Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nerz vom Aussterben bedroht – Optimales Zuchtmanagement soll Wiederansiedelung ermöglichen

22.09.2015

Der Europäische Nerz ist weltweit vom Aussterben bedroht. Die Art zu erhalten, ist Ziel mehrerer Wiederansiedelungsprogramme. Eines davon wird in Estland betrieben, wo Forschende der Vetmeduni Vienna nun den Zyklus der weiblichen Tiere genau analysiert haben. Hormonuntersuchungen bestätigten erstmals, dass Weibchen drei bis vier Mal pro Jahr empfängnisbereit sind. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt Theriogenology veröffentlicht und sollen helfen, die Tiere wieder im Freiland anzusiedeln.

Der Europäische Nerz (Mustela lutreola) zählt zu den am meisten bedrohten Säugetierarten Europas. Die Ursachen für sein Verschwinden sind die Zerstörung seines Lebensraumes in wassernahen Regionen, die Konkurrenz durch den Amerikanischen Nerz, sowie intensive Bejagung in der Vergangenheit.

Der Europäische Nerz wird häufig mit dem Amerikanischen Nerz oder Mink (Neovison vison, früher Mustela vison) verwechselt. Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Mink ist ein sogenannter Gefangenschaftsflüchtling, der aus Pelztierfarmen entkommen ist und sich hierzulande erfolgreich angesiedelt hat. Der größere und robustere Mink hat den Europäischen Nerz nahezu vollkommen verdrängt.

Artenschutzprojekte in ganz Europa standen bisher vor dem Problem, dass sich Europäische Nerze ungern im Zoo fortpflanzen. Die Gefangenschaft scheint sich negativ auf den Zuchterfolg auszuwirken. Ohne Anzucht im Zoo ist aber keine Freilassung und Wiederansiedelung in den Schutzgebieten möglich. „Je mehr wir über die Physiologie der Nerze wissen, desto besser können wir auf ihre Bedürfnisse reagieren“, so der Leiter der Studie, Franz Schwarzenberger vom Institut für Physiologie, Pathophysiologie und experimentelle Endokrinologie an der Vetmeduni Vienna.

Kotproben liefern Daten über Reproduktion

Im Rahmen einer Kooperation von WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna mit dem Forschungslabor für Gefährdete Arten des Zoo Tallinn in Estland und dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Europäischen Nerze, wurden Kotproben gesammelt und in Wien analysiert. Ziel der Untersuchungen war es, die herkömmlichen Methoden zur Bestimmung von Brunst, Eisprung und Trächtigkeit auf ihre Gültigkeit zu überprüfen und ihre Aussagen zu optimieren. Bisher lieferte ein Vaginalabstrich Hinweise auf die Befruchtungsfähigkeit der Weibchen. Mit der Studie sollten die so erhobenen Daten erstmals validiert werden.

„Mit unserer nicht invasiven Methode haben wir die Östrogenlevel bei den Weibchen bestimmt und jahreszeitliche Hormonprofile erstellt. Es zeigte sich, dass Östrogene zur Zeit des Eisprungs ansteigen. Solche Östrogen-Peaks kommen im Schnitt drei bis vier Mal im Jahr vor. Die Tiere sind also polyöstrisch. Das heißt, sie sind während der Paarungssaison in regelmäßigen Abständen fruchtbar. Zuvor setzte man ein Weibchen, das einmal erfolglos verpaart wurde, im selben Jahr kein zweites Mal für eine Verpaarung ein. Mit unseren Ergebnissen können Verpaarungen wesentlich effektiver geplant werden“, erklärt Schwarzenberger.

Auf der Suche nach dem perfekten Paar

Europäische Nerze sind Einzelgänger und leben in freier Wildbahn streng territorial. Nur zur Paarungszeit kommen sie sich näher. In Gefangenschaft stehen den Tieren deshalb wohnungsgroße Einzelgehege zur Verfügung. Den Zeitpunkt für eine Paarung im Zoo zu treffen ist schwierig, weil die Tiere einander angreifen, wenn sie nicht paarungsbereit sind. „Um die Chancen einer Befruchtung zu erhöhen, werden die Weibchen in der Zuchtsaison regelmäßig untersucht. Auch während einer Paarung achtet man vor allem bei den Männchen genau auf das Verhalten“, erklärt die Erstautorin Astrid Nagl.

Im Zoo in Tallinn werden bei den weiblichen Tieren dazu Vaginalabstriche gemacht, um den Zeitpunkt des Eisprungs genau vorhersagen zu können. Diese Methode lieferte allerdings nicht immer zufriedenstellende Ergebnisse. „Die Daten aus den Kotanalysen wirken hier ergänzend, sodass auch einige Weibchen, die bisher nicht erfolgreich verpaart werden konnten, nun Nachwuchs bekommen haben“, berichtet Schwarzenberger.

Wiederansiedelung in Europa nicht überall möglich

In Österreich ist die Wiederansiedelung des Europäischen Nerzes nicht so einfach möglich. Grund dafür ist laut Schwarzenberger der Mink. „Er besiedelt beispielsweise österreichische Fluss- und Auregionen und hat dort den Europäischen Nerz vertrieben. Den Europäischen Nerz in diesen Regionen auszusetzen, würde sein Todesurteil bedeuten, da der Mink sein Revier verteidigen würde. Eine Wiederansiedelung ist also nur in Mink-freien Regionen möglich“, so Schwarzenberger.
Der Zoo Tallinn beherbergt mittlerweile etwa 100-120 Europäische Nerze. Die im Zoo gezüchteten Tiere werden im Freiland auf den estnischen Inseln Hiiumaa und Saaremaa wieder angesiedelt, wo keine Minks leben. Auch in Nordwestdeutschland gibt es am Steinhuder Meer ein vielversprechendes Wiederansiedelungsprojekt.

Service
Der Artikel “Non‐invasive monitoring of female reproductive hormone metabolites in the endangered European mink (Mustela lutreola)” von Astrid Nagl, Nadja Kneidinger, Kairi Kiik, Heli Lindeberg, Tiit Maran und Franz Schwarzenberger wurde im Journal Theriogenology veröffentlicht. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0093691X15003817

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Im Jahr 2015 feiert die Vetmeduni Vienna ihr 250-jähriges Bestehen. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Franz Schwarzenberger
Institut Physiologie, Pathophysiologie und experimentelle Endokrinologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-4104
franz.schwarzenberger@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
Heike Hochhauser
Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1151
heike.hochhauser@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2015/ner...

Heike Hochhauser | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Einzelgänger Endokrinologie Nerz Pathophysiologie Vetmeduni

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Türsteher im Gehirn
06.08.2020 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Peptide: Forschungs-Erfolg mit den kleinen Geschwistern der Proteine
06.08.2020 | Hochschule Coburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics