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Neuer Therapieansatz bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

16.12.2008
Gezielter Angriff auf gestresste Krebszellen

Moderne Therapiekonzepte, die einen Tumor zielgerichtet auf molekularbiologischer Ebene angreifen, machen vielen Krebs-Patienten Hoffnung. Wissenschaftler am Universitätsklinikum Mainz entwickeln einen neuen Ansatz gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dabei wird gezielt ein Protein blockiert, das die Tumorzellen dringend zum Überleben brauchen.

Moderne Therapiekonzepte, die einen Tumor zielgerichtet auf molekularbiologischer Ebene angreifen, machen vielen Krebs-Patienten neue Hoffnung. "Mit solchen Ansätzen könnte die Effektivität von bereits bestehenden Therapien entscheidend verbessert werden", erklärt Dr. Oliver Stöltzing, Klinik für Allgemein- und Abdominalchirurgie am Universitätsklinikum Mainz. Der Privatdozent leitet eine "Max-Eder-Nachwuchsgruppe", die im Rahmen des gleichnamigen Nachwuchsgruppenprogramms von der Deutschen Krebshilfe finanziert wird.

Die Wissenschaftler entwickeln einen neuen Therapieansatz gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs, eine Krebsart, bei der die Heilungschancen nach wie vor sehr schlecht sind. Dabei wird gezielt ein Protein blockiert, das die Tumorzellen dringend zum Überleben brauchen. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Forschungsprojekt mit 167.600 Euro.

Krebszellen befinden sich in einer ständigen "Stress-Situation", da sie im Prinzip in einem feindlichen Milieu wachsen: Aufgrund des raschen Tumorwachstums ist der Sauerstoffverbrauch hoch und über die Tumor-Blutgefäße werden die Krebszellen nicht immer ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Dennoch sterben die bösartigen Zellen nicht, sondern werden sogar noch aggressiver. Die Mainzer Wissenschaftler haben ein Protein intensiv untersucht, das den Krebszellen ihr Überleben ermöglicht: das Hitzeschock-Protein Hsp90. "Das Molekül stabilisiert und intensiviert die Signalvorgänge in Tumorzellen und hilft ihnen somit auch unter den ungünstigen Bedingungen zu wachsen", erklärt Stöltzing. "Wir wollen Hsp90 als Zielstruktur für einen neuen Therapieansatz nutzen, indem wir das Molekül therapeutisch blockieren und so die gestressten Krebszellen gezielt zerstören."

Im Labor ist dies den Forschern bereits bei Bauchspeicheldrüsenkrebs und auch bei Krebszellen des Magens und der Leber gelungen: "Durch die Blockade des Hitzeschock-Proteins verminderte sich das Tumorwachstum erheblich und auch die Bildung von Metastasen konnten wir so reduzieren", erläutert der Leiter der wissenschaftlichen Nachwuchsgruppe. Die Ergebnisse wurden von der Arbeitsgruppe bereits hochrangig publiziert (Clinical Cancer Research, Molecular Cancer Therapeutics und Hepatology). Die Hemmung von Hsp90 bewirkt unter anderem, dass die Onkogene in der Krebszelle nicht mehr richtig ausgebildet werden. Diese Gene machen aus einer gesunden Zelle eine Krebszelle. Zudem wird die Bildung bestimmter Strukturen auf der Zell-Oberfläche herunterreguliert, über welche die Tumorzellen Signale erhalten, sich zu teilen oder einer Chemotherapie standzuhalten. "Da die Blockade des Hitzeschock-Proteins gleich mehrere Signalwege in der Krebszelle lahm legt, hat diese deutlich weniger Chancen, einen Ausweg zu finden, um trotzdem weiterzuleben", hebt Stöltzing einen wesentlichen Vorteil dieses Ansatzes hervor.

"Wir wollen nun die biologischen Auswirkungen der Hsp90-Blockade weiter untersuchen, um in naher Zukunft klinische Studien beim Bauchspeicheldrüsenkrebs starten zu können", sagt Stöltzing. So müssen unter anderem zunächst mögliche Nebenwirkungen einer Therapie näher untersucht werden, da das Hitzeschock-Protein auch in normalen Zellen gebildet wird - zum Beispiel bei Verbrennungen oder der Wundheilung. Eine Blockade könnte daher auch gesunde Zellen beeinträchtigen. "Frühere Arbeiten haben aber bereits gezeigt, dass die Hemmung im Prinzip gut verträglich ist", erklärt Stöltzing. "Denn das Molekül kommt in Krebszellen in sehr viel höherer Konzentration vor als in gesunden Zellen."

Stöltzing wird seit Juli 2004 im Rahmen des Max-Eder-Nachwuchsgruppenprogramms von der Deutschen Krebshilfe gefördert. Dies ermöglichte es ihm, unmittelbar nach seinem Forschungsaufenthalt in den USA eine eigene Arbeitsgruppe in Deutschland aufzubauen.

Max-Eder-Nachwuchsgruppenprogramm
Im Rahmen des Max-Eder-Nachwuchsgruppenprogramms fördert die Deutsche Krebshilfe junge, exzellente Nachwuchswissenschaftler, die nach einem Auslandaufenthalt als Postdoktorand wieder nach Deutschland zurückkehren und eine eigene Arbeitsgruppe gründen möchten. Das Programm ist benannt nach Professor Dr. Max Eder, einem Pionier der Deutschen Krebshilfe. Der damalige Direktor des Pathologischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität in München war lange Jahre Vorsitzender des Medizinischen und des Wissenschaftlichen Beirates der gemeinnützigen Organisation. 1998 verstarb Professor Eder im Alter von 73 Jahren.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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