Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leuchtende Fingerabdrücke

01.08.2012
Forscher machen latente Fingerabdrücke mithilfe von Elektrochemilumineszenz sichtbar

Fingerabdrücke sind nicht nur eine wesentlich Säule der Forensik und bei der Identifikation von Personen, sondern können auch für Sicherheitsüberprüfungen, Zugangskontrollen und Beglaubigungen von Dokumenten herangezogen werden. Chinesische Forscher stellen in der Zeitschrift Angewandte Chemie nun eine neue Methode vor, um Fingerabdrücke rasch und hoch aufgelöst sichtbar zu machen.


Chinesische Forscher haben eine Methode entwickelt um Fingerabdrücke mittels Elektrochemilumineszenz sichtbar zu machen.
(c) Wiley-VCH

Fingerabdrücke bestehen aus Schweiß, Hautfett und Verbindungen, die in der Umwelt aufgenommen wurden. Mit dem bloßen Auge sind diese latenten Fingerabdrücke oft nicht zu erkennen. Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Methoden um sie sichtbar zu machen. Ein Team um Bin Su von der Zhejiang University (Hangzhou, China) fügt diesem Reigen nun eine weitere interessante Methode hinzu, die auf Elektrochemilumineszenz basiert.

Als Elektrochemilumineszenz bezeichnet man ein Phänomen, bei dem durch Anlegen einer elektrischen Spannung Elektronen von einer chemischen Verbindung, z.B. einem Rutheniumkomplex, auf eine Elektrode übertragen werden. Der Rutheniumkomplex reagiert dann mit einem Reaktionspartner, typischerweise Tripropylamin. Dabei entsteht ein Produkt in einem elektronisch angeregten Zustand, das unter Abstrahlung von Licht in seinen Grundzustand übergeht.

Die Forscher verwenden ein mit Indium-Zinn-Oxid beschichtetes Glasplättchen oder ein Plättchen aus rostfreiem Stahl als Elektrode. Darauf wird der Fingerabdruck aufgetragen. Dann geben sie eine Lösung mit den Reaktanden auf. Wo die fetthaltigen Komponenten des Fingerabdrucks anhaften, ist die Elektrode inaktiv, die elektrochemische Reaktion kann nicht stattfinden – das Leuchten wird verhindert. So entsteht ein Negativ-Bild des Fingerabdrucks, das mit einer CCD-Kamera aufgezeichnet wird.

Diese direkte, schnelle, einfache Methode macht frische sowie alte Fingerabdrücke zerstörungsfrei sichtbar. Die Fingerabdrücke sind so fein aufgelöst, dass nicht nur das Rillenmuster, sondern auch Feinmerkmale, wie Verzweigungen und Endungen der Linien, und sogar die Feinstmerkmale, die Verteilung der Poren in den Furchen, zu erkennen sind. Diese Details sind hilfreich, etwa um unvollständige Fingerabdrücke zuordnen zu können. Aufwendige Vor- oder Nachbehandlungen sind nicht nötig. Zudem werden Anwender nicht mit Dämpfen oder Stäuben belastet, wie bei vielen konventionellen Verfahren.

Elektrochemilumineszenz lässt noch einen zweiten Modus zu, bei dem der Fingerabdruck als positiv-Bild dargestellt wird. Dazu werden die Fingerabdrücke zunächst mit einem Reagenz behandelt, das an Bestandteile der Fingerabdrücke bindet. Nach Auftragen des Reaktionspartners leuchten dann ausschließlich die Linien. Dieser Modus könnte Ausgangspunkt für die Entwicklung von Methoden zum Nachweis von Drogen oder anderen Substanzen sein, die der Erzeuger der Fingerabdrücke zu sich genommen oder mit denen er in Berührung gekommen ist.

Angewandte Chemie: Presseinfo 29/2012

Autor: Bin Su, Zhejiang University, Hangzhou (China), http://mypage.zju.edu.cn/en/binsu/

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201203815

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers
18.10.2019 | Universität zu Köln

nachricht Das Rezept für eine Fruchtfliege
18.10.2019 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics