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Nanokosmos sichtbar gemacht: Daten der Rasterkraftmikroskopie künftig direkt vergleichbar

07.09.2017

Neuer Ansatz für quantitative Datenanalyse auch bei unterschiedlichen Betriebsmodi

Kleinste Strukturen auf der Ebene von Atomen und Molekülen lassen sich mit der Rasterkraftmikroskopie sichtbar machen. Seit ihrer Erfindung durch den deutschen Nobelpreisträger Gerd Binnig sind drei Jahrzehnte vergangen, in denen die Messmethode tiefe Einblicke in den Nanokosmos ermöglicht hat – insbesondere für die Grundlagenforschung in der Chemie, Physik und den Materialwissenschaften, aber auch in der Biologie.


Hochauflösende Aufnahme der Grenzfläche zwischen dem Mineral Calcit und flüssigem Wasser: Direkt über der Oberfläche des Minerals (unten) ist eine schachbrettartige Struktur zu erkennen, die zeigt, wo sich Wassermoleküle bevorzugt aufhalten.

Foto/©: Hagen Söngen

An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wird die Rasterkraftmikroskopie beispielsweise eingesetzt, um zu erforschen, wie sich Wassermoleküle an der Grenzfläche von Mineralien anordnen. Eine Veröffentlichung aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Angelika Kühnle am Institut für Physikalische Chemie zeigt jetzt, wie die verschiedenen Analysemethoden für die Rasterkraftmikroskopie vereinheitlicht werden können.

Die Rasterkraftmikroskopie dient zur Erforschung von Oberflächen auf kleinsten Skalen: Eine feine Nadel, die vorne auf wenige Nanometer zugespitzt ist, wird über eine Oberfläche bewegt und erfühlt diese Fläche, in etwa so wie sich eine Plattenspielernadel über eine Schallplatte bewegt. Die Bewegungen der Nadel werden über einen Biegebalken abgeleitet und gemessen.

In den 30 Jahren seit Erfindung der Rasterkraftmikroskopie haben sich verschiedene Betriebsmodi herausgebildet, darunter die Amplitudenmodulation und die Frequenzmodulation als die beiden wichtigsten Vertreter. Die Analyse der jeweils erhaltenen Daten beruhte dann meistens auf verfahrensspezifischen Annahmen und Annäherungen.

„Wir haben nun alle Mess-Modi zusammengefasst und vereinheitlichen die Theorie für alle Modi“, erklärt Dr. Hagen Söngen zu der Veröffentlichung „Quantitative atomic force microscopy“, die im Rahmen seiner Doktorarbeit in der Arbeitsgruppe von Kühnle entstanden ist.

Damit besteht die Möglichkeit, dass unterschiedliche Gebiete der Oberflächenforschung mittels Rasterkraftmikroskopie näher zusammenrücken und sich besser austauschen können. „Der direkte Vergleich von Daten, die mit unterschiedlichen Methoden analysiert wurden, kann extrem mühsam und anspruchsvoll sein“, so Söngen.

„Das Tolle an der neuen Analysemethode ist jetzt, dass wir unabhängig von dem verwendeten Modus eine einheitliche Methode vorlegen, die Aufschluss über die Kraft zwischen der Messspitze und der Materialprobe liefert, und wir dann die Daten einfach miteinander vergleichen können.“

An der JGU stehen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehrere hochauflösende Rasterkraftmikroskope für die Oberflächenforschung zur Verfügung. Der Standort Mainz zählt zu den wenigen Plätzen weltweit, die extreme Hochauflösungsmessungen vornehmen können.

Foto:
http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/09_phys_chemie_rasterkraftmikroskopie.jpg
Hochauflösende Aufnahme der Grenzfläche zwischen dem Mineral Calcit und flüssigem Wasser: Direkt über der Oberfläche des Minerals (unten) ist eine schachbrettartige Struktur zu erkennen, die zeigt, wo sich Wassermoleküle bevorzugt aufhalten.
Foto/©: Hagen Söngen

Veröffentlichung:
Hagen Söngen, Ralf Bechstein, Angelika Kühnle
Quantitative atomic force microscopy
Journal of Physics: Condensed Matter, 6. Juni 2017
DOI: 10.1088/1361-648X/aa6f8b
http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1361-648X/aa6f8b/meta

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Angelika Kühnle
Institut für Physikalische Chemie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-23930
Fax +49 6131 39-23895
E-Mail: kuehnle@uni-mainz.de
http://www.self-assembly.uni-mainz.de/98.php

Weitere Links:
http://www.uni-mainz.de/presse/51907.php (Pressemitteilung vom 10.05.2012 „Auf dem Weg zum Quantencomputer“)

Petra Giegerich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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