Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krankheitsforschung nach der Sequenzierung des menschlichen Genoms

10.11.2009
Regensburger Wissenschaftler erhalten Förderung vom Europäischen Forschungsrat

Die Identifizierung der Sequenz des menschlichen Genoms machte deutlich, dass lediglich ein kleiner Bruchteil des Genoms für Proteine kodiert. Man ging zunächst davon aus, dass es sich beim "Rest" um unnütze DNA handelt, die sich im Verlauf der Evolution angesammelt hat. Es wurde allerdings schnell klar, dass sich in der "Müll-DNA" wichtige Gene verbergen. Die Funktion solcher nicht-kodierenden RNAs (Ribonukleinsäuren) ist allerdings noch weitestgehend unbekannt.

Eine sehr wichtige Klasse dieser RNAs sind sogenannte kleine nicht-kodierende RNAs, die durch ihre charakteristische Länge von ca. 20-30 Nukleotiden gekennzeichnet ist. Solche RNAs werden microRNAs, siRNAs oder piRNAs genannt. Diese RNAs regulieren die Übersetzung von DNA in Proteine (Gen-Expression) an unterschiedlichen Stellen und stellen somit wichtige Regulatoren in der Zelle dar. Ihre Erforschung steht noch am Anfang, allerdings wird offensichtlich, dass sie eine wichtige Funktion für eine Vielzahl von zellulären Prozessen haben. Man geht sogar davon aus, dass nicht-kodierende RNAs eine wichtige Rolle bei der Ausprägung von verschiedenen Krankheiten - insbesondere von Krebs - spielen.

Die Funktion dieser nicht-kodierenden RNAs bei der Entstehung von Krebs im Detail zu untersuchen und dadurch möglicherweise neue Wege zur Therapie aufzuzeigen, ist Teil des neuen Forschungsprojekts "Small non-coding RNAs in cell function and disease (sRNAs)" an der Universität Regensburg. Der Europäische Forschungsrat (ERC) fördert das Regensburger Forschungsprojekt für den Zeitraum von Januar 2010 bis Dezember 2014 mit einer Gesamtsumme von 1,14 Millionen Euro. Geleitet und koordiniert wird das Projekt von Prof. Dr. Gunter Meister vom Institut für Biochemie, Genetik und Mikrobiologie der Universität Regensburg.

In enger Zusammenarbeit mit Dr. Dagmar Beier und Dr. Christoph Beier von der Medizinischen Fakultät der Universität Regensburg wollen Prof. Meister und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in speziellen Zellen von Gehirntumoren (Glioblastomen) die microRNAs hemmen. Die Forscher erhoffen sich dadurch, das Wachstum der Tumor-Zellen blockieren zu können. Ein Glioblastom ist eine tödlich verlaufende Krebsform, die derzeit noch nicht geheilt werden kann.

Zudem ist es der Arbeitsgruppe von Prof. Meister erst vor kurzem gelungen, eine neue Klasse von kleinen nicht-kodierenden RNAs zu identifizieren. Diese RNAs zeichnen sich dadurch aus, dass sie aus anderen RNAs herausgeschnitten werden und erst als kleine Fragmente aktiv werden. Es gibt genetische und klinische Hinweise darauf, dass diese Klasse von RNAs bei der Entstehung einer neurodegenerativen Krankheit, dem sogenannten Prader-Willi-Syndrom, eine wichtige Rolle spielen könnte. Die Regensburger Wissenschaftler versuchen nun, die molekulare Funktion dieser kleinen RNAs aufzuklären, um dadurch auch ein besseres Verständnis des Prader-Willi-Syndroms zu erhalten.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass es noch eine Vielzahl bislang unentdeckter Klassen von nicht-kodierenden RNAs gibt. Die Regensburger Wissenschaftler haben es sich daher zum Ziel gesetzt, mittels modernster Methoden weitere RNA-Klassen dieser Art zu finden. Dies dürfte nicht nur zu einem besseren Verständnis der menschlichen Zelle beitragen, sondern auch zu neuen Erkenntnissen über die molekularen Ursachen verschiedener Krankheiten führen.

Nähere Informationen zu ERC Starting Grants:
Mit einem ERC Starting Grant können Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler eine neue Forschergruppe aufbauen oder ein bestehendes Forscherteam konsolidieren. Ziel ist es somit, eine Struktur für den Übergang zu einem unabhängigen exzellenten Forschungsteam aufzubauen und die Kreativität junger und vielversprechender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu fördern sowie neue Ideen in der Forschung zu unterstützen. Die Grants werden im Wettbewerb an herausragende Forscherinnen und Forscher vergeben. Alleiniges Auswahlkriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz der Antragstellerinnen und Antragsteller beziehungsweise der Projektvorschläge. Antragsberechtigt für den ERC Starting Grant sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem Zeitraum von drei bis acht Jahren (in begründeten Ausnahmefällen elf Jahren) nach ihrer Promotion.
Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Gunter Meister
Universität Regensburg
Institut für Biochemie, Genetik und Mikrobiologie
Tel.: 0941 943-2847
Gunter.Meister@vkl.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie breitet sich der Kalikokrebs aus?
25.06.2018 | Pädagogische Hochschule Karlsruhe

nachricht Brücken bauen mit Wassermolekülen
25.06.2018 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

Stellarator-Rekord für Fusionsprodukt / Erste Bestätigung für Optimierung

Höhere Temperaturen und Dichten des Plasmas, längere Pulse und den weltweiten Stellarator-Rekord für das Fusionsprodukt hat Wendelstein 7-X in der...

Im Focus: Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

Bei der Entwicklung innovativer Superrechner-Architekturen ist Europa dabei, die Führung zu übernehmen. Leuchtendes Beispiel hierfür ist der neue Höchstleistungsrechner, der in diesen Tagen am Jülicher Supercomputing Centre (JSC) an den Start geht. JUWELS ist ein Meilenstein hin zu einer neuen Generation von hochflexiblen modularen Supercomputern, die auf ein erweitertes Aufgabenspektrum abzielen – von Big-Data-Anwendungen bis hin zu rechenaufwändigen Simulationen. Allein mit seinem ersten Modul qualifizierte er sich als Nummer 1 der deutschen Rechner für die TOP500-Liste der schnellsten Computer der Welt, die heute erschienen ist.

Das System wird im Rahmen des von Bund und Sitzländern getragenen Gauß Centre for Supercomputing finanziert und eingesetzt.

Im Focus: Superconducting vortices quantize ordinary metal

Russian researchers together with their French colleagues discovered that a genuine feature of superconductors -- quantum Abrikosov vortices of supercurrent -- can also exist in an ordinary nonsuperconducting metal put into contact with a superconductor. The observation of these vortices provides direct evidence of induced quantum coherence. The pioneering experimental observation was supported by a first-ever numerical model that describes the induced vortices in finer detail.

These fundamental results, published in the journal Nature Communications, enable a better understanding and description of the processes occurring at the...

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Neueste Entwicklungen in Forschung und Technik

25.06.2018 | Veranstaltungen

Wheat Initiative holt Weizenforscher aus aller Welt an einen Tisch

25.06.2018 | Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

25.06.2018 | Physik Astronomie

Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

25.06.2018 | Informationstechnologie

Leuchtfeuer in der Produktion

25.06.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics