Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Test für Grundel-Invasion

28.01.2016

Herkömmliche Methoden der Bestandsüberwachung sind für manche Fischarten nicht geeignet. Eine beginnende Besiedlung mit invasiven Schwarzmeergrundeln lässt sich mit Standardverfahren beispielsweise kaum rechtzeitig erkennen. Forscherinnen der Universität Basel haben einen einfachen, wirkungsvollen und kostengünstigen Test für diese eingeschleppten Fische entwickelt, wie sie im Magazin PLOS ONE berichten.

Grundeln aus dem Schwarzen und Kaspischen Meer breiten sich derzeit entlang der Schifffahrtsrouten in ganz Mitteleuropa und Nordamerika aus. Im Schweizer Rhein tummeln sich die Fische seit vier Jahren, im Raum Basel dominieren sie den Gewässergrund bereits deutlich. Über das Kraftwerk Rheinfelden hinaus sind die Tiere bisher nicht vorgestossen, eine weitere Ausbreitung scheint aber lediglich eine Frage der Zeit zu sein.


Schwarzmeergrundel (Neogobius melanostomus).

Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften

Aktuelle Methoden des Fischmonitorings sind nicht geeignet, die Ausbreitung der Schwarzmeer-grundeln angemessen zu erfassen; sie sind arbeitsintensiv und zu wenig empfindlich. Entsprechend werden Grundelpopulationen meist erst entdeckt, wenn sie bereits eine hohe Dichte erreicht haben und Eindämmungsbemühungen aussichtslos sind.

Forscherinnen des Departements Umweltwissenschaften der Universität Basel haben nun einen Test entwickelt, mit dem sich die Fische in fliessenden oder stehenden Gewässern aus Wasserproben nachweisen lassen.

Messung der Umwelt-DNA

Dabei werden mit Hilfe eines handelsüblichen, leicht modifizierten, Wasserprobensamplers Proben vom Gewässergrund genommen, wo die invasiven Grundeln leben. Die sogenannte Umwelt-DNA gelangt über den Kot oder die Schuppen der Tiere ins Wasser, wo sie mit der Strömung mitgetragen wird. Im Labor kann die «environmental DNA» aus dem Wasser isoliert und mit entsprechenden Tests nachgewiesen werden.

An der Universität Basel wurde nun ein spezifischer Test entwickelt, der ausschliesslich auf die Erbsubstanz der Schwarzmeergrundeln reagiert, auf einheimische Fischarten jedoch nicht.
Das Verfahren ist weniger zeit- und kostenintensiv als Abfischungen und die Proben können sogar von ungeschulten Helfern entnommen werden. Im Unterschied zur elektrischen Befischung stellt die Methode keine Belastung für die Fischfauna dar und kann deshalb auch in Schutzzonen und Brutgebieten zur Anwendung kommen.

Erster Test für Fliessgewässer

Fünf Arten der invasiven Schwarzmeergrundeln bevölkern mittlerweile grosse Teile der Frisch- und Brackgewässer Mitteleuropas – die in Basel häufigste Art, Neogobius melanostomus, wird gar zu den 100 schlimmsten Eindringlingen Europas gezählt.

«Unser Test ist einer der ersten Ansätze dieser Art, der in einem Fliessgewässer eine spezifische Fischart gezielt und erfolgreich nachweist», sagt die Erstautorin der Studie, Dr. Irene Adrian-Kalchhauser. «Wir hoffen, dass diese Studie dazu beiträgt, ‹environmental DNA› als Standardmethode im europäischen Gewässermanagement zu etablieren. In den USA werden ähnliche Tests schon seit einigen Jahren genutzt, um die Ausbreitung des invasiven Asiatischen Karpfens zu erfassen.»

Originalbeitrag
Irene Adrian-Kalchhauser, Patricia Burkhardt-Holm
An eDNA assay to monitor a globally invasive fish species from flowing freshwater
PLOS ONE 11 (1) | doi: 10.1371/journal.pone.0147558

Weitere Auskünfte
Dr. Irene Adrian-Kalchhauser, Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften, Tel. +41 61 26704 10, E-Mail: irene.adrian-kalchhauser@unibas.ch.

Weitere Informationen:

https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Neuer-Test-fuer-Grundel-Invas...

Reto Caluori | Universität Basel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebrafische reparieren ihr Herz dank spezieller Zellen
23.10.2019 | Universität Bern

nachricht Chemikern der Universität Münster gelingt Herstellung neuartiger Lewis-Supersäuren auf Phosphor-Basis
22.10.2019 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Abbau von Magnesiumlegierung auf der Nanoskala beobachtet

Erstmals konnten ETH-​Forscherinnen und Forscher die Korrosion von Magnesiumlegierungen für biomedizinische Anwendungen auf der Nanoskala beobachten. Dies ist ein wichtiger Schritt, um bessere Vorhersagen darüber zu treffen, wie schnell Implantate im Körper abgebaut werden und so massgeschneiderte Implantatwerkstoffe entwickelt werden können.

Magnesium und seine Legierungen halten vermehrt Einzug in die Medizin: einerseits als Material für Implantate in der Knochenchirurgie wie Schrauben oder...

Im Focus: Researchers watch quantum knots untie

After first reporting the existence of quantum knots, Aalto University & Amherst College researchers now report how the knots behave

A quantum gas can be tied into knots using magnetic fields. Our researchers were the first to produce these knots as part of a collaboration between Aalto...

Im Focus: Hohlraum vermittelt starke Wechselwirkung zwischen Licht und Materie

Forschern ist es gelungen, mithilfe eines mikroskopischen Hohlraumes eine effiziente quantenmechanische Licht-Materie-Schnittstelle zu schaffen. Darin wird ein einzelnes Photon bis zu zehn Mal von einem künstlichen Atom ausgesandt und wieder absorbiert. Das eröffnet neue Perspektiven für die Quantentechnologie, berichten Physiker der Universität Basel und der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift «Nature».

Die Quantenphysik beschreibt Photonen als Lichtteilchen. Will man ein einzelnes Photon mit einem einzelnen Atom interagieren lassen, stellt dies aufgrund der...

Im Focus: A cavity leads to a strong interaction between light and matter

Researchers have succeeded in creating an efficient quantum-mechanical light-matter interface using a microscopic cavity. Within this cavity, a single photon is emitted and absorbed up to 10 times by an artificial atom. This opens up new prospects for quantum technology, report physicists at the University of Basel and Ruhr-University Bochum in the journal Nature.

Quantum physics describes photons as light particles. Achieving an interaction between a single photon and a single atom is a huge challenge due to the tiny...

Im Focus: Freiburger Forschenden gelingt die erste Synthese eines kationischen Tetraederclusters in Lösung

Hauptgruppenatome kommen oft in kleinen Clustern vor, die neutral, negativ oder positiv geladen sein können. Das bekannteste neutrale sogenannte Tetraedercluster ist der weiße Phosphor (P4), aber darüber hinaus sind weitere Tetraeder als Substanz isolierbar. Es handelt sich um Moleküle aus vier Atomen, deren räumliche Anordnung einem Tetraeder aus gleichseitigen Dreiecken entspricht. Bisher waren neben mindestens sechs neutralen Versionen wie As4 oder AsP3 eine Vielzahl von negativ geladenen Tetraedern wie In2Sb22– bekannt, jedoch keine kationischen, also positiv geladenen Varianten.

Ein Team um Prof. Dr. Ingo Krossing vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Freiburg ist es gelungen, diese positiv geladenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wiegende Halme auf den Designers‘ Open

23.10.2019 | Veranstaltungen

13. Aachener Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung – »Collaborate to Innovate: Making the Net Work«

22.10.2019 | Veranstaltungen

Serienfertigung von XXL-Produkten: Expertentreffen in Hannover

22.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Abbau von Magnesiumlegierung auf der Nanoskala beobachtet

23.10.2019 | Materialwissenschaften

Wiegende Halme auf den Designers‘ Open

23.10.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Kosmischer Staub auf Ballonfahrt – Experiment zur Planetenentstehung

23.10.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics