Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MoLab erfolgreich im Stjernsund installiert

14.06.2012
ROV PHOCA des GEOMAR bewährt sich bei Unterwasserarbeiten in Nordnorwegen
Heute kehrte das Forschungsschiff POSEIDON des GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel nach einer dreiwöchigen Nordmeer-Expedition in den Heimathafen Kiel zurück. Während der Fahrt haben Wissenschaftler und Techniker des GEOMAR das neu entwickelte Ozeanboden-Observatorium MoLab an einem Kaltwasserkorallenriff im norwegischen Stjernsund installiert. Dabei kam erstmals auch der Unterwasserroboter ROV PHOCA zum Einsatz.

Strahlende Gesichter heute Morgen an der Pier des GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel: Nach drei wissenschaftlich erfolgreichen Wochen im europäischen Nordmeer kehrte das Forschungsschiff POSEIDON in seinen Heimathafen zurück. Die Meeresforscher und Techniker des GEOMAR hatten im norwegischen Stjernsund auf 70° Nord das neu entwickelte „Modulare multidisziplinäre Meeresboden-Observatorium“ (MoLab) auf einem Kaltwasserkorallenriff installiert. Es ist der erste wissenschaftliche Einsatz des neuen Systems.
„Wir konnten die MoLab Komponenten so platzieren, wie wir es geplant hatten. Die Technik hat ausgezeichnet funktioniert“, resümiert Fahrtleiter Dr. Olaf Pfannkuche vom GEOMAR kurz nach der Rückkehr. „Sogar das Wetter hat mitgespielt, was in diesen Breiten nicht selbstverständlich ist. Aber mit ruhiger See und blauem Himmel hatten wir ideale Arbeitsbedingungen“, ergänzt der Meeresgeologe Dr. Sascha Flögel, ebenfalls vom GEOMAR.

Nachdem am 26. Mai die Komponenten des MoLab-Systems in Bergen (Norwegen) auf die POSEIDON verladen worden waren, fuhr das Kieler Forschungsschiff innerhalb weniger Tage zu seinem Einsatzgebiet im Stjernsund, rund 60 Kilometer südwestlich der Stadt Hammerfest. Dort liegt in 220 bis 350 Metern Wassertiefe eines der nördlichsten bekannten Kaltwasserkorallenriffe Europas. Ziel der Wissenschaftler ist es, die Rahmenbedingungen für das Wachstum der Korallen und die Wechselbeziehungen innerhalb des Kaltwasserkorallen-Ökosystem zu untersuchen. „Speziell dieses Riff ist bisher kaum erforscht. Wir konnten aber erkennen, dass es in einem hervorragenden Zustand ist“, erklärt Dr. Flögel, „es gibt dort nur sehr wenig Einflüsse durch Fischerei oder andere menschliche Aktivitäten. Deshalb können wir dort gut die Grundvoraussetzungen studieren, die nötig sind, damit sich Kaltwasserkorallen überhaupt ansiedeln.“

Dabei soll das Ozeanboden-Observatorium MoLab ganz neue Erkenntnisse liefern. Es besteht aus einem Verbund verschiedener Geräte, die flexibel je nach den erforderlichen wissenschaftlichen Anforderungen zusammengestellt werden können. Im Stjernsund haben die Kieler Meeresforscher insgesamt acht einzelne autonome Tiefseeobservatorien („Lander“) in unterschiedlichen Ausstattungen und Größen über eine Fläche von rund fünf Quadratkilometern platziert. Hinzu kommen zwei jeweils 300 m lange ozeanographische Verankerungen, die alle eine identische Basis-Sensorik besitzen. Das Herzstück von MoLab bildet ein zentrales Kommunikationsmodul, das in einer der Verankerungen integriert ist. Über akustische Signale ist es mit allen anderen Geräten im Messfeld verbunden. Dadurch entsteht aus den Messungen aller Module ein synchronisierter Datensatz. „So sind Vorgänge im gesamten Messfeld räumlich und zeitlich präzise nachvollziehbar“, berichtet Dr. Pfannkuche und ergänzt: „Erste Versuche direkt nach der Installation haben gezeigt, dass das System funktioniert.“

Ein MoLab-Modul wird im nordnorwegischen Stjernsund platziert. Foto: Peter Linke, GEOMAR

Unentbehrliche Hilfe bei den Arbeiten war der kabelgesteuerte Tiefseeroboter ROV PHOCA, für den die Expedition ebenfalls der erste wissenschaftliche Einsatz war. Mit Hilfe der Kameras des ROV konnte das Riff zunächst erkundet werden, um die besten Plätze für die MoLab-Module zu bestimmen. Bei der anschließenden Installation halfen die Greifarme des ROV, die einzelnen Geräte präzise auf dem Riff zu positionieren. „Das ROV PHOCA hat uns sozusagen Augen und Hände in der Tiefe ersetzt“, sagt Dr. Pfannkuche. Er bedankt sich in diesem Zusammenhang bei den Piloten des GEOMAR ROV Teams für die professionelle Arbeit mit dem komplexen High-Tech-Gerät.

„Ein weiterer Dank gilt der Besatzung der POSEIDON“, ergänzt der Fahrtleiter“, ihr seemännisches Können hat ebenfalls sehr zum Gelingen der Expedition beigetragen. Gleichzeitig konnte damit der Nachweis erbracht werden, dass ein derartiges Observatorium auch mit einem unserer mittelgroßen Schiffe eingesetzt werden kann.“

Bis September werden die MoLab-Sensoren nun automatisch die physikalischen und chemischen Umweltbedingungen der Kaltwasserkorallen im Stjernsund aufzeichnen. Dann wird das gesamte System wieder mit Hilfe der POSEIDON und des ROV PHOCA vom Meeresboden geborgen und die gemessenen Daten werden ausgelesen. „Wir sind schon sehr gespannt. Viele marine Prozesse und deren Zusammenspiel mit der Verbreitung der Korallen sind bisher unverstanden oder gar nicht bekannt. Mit MoLab haben wir jetzt erstmals die Chance, eine Vielzahl dieser Prozesse über einen langen Zeitraum und eine große Fläche zu beobachten. Wir hoffen, dass das unser Verständnis vom Ökosystem Kaltwasserkorallenriff entscheidend voranbringt“, betont Dr. Flögel.

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de/n781
http://www.geomar.de/institut/einrichtungen/technik-und-logistikzentrum/unter-wasser/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Synthese gegen die Stoppuhr: Neuartiges Radiopharmakon zur Diagnostik tumorrelevanter Transportproteine entwickelt
06.04.2020 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

nachricht Winzige Meeresbewohner als Schlüssel für globale Kreisläufe
06.04.2020 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

In vielen Bereichen spielen „Elektrolyte“ eine wichtige Rolle: Sie sind bei der Speicherung von Energie in unserem Körper wie auch in Batterien von großer Bedeutung. Um Energie freizusetzen, müssen sich Ionen – geladene Atome – in einer Flüssigkeit, wie bspw. Wasser, bewegen. Bisher war jedoch der präzise Mechanismus, wie genau sie sich durch die Atome und Moleküle der Elektrolyt-Flüssigkeit bewegen, weitgehend unverstanden. Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung haben nun gezeigt, dass der durch die Bewegung von Ionen bestimmte elektrische Widerstand einer Elektrolyt-Flüssigkeit sich auf mikroskopische Schwingungen dieser gelösten Ionen zurückführen lässt.

Kochsalz wird in der Chemie auch als Natriumchlorid bezeichnet. Löst man Kochsalz in Wasser lösen sich Natrium und Chlorid als positiv bzw. negativ geladene...

Im Focus: When ions rattle their cage

Electrolytes play a key role in many areas: They are crucial for the storage of energy in our body as well as in batteries. In order to release energy, ions - charged atoms - must move in a liquid such as water. Until now the precise mechanism by which they move through the atoms and molecules of the electrolyte has, however, remained largely unknown. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now shown that the electrical resistance of an electrolyte, which is determined by the motion of ions, can be traced back to microscopic vibrations of these dissolved ions.

In chemistry, common table salt is also known as sodium chloride. If this salt is dissolved in water, sodium and chloride atoms dissolve as positively or...

Im Focus: Den Regen für Hydrovoltaik nutzen

Wassertropfen, die auf Oberflächen fallen oder über sie gleiten, können Spuren elektrischer Ladung hinterlassen, so dass sich die Tropfen selbst aufladen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben dieses Phänomen, das uns auch in unserem Alltag begleitet, nun detailliert untersucht. Sie entwickelten eine Methode zur Quantifizierung der Ladungserzeugung und entwickelten zusätzlich ein theoretisches Modell zum besseren Verständnis. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der beobachtete Effekt eine Möglichkeit zur Energieerzeugung und ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Reibungselektrizität sein.

Wassertropfen, die über nicht leitende Oberflächen gleiten, sind überall in unserem Leben zu finden: Vom Tropfen einer Kaffeemaschine über eine Dusche bis hin...

Im Focus: Harnessing the rain for hydrovoltaics

Drops of water falling on or sliding over surfaces may leave behind traces of electrical charge, causing the drops to charge themselves. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz have now begun a detailed investigation into this phenomenon that accompanies us in every-day life. They developed a method to quantify the charge generation and additionally created a theoretical model to aid understanding. According to the scientists, the observed effect could be a source of generated power and an important building block for understanding frictional electricity.

Water drops sliding over non-conducting surfaces can be found everywhere in our lives: From the dripping of a coffee machine, to a rinse in the shower, to an...

Im Focus: Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

Verschränkte Lichtteilchen lassen sich nutzen, um Bildgebungs- und Messverfahren zu verbessern. Ein Forscherteam am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena hat eine Quantenimaging-Lösung entwickelt, die in extremen Spektralbereichen und mit weniger Licht genaueste Einblicke in Gewebeproben ermöglichen kann.

Optische Analyseverfahren wie Mikroskopie und Spektroskopie sind in sichtbaren Wellenlängenbereichen schon äußerst effizient. Doch im Infrarot- oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

06.04.2020 | Energie und Elektrotechnik

Virtueller Roboterschwarm auf dem Mars

06.04.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics