Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Natürlicher Pfeffer-Wirkstoff gegen Moskitos

20.08.2009
Insektenschutzmittel DEET als Nervengift identifiziert

Ein Chemikerteam des US-Department of Agriculture (USDA) hat beim Treffen der American Chemical Society ein neues hocheffizientes Insektenschutzmittel vorgestellt, die chemisch mit Stoffen aus dem Pfeffer verwandt sind. In Versuchen hat das neue Mittel den am häufigsten verwendeten Stoff DEET übertrumpft. Im Fachmagazin BMC Biology haben die Forscher um Vincent Corbel darüber berichtet, dass DEET schwerwiegende Gesundheitsschäden hervorrufen kann.

"Unser Ziel ist es, Krankheitsübertragungen zu verringern", so die USDA-Chemikerin Maia Tsikolia. Tsikolia und ihr Team haben mit einem Computerprogramm 2.000 Substanzen, die als Insekten-Repellentien in Frage kommen, gefunden. Anschließend wurden 23 dieser Substanzen im Labor auf ihre Wirkung hin untersucht und die Ergebnisse anschließend evaluiert. Das beste Ergebnis haben einige chemische Substanzen aus der Klasse der N-Acylpiperidine erzielt. Unter anderem bestand ein Test darin, dass bei Freiwilligen der Stoff auf Haut und Kleidung aufgetragen wurde und sie anschließend in eine Box mit 500 Stechmücken greifen mussten. Das am weitesten verbreitete Insektenschutzmittel DEET Diethyl-3-Methylbenzamid wirkte insgesamt nur 17 Tage während der neue Wirkstoff Schutz für 73 Tage bot. Bis die Substanz allerdings marktreif ist, wird es noch sehr lange dauern. "Bis jetzt haben wir sie nämlich nur an einer einzigen Stechmückenart getestet", so Tsikolia.

Das Team um Vincent Corbel vom Institut de recherche pour le Développement (IRD) http://www.ird.fr in Montpellier hat erst kürzlich festgestellt, dass DEET unter anderem ein Enzym, das Botenstoffe im Gehirn abbaut - die so genannte Cholinesterase - hemmt. Diesen Effekt konnte das Forscherteam durch Untersuchungen mit Zellkulturen nachweisen. Gefährlich sei vor allem, DEET zusammen mit Insektiziden zu verwenden, dann könne sich deren schädigende Wirkung verstärken. Zahlreiche Hersteller präparieren beispielsweise Kleidung oder Moskitonetze gegen Malariamücken mit Insektiziden. Nach Ansicht von Experten werden DEET-haltige Produkte von rund 200 Mio. Menschen verwendet. Mehr als acht Mrd. Einheiten sollen in den vergangenen 50 Jahren verkauft worden sein.

Die Verträglichkeit von DEET wird als ausgezeichnet beschrieben und auch die ansonsten kritische US-Environmental Protection Agency (EPA) hatte vor zehn Jahren nach einer ausführlichen toxikologischen Sicherheitsprüfung keine Einwände. Selbst Kinder dürfen das Repellens anwenden. Experten wie Rene Csuk, Professor für Organische Chemie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg http://www.uni-halle.de , der an der Erforschung neuer Insektenschutzmittel arbeitet (pressetext berichtete http://pressetext.at/news/080319001/ ), meinte im Interview mit pressetext, dass DEET zu Hautreizungen führen könne und bei Kindern daher nur eine verdünnte Konzentration verwendet werden sollte.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.usda.gov
http://www.acs.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht HD-Mikroskopie in Millisekunden
20.09.2019 | Universität Bielefeld

nachricht Alpenflora im Klimawandel: Pflanzen reagieren mit "Verspätung"
20.09.2019 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 'Nanochains' could increase battery capacity, cut charging time

How long the battery of your phone or computer lasts depends on how many lithium ions can be stored in the battery's negative electrode material. If the battery runs out of these ions, it can't generate an electrical current to run a device and ultimately fails.

Materials with a higher lithium ion storage capacity are either too heavy or the wrong shape to replace graphite, the electrode material currently used in...

Im Focus: Nervenzellen feuern Hirntumorzellen zum Wachstum an

Heidelberger Wissenschaftler und Ärzte beschreiben aktuell im Fachjournal „Nature“, wie Nervenzellen des Gehirns mit aggressiven Glioblastomen in Verbindung treten und so das Tumorwachstum fördern / Mechanismus der Tumor-Aktivierung liefert Ansatzpunkte für klinische Studien

Nervenzellen geben ihre Signale über Synapsen – feine Zellausläufer mit Kontaktknöpfchen, die der nächsten Nervenzelle aufliegen – untereinander weiter....

Im Focus: Stevens team closes in on 'holy grail' of room temperature quantum computing chips

Photons interact on chip-based system with unprecedented efficiency

To process information, photons must interact. However, these tiny packets of light want nothing to do with each other, each passing by without altering the...

Im Focus: Happy hour für die zeitaufgelöste Kristallographie

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD), der Universität Hamburg und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) hat eine neue Methode entwickelt, um Biomoleküle bei der Arbeit zu beobachten. Sie macht es bedeutend einfacher, enzymatische Reaktionen auszulösen, da hierzu ein Cocktail aus kleinen Flüssigkeitsmengen und Proteinkristallen angewandt wird. Ab dem Zeitpunkt des Mischens werden die Proteinstrukturen in definierten Abständen bestimmt. Mit der dadurch entstehenden Zeitraffersequenz können nun die Bewegungen der biologischen Moleküle abgebildet werden.

Die Funktionen von Biomolekülen werden nicht nur durch ihre molekularen Strukturen, sondern auch durch deren Veränderungen bestimmt. Mittels der...

Im Focus: Happy hour for time-resolved crystallography

Researchers from the Department of Atomically Resolved Dynamics of the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter (MPSD) at the Center for Free-Electron Laser Science in Hamburg, the University of Hamburg and the European Molecular Biology Laboratory (EMBL) outstation in the city have developed a new method to watch biomolecules at work. This method dramatically simplifies starting enzymatic reactions by mixing a cocktail of small amounts of liquids with protein crystals. Determination of the protein structures at different times after mixing can be assembled into a time-lapse sequence that shows the molecular foundations of biology.

The functions of biomolecules are determined by their motions and structural changes. Yet it is a formidable challenge to understand these dynamic motions.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

92. Neurologie-Kongress: Mehr als 6500 Neurologen in Stuttgart erwartet

20.09.2019 | Veranstaltungen

Frische Ideen zur Mobilität von morgen

20.09.2019 | Veranstaltungen

Thermodynamik – Energien der Zukunft

19.09.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ferroelektrizität verbessert Perowskit-Solarzellen

20.09.2019 | Energie und Elektrotechnik

HD-Mikroskopie in Millisekunden

20.09.2019 | Biowissenschaften Chemie

Kinobilder aus lebenden Zellen: Forscherteam aus Jena und Bielefeld 
verbessert superauflösende Mikroskopie

20.09.2019 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics