Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Ansatzpunkte für zielgerichtete Tumortherapie

03.07.2015

Krebs ist trotz aller medizinischen Erfolge immer noch die häufigste Todesursache in Deutschland und der westlichen Welt. Die Weiterentwicklung von Diagnostik und Therapie ist nicht nur für die individuellen Patienten von essentieller Bedeutung, sondern stellen auch eine enorme Herausforderung für unsere Sozialsystem dar. Kölner Wissenschaftler um Prof. Dr. Christian Reinhardt haben neue Ansatzpunkte für eine zielgerichtete Tumortherapie identifiziert.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um Prof. Dr. Christian Reinhardt der Uniklinik Köln und des Exzellenzclusters CECAD haben durch die molekulare Charakterisierung von Tumorzellen einen neuen therapeutischen Ansatz für die Behandlung von Tumorpatienten entwickelt.

„Diese neuen Erkenntnisse bieten einen neuartigen molekularen Ansatzpunkt, um genetisch definierte Tumore in der Zukunft effektiver zu behandeln“ beschreibt Prof. Dr. Reinhardt, der Leiter dieser neuen Studie, den aktuellen Forschungserfolg.

An der Studie hat ein internationales Forscherteam aus Deutschland, Dänemark und England mitgearbeitet, sie ist ist heute im renommierten Fachjournal Cell erschienen. Prof. Reinhardt leitet an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln eine Arbeitsgruppe, deren Forschung maßgeblich durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Deutsche Krebshilfe und die Volkswagenstiftung gefördert wird.

Das Wissenschaftlerteam hat mit der Hilfe eines neuen Screening Verfahrens die Effektivität verschiedener Substanzen und insbesondere neuer Substanzkombinationen getestet. Die Ergebnisanalyse ergab, dass insbesondere Tumorzellen und Tumore mit einer Mutation im sogenannten KRAS Gen eine Abhängigkeit von zwei bestimmten Enzymen (Chk1 und MK2) zeigen.

Das KRAS Gen ist eines der am häufigsten mutierten Gene in menschlichen Tumorerkrankungen. So ist KRAS in fast allen Tumoren der Bauchspeicheldrüse, sowie in ca. einem Drittel aller Bronchial- und Dickdarmtumoren mutiert. Eine detaillierte Analyse zeigte, dass KRAS Mutationen zu einem massiv gesteigerten Zellwachstum führen.

Diese beschleunigte Zellvermehrung der Tumorzellen führt zu Problemen: So ist die Verdopplung der DNA, die Tumorzellen vor einer jeden Zellteilung durchführen müssen, unter den beschleunigten Wachstumsbedingungen nur erschwert möglich. Die neuen Daten der Kölner Forscherinnen und Forscher zeigen, dass KRAS-mutierte Tumorzellen zur fehlerfreien Verdopplung ihrer DNA auf die Funktion der Enzyme MK2 und Chk1 angewiesen sind.

Diese Abhängigkeit unterscheidet KRAS-mutierte Tumorzellen von gesundem Gewebe, das weitestgehend ohne die Funktion der Enzyme MK2 und Chk1 auskommt. Genau an diesem Unterschied zwischen Tumorzellen und normalen Zellen setzt die neue Therapiestrategie an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten zeigen, dass Tumorzellen und Tumore mit KRAS Mutationen sehr gut auf eine Kombinationstherapie mit Chk1- und MK2 Hemmstoffen ansprachen. Die Kombinationstherapie wurde vom Normalgewebe nebenwirkungsarm toleriert.

Genauer betrachtet sind die Chk1 und MK2 Enzyme Proteinkinasen. Diese spezifische Enzymgruppe ist in den letzten 10 Jahren vermehrt in den Fokus von großen Pharmafirmen gerückt. Enzyme sind pharmakologisch potentiell hemmbar und bieten daher Optionen für die Entwicklung neuer Therapeutika.

Eine kombinierte pharmakologische Hemmung von Chk1 und MK2 ist eine therapeutische Strategie, mit der speziell KRAS-mutierte Tumore behandeln werden könnten. „Diese Chk1/MK2 Hemmung kann speziell gegen KRAS-mutierte Krebszellen wirken, während normales Gewebe geschont bleibt, da in den gesunden Zellen das KRAS Gen nicht mutiert ist“ beschreibt Dr. Felix Dietlein, Erstautor der Publikation, das therapeutische Konzept.

Prof. Dr. Michael Hallek, Leiter der Klinik I für Innere Medizin an der Uniklinik Köln hält das neue therapeutische Konzept für sehr vielversprechend: „MK2 ist eine Proteinkinase, die schon seit längerer Zeit genau untersucht wird, denn die Funktion dieses Proteins scheint ebenfalls eine Rolle bei der Entwicklung rheumatischer Erkrankungen zu spielen. Auch die Proteinkinase Chk1 wurde in den letzten Jahren intensiv betrachtet und es finden aktuell bereits erste klinische Untersuchungen mit verschiedenen Chk1 Inhibitoren statt.

Diese faszinierenden neuen Daten geben den behandelnden Ärzten in naher Zukunft möglicherweise ein Werkzeug an die Hand, mit dessen Hilfe KRAS-mutierte Tumoren effektiv behandelt werden können“, so Prof. Dr. Michael Hallek. Aktuell liegt noch keine Zulassung der MK2 Hemmer vor, aber es wird schon seit einiger Zeit an der Entwicklung solcher Medikamente geforscht. Die Arbeiten an diesem Projekt wurden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Deutsche Krebshilfe und die Volkswagenstiftung maßgeblich gefördert.

Für CECAD und die Uniklinik Köln ist die Entwicklung dieser neuen therapeutischen Strategie ein bedeutsamer, hoffnungsvoller Ansatz, bald zusätzliche Optionen im Kampf gegen Krebs zur Verfügung zu haben – ein wichtiger Aspekt auch in der Alternsforschung des Exzellenzclusters CECAD.

Kontakt:
Prof. Dr. Christian Reinhardt
Exzellenzcluster CECAD, Universität zu Köln
Uniklinik Köln, Klinik für Innere Medizin I
Telefon +49 221 478-96701 . christian.reinhardt@uk-koeln.de

Astrid Bergmeister MBA
Leiterin CECAD PR & Marketing
Universität zu Köln
Telefon + 49 (0) 221-478 84043 . astrid.bergmeister@uk-koeln.de

Weitere Informationen:

http://www.cecad.uni-koeln.de

Astrid Bergmeister | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Multiple Sklerose: Hilfe zur zellulären Selbsthilfe
15.01.2019 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht NTU Singapur und MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung eröffnen Labor für "Künstliche Sinne"
15.01.2019 | Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken den biologisch abbaubaren Rohstoff nun mit zusätzlichen Fähigkeiten, um Implantate für Knorpelerkrankungen mittels 3-D-Druck fertigen zu können.

Alles beginnt mit einem Ohr. Empa-Forscher Michael Hausmann entfernt das Objekt in Form eines menschlichen Ohrs aus dem 3-D-Drucker und erklärt: «Nanocellulose...

Im Focus: Nanocellulose for novel implants: Ears from the 3D-printer

Cellulose obtained from wood has amazing material properties. Empa researchers are now equipping the biodegradable material with additional functionalities to produce implants for cartilage diseases using 3D printing.

It all starts with an ear. Empa researcher Michael Hausmann removes the object shaped like a human ear from the 3D printer and explains:

Im Focus: Roter Riesenvollmond in den Morgenstunden des 21. Januar

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Frühaufsteher sind diesmal im Vorteil: Wer am Morgen des 21. Januar 2019 vor 6:45 Uhr einen Blick an den Himmel wirft, kann eine totale Mondfinsternis bestaunen. Dann leuchtet der sonst so strahlende Vollmond zwischen den Sternbildern Zwillingen und Krebs glutrot.

Um das Finsternis-Spektakel in seiner gesamten Länge zu verfolgen, muss man allerdings sehr früh aus dem Bett: Kurz nach 4:30 Uhr beginnt der Mond sich langsam...

Im Focus: Atomarer Mechanismus der Supraschmierung aufgeklärt

Das Phänomen der sogenannten Supraschmierung ist bekannt, es war jedoch auf atomarer Ebene bislang nicht zu erklären: Wie entsteht die extrem niedrige Reibung beispielsweise in Lagern? Forscherinnen und Forscher der Fraunhofer-Institute IWM und IWS entschlüsselten gemeinsam einen universellen Mechanismus der Supraschmierung bei bestimmten diamantähnlichen Kohlenstoffschichten in Verbindung mit organischen Schmierstoffen. Auf dieser Wissensbasis ist es nun möglich, Designregeln für supraschmierende Schicht-Schmierstoff-Kombinationen zu formulieren. Die Ergebnisse präsentiert ein Artikel der Zeitschrift Nature Communications, Ausgabe 10.

Eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität ist, Reibung zu minimieren. Diesem wichtigen Vorhaben widmen sich...

Im Focus: Elucidating the Atomic Mechanism of Superlubricity

The phenomenon of so-called superlubricity is known, but so far the explanation at the atomic level has been missing: for example, how does extremely low friction occur in bearings? Researchers from the Fraunhofer Institutes IWM and IWS jointly deciphered a universal mechanism of superlubricity for certain diamond-like carbon layers in combination with organic lubricants. Based on this knowledge, it is now possible to formulate design rules for supra lubricating layer-lubricant combinations. The results are presented in an article in Nature Communications, volume 10.

One of the most important prerequisites for sustainable and environmentally friendly mobility is minimizing friction. Research and industry have been dedicated...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung zu Antibiotikaresistenzen

15.01.2019 | Veranstaltungen

Lasersymposium Elektromobilität in Aachen

11.01.2019 | Veranstaltungen

Die Rolle des Menschen in der digitalisierten Arbeitswelt

10.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Multiple Sklerose: Hilfe zur zellulären Selbsthilfe

15.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Tagung zu Antibiotikaresistenzen

15.01.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

15.01.2019 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics