Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meisen mit hohem Stoffwechsel sind besonders risikofreudig

29.09.2014

Risikoverhalten von Kohlmeisen hängt vom Energiehaushalt und der Umgebungstemperatur ab

Tiere unterscheiden sich oft stark in ihrem Verhalten in Risikosituationen, beispielsweise wenn sie sich Fressfeinden gegenüber sehen. Ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen hat in einer Langzeituntersuchung an Kohlmeisen herausgefunden, dass das Risikoverhalten sowohl von der Stoffwechselrate als auch der Umgebungstemperatur abhängt. Je höher die Stoffwechselrate und je niedriger die Umgebungstemperatur ist, desto näher wagen sich die Vögel an mögliche Fressfeinde heran.


Der Stoffwechsel wirkt sich bei Kohlmeisen auf das Risikoverhalten aus.

© Jan Wijmenga

Die Bereitschaft Risiken einzugehen, kann maßgeblich durch äußere Umstände beeinflusst werden. So zeigt zum Beispiel eine kürzlich erschienene Studie, dass alleinstehende Männer risikofreudiger sind als Männer in einer festen Partnerschaft.

Individuelle Unterschiede im Risikoverhalten findet man aber nicht nur bei uns Menschen, sondern auch bei vielen anderen Wirbeltieren und sogar bei Wirbellosen. Doch nicht nur äußere Faktoren können die Unterschiede im Verhalten erklären, sondern auch die allgemeine Stoffwechselrate des Körpers. Bei Kohlmeisen gibt es beispielsweise starke individuelle Unterschiede in der Stoffwechselrate, die über Jahre hinweg konstant bleiben.

Ein Team aus Forschern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen hat nun in einer Langzeitstudie an Kohlmeisen einen Zusammenhang zwischen Risikoverhalten, Stoffwechselrate und äußeren Faktoren gefunden. Dazu haben sie zwei Jahre  lang die Stoffwechselraten und das Verhalten von 184 Kohlmeisen aus zwölf Populationen zwischen Ammersee und Starnberger See untersucht.

Die Forscher fingen die Tiere in den Nistkästen und brachten sie in eine Respirometer-Kammer, um die Stoffwechselrate, sowie das Gewicht der Tiere zu bestimmen. Danach versahen sie die Tiere mit passiven Transpondern und ließen sie wieder frei. An eigens angelegten Futterstellen mit Transponder-Lesegeräten präsentierten die Wissenschaftler Greifvogelattrappen und spielten zusätzlich Warnrufe von Kohlmeisen ab.

Mit Hilfe der Transponder konnten die Forscher nun für jedes Tier die Zeit messen, die sie für die Rückkehr zur Futterstelle benötigten. Dadurch erhielten sie ein Maß für die Risikobereitschaft der Meisen.

Als nächsten Schritt konnten die Forscher nun diese Faktoren mit Hilfe komplizierter statistischer Berechnungen zueinander in Beziehung setzen. Zunächst unterschieden sich die Kohlmeisen bei der Stoffwechselrate, dem Körpergewicht und dem Risikoverhalten zwischen den beiden Untersuchungsjahren. Die Datenanalyse ergab in jedem Jahr, dass sich Meisen mit einer hohen Stoffwechselrate weniger von einer Attrappe abschrecken lassen als Artgenossen mit einem niedrigen Stoffwechsel.

Erstaunlicherweise beeinflusst auch die Umgebungstemperatur das Risikoverhalten: Bei niedrigen Temperaturen verhalten sich Tiere mit niedrigem Stoffwechsel fast so risikofreudig wie Tiere mit hohem Energieumsatz. “Unterschiede im Risikoverhalten sind also eng mit energetischen Beschränkungen verknüpft.

Vögel, die einen hohen Energiebedarf besitzen, entweder weil sie eine hohe Stoffwechselrate haben oder weil sie niedrige Temperaturen zu einer höheren Thermoregulation zwingen, sind eher bereit, in einer Gefahrensituation auf Nahrungssuche zu gehen“, sagt Kimberley Mathot, Erstautorin der Studie. Möglicherweise können Tiere mit hohem Stoffwechsel Gefahren besser begegnen und sind deshalb risikofreudiger.  

Ansprechpartner 

Kimberley J. Mathot

Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen

Telefon: +49 8157 932-233

 

Dr. Sabine Spehn

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Seewiesen

Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen

Telefon: +49 8157 932-421
Fax: +49 8157 932-209

 

Originalpublikation

 
Kimberley J. Mathot, Marion Nicolaus, Yimen G. Araya-Ajoy, Niels J.Dingemanse, Bart Kempenaers
Does metabolic rate predict risk-taking behaviour? A field experiment in a wild passerine bird
Functional Ecology, 29 September 2014

Kimberley J. Mathot | Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/8429999/kohlmeisen_stoffwechsel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Veränderungen der Chiralität von Molekülen in Echtzeit beobachten
14.11.2019 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Präzise Schadstoffermittlung aus dem All
14.11.2019 | Max-Planck-Institut für Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bauplan eines bakteriellen Kraftwerks entschlüsselt

Wissenschaftler der Universität Würzburg und der Universität Freiburg gelang es die komplexe molekulare Struktur des bakteriellen Enzyms Cytochrom-bd-Oxidase zu entschlüsseln. Da Menschen diesen Typ der Oxidase nicht besitzen, könnte dieses Enzym ein interessantes Ziel für neuartige Antibiotika sein.

Sowohl Menschen als auch viele andere Lebewesen brauchen Sauerstoff zum Überleben. Bei der Umsetzung von Nährstoffen in Energie wird der Sauerstoff zu Wasser...

Im Focus: Neue Möglichkeiten des Additive Manufacturing erschlossen

Fraunhofer IFAM Dresden demonstriert Fertigung von Kupferbau

Am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Dresden ist es gelungen, mittels Selektivem Elektronenstrahlschmelzen...

Im Focus: New opportunities in additive manufacturing presented

Fraunhofer IFAM Dresden demonstrates manufacturing of copper components

The Fraunhofer Institute for Manufacturing Technology and Advanced Materials IFAM in Dresden has succeeded in using Selective Electron Beam Melting (SEBM) to...

Im Focus: New Pitt research finds carbon nanotubes show a love/hate relationship with water

Carbon nanotubes (CNTs) are valuable for a wide variety of applications. Made of graphene sheets rolled into tubes 10,000 times smaller than a human hair, CNTs have an exceptional strength-to-mass ratio and excellent thermal and electrical properties. These features make them ideal for a range of applications, including supercapacitors, interconnects, adhesives, particle trapping and structural color.

New research reveals even more potential for CNTs: as a coating, they can both repel and hold water in place, a useful property for applications like printing,...

Im Focus: Magnetisches Tuning auf der Nanoskala

Magnetische Nanostrukturen maßgeschneidert herzustellen und nanomagnetische Materialeigenschaften gezielt zu beeinflussen, daran arbeiten Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) gemeinsam mit Kollegen des Leibniz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) Dresden und der Universität Glasgow. Zum Einsatz kommt ein spezielles Mikroskop am Ionenstrahlzentrum des HZDR, dessen hauchdünner Strahl aus schnellen geladenen Atomen (Ionen) periodisch angeordnete und stabile Nanomagnete in einem Probenmaterial erzeugen kann. Es dient aber auch dazu, die magnetischen Eigenschaften von Kohlenstoff-Nanoröhrchen zu optimieren.

„Materialien im Nanometerbereich magnetisch zu tunen birgt ein großes Potenzial für die Herstellung modernster elektronischer Bauteile. Für unsere magnetischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hitzesommer, Überschwemmungen und Co. – Vor welchen Herausforderungen steht die Pflanzenzüchtung der Zukunft?

14.11.2019 | Veranstaltungen

Mediation – Konflikte konstruktiv lösen

12.11.2019 | Veranstaltungen

Hochleistungsmaterialien mit neuen Eigenschaften im Fokus von Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft

11.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bauplan eines bakteriellen Kraftwerks entschlüsselt

14.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Eisfreie Gletscherbecken als Wasserspeicher

14.11.2019 | Geowissenschaften

Lichtimpulse mit wenigen optischen Zyklen durchbrechen die 300 W-Barriere

14.11.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics