Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit neuer Immuntherapie gegen bösartigsten Gehirntumor

25.11.2013
Einer der unheilvollsten Gehirntumore ist das Glioblastom: Trotz aggressiver chirurgischer Eingriffe, Bestrahlung und Chemotherapie verläuft diese Erkrankung fast immer tödlich.

Jetzt war ein Forscherteam der UZH mit einer neuartigen Therapieform erfolgreich: Dabei wird das körpereigene Abwehrsystem angeregt, die Krebszellen im Gehirn zu erkennen und gezielt zu eliminieren.

Tierversuche zeigen, dass es relativ einfach ist, den Krebs in seinen Anfangsstadien zu therapieren. Weitaus schwieriger ist es, den bereits fortgeschrittenen Krebs erfolgreich zu bekämpfen. Und als besondere Herausforderung erweist sich die Therapie im Gehirn. Denn in Gehirntumoren versammeln sich sogenannte regulatorische T-Zellen, und diese unterdrücken einen Immunangriff.

Im mehreren Schritten und mit einer neuen Strategie sowie einem neuen Medikament ist dem Team um Burkhard Becher vom Institut für Experimentelle Immunologie der Universität Zürich dies nun beim Glioblastom, einem der gefährlichsten Gehirntumore, geglückt: Erstens das körpereigene Immunsystem so anzuregen, dass es zweitens die Hirntumorzellen erkennt und sie drittens abtötet – und zwar, viertens, auch in dessen fortgeschrittenem Stadium.

Für ihre neue Studie galt es zunächst, das lokale Schutzschild des Tumors auszuhebeln. «Wir wollten herausfinden, ob wir überhaupt eine Immunantwort gegen einen im Gehirn wachsenden Tumor auslösen können», erklärt Burkhard Becher. Dazu verwendete das Team den Immunbotenstoff Interleukin-12. Wird im Tumor Interleukin-12 produziert, werden Immunzellen so angeregt, dass der Tumor angegriffen und abgestossen wird.

Nachdem dieses Verfahren im Frühstadium des Tumors gut funktioniert hatte, warteten die Forschenden in einem nächsten Schritt mit dem Eingriff so lange, bis der Tumor sehr gross war und die Lebenserwartung der unbehandelten Versuchstiere weniger als drei Wochen zählte.

«Wir haben erst mit der Therapie begonnen, als es eigentlich schon zu spät war», sagt der Erstautor der Studie Johannes vom Berg. Die Erfolgsquote war gering, vom Berg präzisiert: «Wurde jetzt biotechnologisch hergestelltes Interleukin-12 in den grossen Gehirntumor injiziert, gab es zwar eine Immunantwort, aber nur bei einem Viertel der Tiere führte diese zur Tumorabstossung».

Von 25 auf 80 Prozent: Kombinierte Therapie bringt Erfolg

Erfolgreich waren die Forscher, als sie sich eine neue Entwicklung aus der Hautkrebstherapie zu Nutze machten: Sie kombinierten die intratumorale Interleukin-12-Therapie mit der intravenösen Gabe eines neuen immun-stimulierenden Medikaments, welches die regulatorischen T-Zellen unterdrückt. Nun funktionierte die Abstossung des Tumors bei 80 Prozent der Versuchstiere.

«Selten habe ich bei der vorklinischen Gliomtherapie derart überzeugende Daten gesehen», sagt Michael Weller, Neuroonkologe und Direktor der Klinik für Neurologie am UniversitätsSpital Zürich, und folgert: «Deshalb sollte diese Entdeckung baldmöglichst in klinischen Studien geprüft werden».

Das Team hat in der Folge in einem gemeinsamen Versuch die Therapie noch an einem weiteren Tumormodell getestet, das die klinische Situation des Hirntumorpatienten noch besser widerspiegelt. Und wiederum war das Resultat erfolgreich.

Der nächste Schritt: Klinische Studie so bald wie möglich

Die Ergebnisse der aktuellen Forschungsarbeit sind jetzt im «Journal of Experimental Medicine» erschienen. Ihre vielversprechenden Resultate bedeuten noch nicht, dass die Therapie auch bei Hirntumorpatienten so gut funktionieren wird. Dies gilt es in einem nächsten Schritt zu erforschen. Burkhard Becher formuliert es so: «Wir sind zurückhaltend optimistisch, aber es wird Zeit, dass man dieser tödlichen Tumorerkrankung mit ganz neuen Strategien zu Leibe rückt».

Literatur:
Johannes vom Berg, Melissa Vrohlings, Sergio Haller, Aladin Haimovici, Paulina Kulig, Anna Sledzinska, Michael Weller, and Burkhard Becher. Intratumoral IL-12 combined with CTLA-4 blockade elicits T cell mediated glioma rejection. The Journal of Experimental Medicine (JEM). November 25, 2013. doi: 10.1084/jem.20130678
Kontakt:
Prof. Burkhard Becher, PhD
Institut für Experimentelle Immunologie
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 37 03
E-Mail: becher@immunology.uzh.ch
Weitere Informationen:
http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/2013/immuntherapie-gegen-gehirntumor.html
– Medienmitteilung der Universität Zürich in deutsch
http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/2013/immuntherapie-gegen-gehirntumor_en.html

– Medienmitteilung der Universität Zürich in englisch

Beat Müller | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen
17.08.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Forschende entschlüsseln das Alter feiner Baumwurzeln
17.08.2018 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics