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Neue Medikamente gegen Gicht – Stoffwechselstörung aktiviert Immunsystem

22.07.2010
Rund zwei Prozent der Bundesbürger leiden an Gicht. Bei dieser Stoffwechselstörung häuft der Körper so viel Harnsäure an, dass sich deren Kristalle in den Gelenken ablagern und dort Entzündungen verursachen. Mediziner haben inzwischen entschlüsselt, dass die körpereigene Abwehr bei der Erkrankung eine maßgebliche Rolle spielt. Vor allem zwei Wirkstoffe können die immun vermittelten Entzündungen gezielt stoppen und sind jetzt kurz vor der Zulassung. Über das Potenzial dieser Substanzen diskutieren Experten auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) vom 15. bis 18. September 2010 in Hamburg.

Schon vor mehr als 2 000 Jahren erkannte der griechische Arzt Hippokrates die beiden auffälligsten Kennzeichen von Gicht: Die schmerzhafte Krankheit tritt gehäuft in bestimmten Familien auf, und sie macht sich vor allem nach kulinarischen Ausschweifungen bemerkbar. Ursache einer Gicht ist meist eine angeborene gestörte Ausscheidung von Harnsäure.

Bei Gesunden scheidet die Niere Harnsäure über den Urin aus. Vermehrt bildet sich Harnsäure vor allem beim Abbau bestimmter Lebensmittel, die sogenannte Purine enthalten. „Der Verzehr mancher Fleisch- und Fischsorten treibt die Purinwerte massiv in die Höhe“, erläutert Professor Dr. Andreas Krause, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Immanuel Krankenhaus in Berlin. Dazu gehören etwa Forellen, Heringe, Sprotten, Grillhähnchen, Leber, aber auch Fleischbrühe und Bäckerhefe. „Der Konsum von Alkohol kann das Problem zusätzlich verschärfen, weil er die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren senkt“, ergänzt der Rheumatologe im Vorfeld des Kongresses der DGRh in Hamburg. Beides zusammen könne den Harnsäuregehalt im Körper auf mehr als das 30-Fache des Normalwertes ansteigen lassen.

Rund ein Drittel der deutschen Männer und drei Prozent der Frauen haben erhöhte Harnsäurewerte, etwa jeder zehnte von ihnen erkrankt an Gicht. Bei Männern ist Gicht die häufigste Ursache einer sehr schmerzhaften, entzündlichen Arthritis in den Gelenken. Ärzte geben ihnen zunächst oft Ernährungstipps und verordnen Medikamente, die den Harnsäurewert senken. Nahrungsmittel wie Milch, Ei, Kartoffeln und Äpfel, aber auch Vollkornbrot und Käse weisen niedrige Purinwerte auf und wirken sich daher günstig aus. Dennoch kann eine Gicht bei manchen Patienten chronisch verlaufen und zu einer fortschreitenden Zerstörung der Gelenke führen.

In den vergangenen Jahren haben Forscher neue Erkenntnisse über die Krankheit gewonnen: Demnach stoßen in den Gelenken Immunzellen bei Kontakt mit Harnsäurekristallen einen Entzündungsprozess an. Sie sorgen dafür, dass der entzündungsfördernde Botenstoff Interleukin-1ß (IL-1ß) freigesetzt wird. Die Folge: Das Gelenk – im Anfangsstadium meist am großen Zeh – rötet sich, schmerzt extrem, wird warm und schwillt an. Ein Krankheitsschub dauert etwa drei Tage. Die betroffenen Gelenke sind dabei sehr berührungsempfindlich.

Wenn Schmerzmittel und Entzündungshemmer die Beschwerden nicht bessern, können heute zwei Wirkstoffe den Botenstoff gezielt blockieren: Anakinra, entwickelt für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis, erweist sich auch bei Gicht als erfolgreich. Ganz neu ist das sogenannte Canakinumab. „Beide Präparate sind zwar noch nicht zur Behandlung der Gicht zugelassen, aber die bisherigen Studienresultate sind sehr vielversprechend“, betont Professor Krause. „Das Beispiel Gicht zeigt die Bedeutung der Grundlagenforschung: Sie hat die Mechanismen einer seit Jahrtausenden bekannten Krankheit entschlüsselt und damit neue therapeutische Ansätze erschlossen.“ Neue Behandlungsmethoden gegen Gicht thematisieren Experten auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, der vom 15. bis 18. September 2010 im Congress Center Hamburg (CCH) stattfindet.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.
Pressestelle: Sandra Wittig
Luisenstraße 41  10117 Berlin
Tel.: 030/240484-80
Fax: 030/240484-79
Email: sandra.wittig@dgrh.de
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voormann@medizinkommunikation.org

Dr. Cornelia Rufenach | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgrh-kongress.de

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