Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Knochenfresser: Wurm entsorgt Walskelett

21.04.2010
Glückstreffer offenbart Paläontologen Geschichte eines Wurms

Es kommt nicht häufig vor, dass ein paar Löcher in einem alten Knochenteil den Eingang in ein renommiertes Wissenschaftsjournal schaffen. Nun ist das geschehen - und zwar in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Forscher der Universität Kiel berichten, den ersten fossilen Nachweis des Wurms "Osedax" entdeckt zu haben. Er lebt auf dem Tiefsee-Grund und hat eine Lieblingsspeise: Walknochen.

Erst zwei Funde geglückt

Äußerlich ähnelt der zwei-Zentimeter-Winzling einer Zwiebel, berichtet Forschungsleiter Steffen Kiel im pressetext-Interview. "Er hat ein wurzelähnliches Ende, an dem symbiotische Bakterien leben. Mit Hilfe dieser löst er die Kollagene der Knochensubstanz und frisst sich somit in den Knochen hinein." Ein einziges lebendes Exemplar vom Osedax wurde bisher in einem Walkadaver in 2.800 Metern Meerestiefe vor der Küste Kaliforniens gefunden (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/040730020/ ).

Um Genaueres über das seltsame Tier zu finden, suchen Paläontologie seit sechs Jahren emsig nach fossilen Spuren, die eine Bestimmung seines geologisches Alter ermöglichen. Kiel dürfte das nun endlich geglückt sein. Als der US-Fossiliensammler Jim Goedert das Foto eines fossilen Knochenstückes eines Wals zusandte, läuteten bei ihm die Alarmglocken. "Das Bild zeigte die gleichen Bohrlöcher wie das Wurmexemplar vor sechs Jahren zurückgelassen hatte", berichtet der Paläontologe.

Harter Knochen kein Problem

Der Rest der Forschung war ein Kinderspiel. Eine Computertomografie gab Aufschluss über die Bohrlöcher und Hohlräume ohne das Knochenfragment zu zerstören. Schließlich zeigte die Bestimmung durch Leitfossilien, dass es sich bei dem Knochenspender um einen 30 Mio. Jahre alten Urahn des Bartenwals handelte. "Das Alter des Fossils fällt mit dem Zeitraum zusammen, ab dem Wale auf dem offenen Ozean nachgewiesen werden können", erklärt Kiel. Selbst der harte Walknochen wurde somit schnell als Nahrungsquelle in der so nahrungsarmen Tiefsee erschlossen.

Der Knochenfresser-Wurm dürfte sehr schnell bei seiner Arbeit vorgehen. Langzeit-Beobachtungen bei einem toten Blauwal haben gezeigt, dass sogar das Skelett in fünf Jahren völlig zersetzt wird. Auch Schweine wurden am Meeresgrund versenkt, um den biologischen Abbau zu untersuchen (siehe: http://pressetext.com/news/100306009/ ). "Eine andere Forschung in Kalifornien beobachtet, wie schnell sich ein Kuhknochen auflöst, und auch hier dürfte der Osedax am Werk sein. Doch wie oft gelangt schon eine Kuh auf den Meeresgrund?" gibt der Forscher zu bedenken.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ifg.uni-kiel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Tuberkulose: Neue Einblicke in den Erreger
10.10.2019 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Nanostrukturen helfen, die Haftung von Krankenhauskeimen zu reduzieren
10.10.2019 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Im Focus: How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

How do some neutron stars become the strongest magnets in the Universe? A German-British team of astrophysicists has found a possible answer to the question of how these so-called magnetars form. Researchers from Heidelberg, Garching, and Oxford used large computer simulations to demonstrate how the merger of two stars creates strong magnetic fields. If such stars explode in supernovae, magnetars could result.

How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

Im Focus: Wenn die Erde flüssig wäre

Eine heisse, geschmolzene Erde wäre etwa 5% grösser als ihr festes Gegenstück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Forschenden der Universität Bern. Der Unterschied zwischen geschmolzenen und festen Gesteinsplaneten ist wichtig bei die Suche nach erdähnlichen Welten jenseits unseres Sonnensystems und für das Verständnis unserer eigenen Erde.

Gesteinsplaneten so gross wie die Erde sind für kosmische Massstäbe klein. Deshalb ist es ungemein schwierig, sie mit Teleskopen zu entdecken und zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Bildung.Regional.Digital: Tagung bietet Rüstzeug für den digitalen Unterricht von heute und morgen

10.10.2019 | Veranstaltungen

Zukunft Bau Kongress 2019 „JETZT! Bauen im Wandel“

10.10.2019 | Veranstaltungen

Aktuelle Trends an den Finanzmärkten im Schnelldurchlauf

09.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IZM setzt das E-Auto auf die Überholspur

11.10.2019 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt auf der COMPAMED 2019: Keine Digitalisierung in der Medizintechnik ohne Mikrotechnologien

11.10.2019 | Messenachrichten

Kryptografie für das Auto der Zukunft

11.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics