Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Diagnose und Therapiemöglichkeit für Brust- und Nierenkrebs

07.02.2017

Bei der Radionuklidtherapie, der radioaktiven Bestrahlung von Krebstumoren, tun sich neue Möglichkeiten auf: Wie eine internationale Forschergruppe unter Berner Leitung herausfand, könnten neuartige Wirkstoffe (sogenannte Somatostatin-Rezeptor-Antagonisten) nicht nur wie bisher in den seltenen neuroendokrinen Tumoren eingesetzt werden, sondern auch bei häufigen Krebsarten wie Brust- oder Nierenkrebs.

Bestimmte Tumorerkrankungen können radiotherapiert werden, indem hochspezifische und radioaktive Moleküle gezielt an die Tumorzellen andocken. Diese radioaktiven Moleküle können Rezeptoren auf der Tumor-Zelloberfläche aktivieren, was ein Einschleusen ihrer radioaktiven Ladung ins Zellinnere bewirkt.


Das Bild zeigt die von einem Antagonisten gemessene Menge an SST2-Rezeptoren (A) in einem Brustkrebstumor (I) und einem Nierenzellkarzinom (II), im Vergleich zum Agonisten (B).

© Jean Claude Reubi, Universität Bern.

Somit wird der Tumor wegen der hohen Radioaktivität-Aufnahme einerseits sichtbar gemacht (Diagnose) und die Tumorzellen selber werden durch die Strahlung zerstört (Therapie). Diese Moleküle, die in das Zellinnere eindringen, werden Agonisten genannt.

Eine andere Art von Molekülen, sogenannte Antagonisten, docken ebenfalls an Rezeptoren auf der Oberfläche von Krebszellen an, werden aber mit ihrer radioaktiven Ladung nicht ins Zellinnere eingeschleust. Sie bleiben an der Zelloberfläche, binden aber an eine viel höhere Zahl von Rezeptoren.

Für die Bekämpfung von sogenannten endokrinen Tumoren – vor allem seltener Krebs des Magen-Darm-Trakts und der Bauchspeicheldrüse – werden zurzeit routinemässig Agonisten eingesetzt.

Prof. em. Jean Claude Reubi vom Institut für Pathologie der Universität Bern erforscht mit seiner Gruppe die Wirkung von Antagonisten und konnte bereits nachweisen, dass diese bei sogenannten endokrinen Tumoren ebenso gut zu deren Bekämpfung eingesetzt werden können, da sie an eine sehr hohe Anzahl von Zelloberflächenrezeptoren binden.

Nun hat die Gruppe um Jean Claude Reubi erstmals nachweisen können, dass Antagonisten auch gegen andere, sehr viel häufigere Krebsarten wie Brustkrebs und Nierenzellkarzinome wirksam sein könnten. Die Resultate ihrer Studie wurden im «The Journal of Nuclear Medicine» publiziert.

Vielversprechende in-vitro-Resultate

Die Forschenden um Reubi haben die Bindung von Antagonisten und Agonisten an eine bestimmte Art von Rezeptoren, sogenannten Somatostatin SST2-Rezeptoren, auf Tumoren der häufigsten Krebsarten verglichen – darunter Brustkrebs, Nierenkrebs, Schilddrüsenkrebs und Lymphkrebs. Sie konnten in vitro nachweisen, dass Antagonisten sehr viel besser an diese Rezeptoren binden und somit die Tumore viel deutlicher abbilden können als Agonisten.

Bei Brustkrebstumoren, Nierenzellkarzinomen und Schilddrüsenkrebstumoren dockten die Antagonisten sehr gut an. Im Gegensatz dazu schnitten die Agonisten bei diesen Krebsarten deutlich schlechter ab. Auch bei Lymphkrebstumoren war die Anbindung der Antagonisten stärker.

«Dies ist die erste quantitative Studie, die in vitro belegt, dass Antagonisten bei nicht-endokrinen Tumoren – wie Brustkrebs oder Nierenkrebs – besser wirken als Agonisten», sagt Reubi. «In anderen Worten: Wir können davon ausgehen, dass diese häufigen Krebsarten, für deren Therapie die Agonisten bisher nicht als geeignet betrachtet wurden, nun mittels Antagonisten in vivo erfolgreich bekämpft werden könnten.»

Die in-vitro-Methode, die von den Forschenden angewandt wurde – die sogennante Somatostatinrezeptor-Autoradiographie, hat sich in den letzten dreissig Jahren als von hohem prognostischem Wert für die Wirkung in vivo, also beim Patienten, erwiesen. «Wir erwarten daher, dass SST2-Antagonisten in der Radionuklidtherapie auch bald erfolgreich bei der Bekämpfung der häufigeren Krebsarten wie Brustkrebs zum Einsatz kommen», sagt Reubi.

Angaben zur Publikation:

Jean Claude Reubi, Beatrice Waser, Helmut Mäcke and Jean Rivier: Highly Increased 125i-Jr11 Antagonist Binding In Vitro Reveals Novel Indications for Sst2 Targeting In Human Cancers, The Journal of Nuclear Medicine, 06.02.2017, 58(2):300-306, doi: 10.2967/jnumed.116.177733

Weitere Informationen:

http://www.unibe.ch/aktuell/medien/media_relations/medienmitteilungen/2017/index...

Nathalie Matter | Universität Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics