweltmonitoring-System der TU Bergakademie Freiberg

10.07.2020 | Informationstechnologie

Binnenschifffahrt soll revolutioniert werden: Erst ferngesteuert, dann selbstfahrend

10.07.2020 | Verkehr Logistik

Robuste Hochleistungs-Datenspeicher durch magnetische Anisotropie

10.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics