Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ist gentechnisch veränderter Mais gesundheitlich unbedenklich?

04.09.2014

EU fördert Langzeitstudie im 7. Forschungsrahmenprogramm.

Unter der Leitung von Professor Dr. Pablo Steinberg, Institut für Lebensmitteltoxikologie und Chemische Analytik der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), führen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Fütterungsstudien mit zwei gentechnisch veränderten Maissorten durch.

Eines der vorrangigen Ziele ist, herauszufinden, inwieweit Langzeitfütterungsstudien geeignet sind, um die mögliche Toxizität von gentechnisch veränderten Pflanzen zu erkennen. Die EU fördert das Projekt im 7. Forschungsrahmenprogramm mit rund 3 Millionen Euro.

Das EU-Recht besagt, dass gentechnisch veränderte Organismen vor ihrer Marktzulassung auf ihre Unbedenklichkeit für die Gesundheit von Mensch und Tier sowie für die Umwelt geprüft werden müssen. Die hierfür erforderliche, sehr umfangreiche Erhebung von Daten erfolgt auf der Grundlage von Richtlinien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und rechtlichen Vorschriften der Europäischen Kommission.

In Bezug auf die Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln, die aus gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt werden, fordert der Gesetzgeber neben detaillierten molekularen Analysen und umfangreichen Untersuchungen der Inhaltsstoffe, dass die mögliche Toxizität der gentechnisch veränderten Pflanzen in einer 90 Tage dauernden Fütterungsstudie untersucht werden muss.

„Viele Toxikologen bezweifeln, dass eine Studie über 90 Tage ausreicht, um toxische Effekte in Fütterungsstudien mit ganzen Pflanzen zu beobachten, von einer möglichen krebserregenden Wirkung ganz zu schweigen“, so Steinberg. Die Dauer der Fütterungsstudie richtet sich nach der jeweiligen Toxizitätsprüfung: Eine einmalige Gabe gibt beispielsweise Auskunft über die akute Toxizität der getesteten Substanz und mit einer Zwei-Jahres-Studie kann das krebserregende Potenzial beurteilt werden.

In dem Projekt „GMP Two Year Safety Testing“ (G-TwYST) untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Auftrag der EU-Kommission die gentechnisch veränderten Maissorten NK603 und MON810. Das europäische Kooperationsprojekt beinhaltet unterschiedlich lange Fütterungsstudien, bei denen der Mais in verschiedenen Konzentrationen an Ratten verfüttert wird.

Die gentechnisch veränderte Maissorte NK603 wird in einer 90-Tage- sowie in einer kombinierten Ein- und Zwei-Jahres-Fütterungsstudie getestet. Im Fall der gentechnisch veränderten Maissorte MON810 untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das mögliche krebserregende Potenzial in einer Zwei-Jahres-Studie und ergänzen somit das Projekt GRACE (GMO Risk Assessment and Communication of Evidence), in dem die kürzer dauernden Studien mit MON810 unter der Leitung des Julius Kühn-Institutes durchgeführt werden. GRACE startete bereits im Juli 2012 und wird voraussichtlich im Februar 2016 abgeschlossen werden. Das Projekt wird ebenfalls von der EU im 7. Forschungsrahmenprogramm gefördert.

NK603 ist durch eine Genveränderung tolerant gegenüber dem Breitbandherbizid Glyphosat. Das bedeutet, dass das zur Unkrautregulierung angewendete Unkrautbekämpfungsmittel zwar das störende Unkraut vernichtet, der Maispflanze aber nichts anhaben kann. Bei MON810 handelt es sich um einen sogenannten Bt-Mais.

Bacillus thuringiensis (Bt) ist ein Bodenbakterium, das ein für Fraßinsekten giftiges Protein bildet. Bacillus thuringiensis-Präparate eignen sich für die Bekämpfung vieler Schadinsektenarten, ohne den Menschen zu gefährden. Deshalb sind sie auch im ökologischen Landbau zugelassen.

Mit Hilfe gentechnischer Verfahren ist die genetische Information für das Bt-Protein in das Genom der Maissorte MON810 übertragen worden. Diese produziert nun den für Fraßinsekten giftigen Wirkstoff und ist somit vor den Schädlingen geschützt.

Neben der TiHo sind an dem Projekt „GMP Two Year Safety Testing“ (G-TwYST) folgende Institutionen beteiligt:

• Centre for Research in Agricultural Genomics, Spanien
• Stichting Dienst Landbouwkundig Onderzoek, Wageningen University and Research Centre, Niederlande
• Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Deutschland
• LIS Consult, Niederlande
• Roger Alison Ltd., Lampeter, England
• Slovak Medical University, Slowakei
• Universität Klagenfurt, Biotechnology Research Unit, Österreich

Für fachliche Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Professor Dr. Pablo Steinberg
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Lebensmitteltoxikologie und Chemische Analytik
Tel.: +49 511 856-7546
pablo.steinberg@tiho-hannover.de

Weitere Informationen:

http://www.tiho-hannover.de/pressemitteilungen

Sonja von Brethorst | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher der Universität Bayreuth entdecken außergewöhnliche Regeneration von Nervenzellen
09.07.2020 | Universität Bayreuth

nachricht Blick ins Innere einer Batterie
09.07.2020 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

Verlustfreie Stromleitung bei Raumtemperatur? Ein Material, das diese Eigenschaft aufweist, also bei Raumtemperatur supraleitend ist, könnte die Energieversorgung revolutionieren. Wissenschaftlern vom Exzellenzcluster „CUI: Advanced Imaging of Matter“ an der Universität Hamburg ist es nun erstmals gelungen, starke Hinweise auf Suprafluidität in einer zweidimensionalen Gaswolke zu beobachten. Sie berichten im renommierten Magazin „Science“ über ihre Experimente, in denen zentrale Aspekte der Supraleitung in einem Modellsystem untersucht werden können.

Es gibt Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. So kann z. B. Wasser nicht durch die Glaswand von einem Glas in ein anderes fließen. Erstaunlicherweise...

Im Focus: The spin state story: Observation of the quantum spin liquid state in novel material

New insight into the spin behavior in an exotic state of matter puts us closer to next-generation spintronic devices

Aside from the deep understanding of the natural world that quantum physics theory offers, scientists worldwide are working tirelessly to bring forth a...

Im Focus: Im Takt der Atome: Göttinger Physiker nutzen Schwingungen von Atomen zur Kontrolle eines Phasenübergangs

Chemische Reaktionen mit kurzen Lichtblitzen filmen und steuern – dieses Ziel liegt dem Forschungsfeld der „Femtochemie“ zugrunde. Mit Hilfe mehrerer aufeinanderfolgender Laserpulse sollen dabei atomare Bindungen punktgenau angeregt und nach Wunsch aufgespalten werden. Bisher konnte dies für ausgewählte Moleküle realisiert werden. Forschern der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es nun gelungen, dieses Prinzip auf einen Festkörper zu übertragen und dessen Kristallstruktur an der Oberfläche zu kontrollieren. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

Das Team um Jan Gerrit Horstmann und Prof. Dr. Claus Ropers bedampfte hierfür einen Silizium-Kristall mit einer hauchdünnen Lage Indium und kühlte den Kristall...

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Im Focus: Robuste Materialien in Schwingung versetzt

Kieler Physikteam beobachtet in Echtzeit extrem schnelle elektronische Änderungen in besonderer Materialklasse

In der Physik werden sie zurzeit intensiv erforscht, in der Elektronik könnten sie ganz neue Funktionen ermöglichen: Sogenannte topologische Materialien...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

08.07.2020 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Erkenntnisse über Flüssigkeiten, die ohne Widerstand fließen

09.07.2020 | Physik Astronomie

Forscher der Universität Bayreuth entdecken außergewöhnliche Regeneration von Nervenzellen

09.07.2020 | Biowissenschaften Chemie

Selbstadaptive Systeme: KI übernimmt Arbeit von Software-Ingenieuren

09.07.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics