Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekulare Muster komplexer Erkrankungen nachgewiesen

16.02.2017

Das Helmholtz Zentrum München hat Ergebnisse der bislang größten genomweiten Assoziationsstudie zur Proteomik veröffentlicht. Ein internationales Team von Wissenschaftlern zeigt in ‚Nature Communications‘ 539 Zusammenhänge zwischen Proteinspiegeln und genetischen Varianten. Diese Assoziationen überlappen mit Risikogenen für 42 komplexe Erkrankungen.

Genomweite Assoziationsstudien (GWAS) bieten die Möglichkeit, Konzentrationsänderungen bestimmter Proteine oder Stoffwechselprodukte mit Genorten in Zusammenhang zu bringen. Durch das Wissen über diese Gene können Verbindungen zu komplexen Erkrankungen hergestellt werden.


Netzwerk der Interaktion von Genom, Proteom und Erkrankungen.

Quelle: Nature Communications / CC BY 4.0

Dabei nutzen Wissenschaftler aus, dass bislang hunderte Assoziationen genetischer Varianten mit komplexen Erkrankungen aufgezeigt worden sind. Diese Zusammenhänge sind immens wichtig, da sie helfen, die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen aufzudecken.

„Bei der bisher weltweit größten Proteomik-GWAS haben wir zusammen mit Kollegen* Blutproben von 1.000 Teilnehmern der KORA-Studie** untersucht“, berichtet Dr. Gabi Kastenmüller. Sie ist kommissarische Direktorin und Leiterin der Metabolomics-Gruppe am Institut für Bioinformatik und Systembiologie (IBIS) des Helmholtz Zentrums München.

Das Team bestimmte insgesamt 1.100 Proteine. Dr. Christian Gieger, Leiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie (AME) am Helmholtz Zentrum München, ergänzt: „Wir fanden 539 unabhängige Assoziationen zwischen Proteinspiegeln und genetischen Varianten.“ Diese überlappen sich mit Risikogenvarianten für 42 komplexe Krankheiten, wie beispielsweise kardiovaskuläre Erkrankungen oder auch die Alzheimer-Erkrankung.

„Unsere Ergebnisse geben neue Einblicke in die Pathomechanismen, die von verschiedensten komplexen Erkrankungen beeinflusst werden und können als Grundlage für die Entwicklung neuer Strategien zur Prädiktion und Prävention dieser Erkrankungen dienen“, ergänzt Gieger. Jetzt plant das Team, die genauen Mechanismen neuer Gen-Protein-Zusammenhänge zu untersuchen.


Weitere Informationen

* Am Helmholtz Zentrum München waren beteiligt: die Abteilung für Molekulare Epidemiologie (AME), das Institut für Epidemiologie 2 (EPI2), das Institut für Bioinformatik und Systembiologie (IBIS) sowie das Institut für Genetische Epidemiologie (IGE). Externe Partner waren das deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD), das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Weill Cornell Medicine, Qatar und Doha, Qatar.

** KORA- Studie: Die Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA) untersucht seit 30 Jahren die Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg. Ziel ist es, die Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen zu verstehen. Kernthemen der KORA-Studien sind Fragen zu Entstehung und Verlauf von chronischen Erkrankungen, insbesondere Herzinfarkt und Diabetes mellitus. Hierzu werden Risikofaktoren aus dem Bereich des Gesundheitsverhaltens (u.a. Rauchen, Ernährung, Bewegung), der Umweltfaktoren (u.a. Luftverschmutzung, Lärm) und der Genetik erforscht. Aus Sicht der Versorgungsforschung werden Fragen der Inanspruchnahme und Kosten der Gesundheitsversorgung untersucht.

Original-Publiaktion:

Karsten Suhre et al. (2017): Connecting genetic risk to disease endpoints through the human blood plasma proteome, Nature Communications, DOI: 10.1038/ncomms14357

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

Schwerpunkt des Instituts für Bioinformatik und Systembiologie (IBIS) ist die Analyse und Interpretation großer, hochdimensionaler biologischer Datensätze, um daraus Informationen zur molekularen Grundlage von komplexen Erkrankungen zu extrahieren. In diesem Rahmen werden genetische Varianten, Expressionsmuster sowie Protein- und Metabolitenprofile und deren Zusammenhänge systematisch untersucht. Dabei entwickelt IBIS neue bioinformatische und systembiologische Methoden und Ressourcen, die die Modellierung und Visualisierung von Hochdurchsatzdaten und den daraus gewonnenen Ergebnissen ermöglichen. http://www.helmholtz-muenchen.de/ibis

Die Abteilung Molekulare Epidemiologie (AME) analysiert populationsbasierte Kohorten und Fallstudien für bestimmte Krankheiten mit Hilfe von Genomik, Epigenomik, Transkriptomik, Proteomik, Metabolomik und funktionellen Analysen. Ziel ist, die molekularen Mechanismen komplexer Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Adipositas aufzuklären. Die Abteilung führt die Bioprobenbank der Epidemiologie und übernimmt die Probenverwaltung und -lagerung für nationale und internationale Projekte. http://www.helmholtz-muenchen.de/ame

Ansprechpartner für die Medien:
Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2238 - Fax: +49 89 3187 3324 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Fachliche Ansprechpartner:
Dr. Christian Gieger, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Abteilung für Molekulare Epidemiologie, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 4106 - E-Mail: christian.gieger@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen:

http://www.helmholtz-muenchen.de/no_cache/presse-medien/pressemitteilungen/alle-pressemitteilungen - Weitere Mitteilungen des Helmholtz Zentrums München mit Themenfilter-Funktion

Sonja Opitz | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren
16.11.2018 | Universität Bayreuth

nachricht Günstiger Katalysator für das CO2-Recycling
16.11.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mikroplastik in Kosmetik

16.11.2018 | Studien Analysen

Neue Materialien – Wie Polymerpelze selbstorganisiert wachsen

16.11.2018 | Materialwissenschaften

Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren

16.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics