Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Licht gegen Alzheimer, Sepsis und Krebs

24.09.2010
Schavan würdigt den gesellschaftlichen Nutzen der Biophotonik

Optische Technologien werden die Medizintechnik maßgeblich verändern und prägen. Dies ist das Fazit des 6. Biophotonik-Symposiums „Licht für die Gesundheit“ in Ulm, auf dem etwa 200 Mediziner, Naturwissenschaftler und Wirtschaftsvertreter den gegenwärtigen Forschungsstand optischer Lösungen in der Medizin diskutierten. Bundesforschungsministerin Annette Schavan informierte sich vor Ort über neue optische Technologien im Kampf gegen Alzheimer, Sepsis und Krebs.

Zum einen soll die kostenintensive Behandlung fortgeschrittener Krankheiten durch eine stärker vorbeugende Medizin ergänzt werden. Zum anderen soll für noch wirksamere Therapien gesorgt werden. Genau hier setzt die Biophotonik-Forschung an. Sie will mit Hilfe optischer Technologien Krankheiten in ihren Ursachen verstehen, früh und präzise diagnostizieren, gezielt behandeln und wenn möglich vermeiden. In ihrer Ansprache an die Kongressteilnehmer betonte Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan den hohen Stellenwert der Biophotonik für die Gesundheitsversorgung von morgen. „Krankheiten an der Wurzel packen, anstatt Symptome zu lindern“ – für diese Vision investiere das BMBF in die Forschung, so Schavan.

Konkrete optische Lösungen für die medizinische Praxis waren in der kongressbegleitenden Ausstellung zu sehen. Bei einem Rundgang erhielten Bundesministerin Schavan sowie Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg Einblicke in die laufenden Forschungsarbeiten. So will ein neuer Projektverbund unter Leitung des Darmstädter Unternehmens R-Biopharm eine schnelle Identifizierung von Keimen in Infusionslösungen und Körperflüssigkeiten erforschen. Künftig kann durch den Einsatz dieses Verfahrens eine adäquate Behandlung einer lebensbedrohlichen Sepsis in kürzester Zeit erfolgen und so die derzeit noch sehr hohe Sterblichkeitsrate drastisch sinken.

Neue Hoffnung im Kampf gegen die bisher als unheilbar geltende Alzheimer-Krankheit verspricht ein neuartiger Ansatz, der frühe Krankheitsvorboten im Augenhintergrund sichtbar machen soll. Die Carl Zeiss AG entwickelt hierzu gemeinsam mit Forschungspartnern ein Verfahren, das die Augenlinse und Netzhaut des Patienten mit unschädlichem Laserlicht scannen soll. In der Praxis wäre somit erstmals eine Frühdiagnostik der Alzheimer-Krankheit möglich, die zugleich die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben soll.

Auch im Kampf gegen die Volkskrankheit Krebs versprechen lichtbasierte Verfahren den entscheidenden Fortschritt. Das Unternehmen Karl Storz demonstrierte ein endoskopisches Verfahren, das bereits kleinste Krebsherde mit einem Durchmesser von knapp einem Millimeter aufspüren soll. Fluoreszierende Farbstoffsonden bringen die Krebsherde bei einer endoskopischen Untersuchung zum Aufleuchten. Zu diesem Zeitpunkt könnte man das erkrankte Gewebe ohne einen umfangreichen chirurgischen Eingriff vollständig entfernen – lang bevor die Patienten überhaupt ernste Symptome spüren.

„Entscheidend für die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse der Biophotonik-Forschung in alltagstaugliche Anwendungen ist die Vernetzung von Wissenschaft, Medizin und Industrie. Das Symposium hat hierzu erfolgreich beigetragen“, so Tagungspräsident Prof. Dr. Jürgen Popp vom Institut für Photonische Technologien Jena (IPHT).

Wirtschaftliche Bedeutung der Biophotonik

Als Vorreiter in Europa hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung frühzeitig das Potenzial der Biophotonik erkannt. Seit 2002 fördert es diesen Forschungszweig und hat seither rund 100 Millionen Euro in das Zukunftsfeld investiert. Mehr als 150 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft sind beteiligt und setzen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in praxistaugliche Lösungen um. Die Förderung hat bereits bahnbrechende Verbesserungen hervorgebracht – wie etwa das Lichtnanoskop, das Moleküle bei ihrer Arbeit im Körper erstmals sichtbar macht. Schon heute gehören die optischen Technologien zu den wichtigsten Impulsgebern für die Medizintechnik. Sie schaffen Arbeitsplätze und erobern Märkte. Weltweit ist Deutschland hinter den USA in der optischen Medizintechnik die Nummer zwei – mit einem Marktanteil von 15 Prozent und einer Exportquote von knapp 75 Prozent. Deutsche Unternehmen erwirtschafteten 2008 mit ihren Technologien einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro.

Veranstalter des 6. Biophotonik-Symposiums waren der BMBF-Forschungsschwerpunkt Biophotonik, das Institut für Lasertechnologien in der Medizin und Meßtechnik (ILM) an der Universität Ulm, das Institut für Photonische Technologien, Jena sowie die Universität Jena.

Weitere Informationen und Kontakt:

Prof. Jürgen Popp
Sprecher des BMBF-Forschungsschwerpunktes Biophotonik / Tagungspräsident
Institut für Photonische Technologien Jena Albert-Einstein-Straße 9 07745 Jena Email: juergen.popp@ipht-jena.de
Dr. Marion Jürgens/Dr. Andreas Wolff
Öffentlichkeitsarbeit/ Tagungsorganisation
Institut für Photonische Technologien Jena Albert-Einstein-Straße 9 07745 Jena Email: info@biophotonik.org

Telefon: 036628 - 955748

Dr. Marion Jürgens | idw
Weitere Informationen:
http://www.biophtotonik.org/symposium2010
http://www.optische-technologien.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics