Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschliche Surfactant Proteine in Bakterien verfälschen wissenschaftliche Arbeiten

30.01.2013
Surfactant Proteine sind ein wichtiger Teil des menschlichen Immunsystems im Kampf gegen bakterielle Krankheitserreger und sie sind daran beteiligt, dass wir überhaupt atmen können.
Forscher des Lehrstuhls für Anatomie II an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nun nachgewiesen, dass auch krankheitserregende Bakterien diese Proteine enthalten. Dieses Ergebnis, das die Erlanger Forscher jetzt in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht haben, stellt die Befunde zahlreicher wissenschaftlicher Studien in Frage.

Die sogenannten Surfactant Proteine (vom englischen Begriff „surface active agent“ – oberflächenaktive Substanz) sind Eiweiße, die im menschlichen Körper vielfältige Funktionen übernehmen: In der Lunge sorgen sie dafür, dass die Lungenbläschen beim Ausatmen nicht zusammenfallen, in Geweben wie der Nasenschleimhaut verhindern sie deren Austrocknen. Außerdem spielen sie eine wichtige, immunologische Rolle: Als Teil des Immunsystems binden sich die Surfactant Proteine an Erreger und aktivieren so die spezifische Immunabwehr, die die krankheitserregenden Bakterien systematisch bekämpft.

Die beiden FAU-Forscher Prof. Dr. Lars Bräuer und Dr. Martin Schicht sowie ihre Kollegen haben diese Proteine nun in zwei krankheitserregenden Bakterienarten nachgewiesen: in Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa, beides Keime, die schwere Infektionen in der Lunge und auch in anderen Organen auslösen können. Mit weitreichenden Folgen: Zahlreiche wissenschaftliche Studien, die standardisierte Tests nutzen, um die Konzentration der Surfactant Proteine im menschlichen Körper zu ermitteln, könnten ein verzerrtes Ergebnis hervorbringen.
„Es existieren bislang keine Informationen oder Untersuchungen, ob es sich bei den entsprechend nachgewiesenen Proteinen um menschliche oder tatsächlich um bakterielle Proteine handelt. Die Ergebnisse könnten also durchaus auch die Konzentration der bakteriellen Proteine widerspiegeln“, so Bräuer. „Dadurch stützen sich möglicherweise eine sehr große Zahl von Publikationen auf verzerrte Ergebnisse.“ Die Entdeckung ist umso schwerwiegender, als dass die Konzentration der Surfactant Proteine in klinischen Studien und bei der Entwicklung von Therapieoptionen – zum Beispiel bei Mukoviszidose – eine große Rolle spielt.

Die Erforschung der bakteriellen Proteine stand dabei zunächst gar nicht im Fokus der Wissenschaftler, die am Lehrstuhl von Prof. Dr. Friedrich Paulsen forschen. Eigentliches Forschungsziel war die bessere Charakterisierung der menschlichen Surfactant Proteine in unterschiedlichen Organsystemen. Aus Kontrollgründen testeten Bräuer und sein Team in Voruntersuchungen jedoch die Bakterien auf Vorkommen der Proteine – mit einem positiven Ergebnis hatte aber keiner gerechnet. „Zunächst hatten wir an eine Verunreinigung gedacht und haben die Untersuchungen intensiviert“, so Bräuer. Schließlich wurde daraus ein eigenes Projekt, dessen überraschendes Ergebnis die Forscher nun veröffentlicht haben. „Die Entdeckung der bakteriellen Proteine ist eine grundlegende Erkenntnis für eine Vielzahl weiterer Untersuchungen“, erklärt Bräuer.

Eignen sich Bakterien menschliche Proteine an?
Mit den Ergebnissen hat Bräuers Forschergruppe mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. „Wir stehen erst am Anfang der Erforschung dieser bakteriellen Proteine“, sagt Bräuer. „Es gilt nun herauszufinden, ob und wie die Proteine möglicherweise in die Bakterien integriert sind.“ Zurzeit untersuchen er und sein Team einen möglichen horizontalen Gentransfer – die Fähigkeit von Bakterien, sich menschliche Proteine anzueignen.

Der Originalartikel „Staphylococcus aureus and Pseudomonas aeruginosa Express and Secrete Human Surfactant Proteins“ von Lars Bräuer, Martin Schicht, Dieter Worlitzsch, Tobias Bensel, R. Gary Sawers und Friedrich Paulsen wurde in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht (doi: 10.1371/journal.pone.0053705).

Weitere Informationen:
Dr. Martin Schicht
Tel.: 09131/85-26734
martin.schicht@anatomie2.med.uni-erlangen.de
Prof. Dr. Lars Bräuer
Tel.: 09131/85-22864
lars.braeuer@anatomie2.med.uni-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Künstliche neuronale Netze helfen, das Gehirn zu kartieren
17.07.2018 | Max-Planck-Institut für Neurobiologie

nachricht Weltgrößte genetische Studie zu allergischem Schnupfen
17.07.2018 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Pflanzenmütter kommunizieren mit ihren Embryonen über das Hormon Auxin

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus wird zum Internetstar

17.07.2018 | Architektur Bauwesen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics