Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hornmilben: Winzig, schmackhaft und schwer bewaffnet

22.09.2011
Forscher der Universität Tübingen zeigen erstmals, wie sich die kleinen Spinnentiere mit chemischen Abwehrstoffen gegen Angreifer verteidigen.

Sie sind winzig und doch fast unbesiegbar: Hornmilben sind mit dem bloßen Auge kaum zu erkennende Spinnentiere, die zu Hunderttausenden auf jedem Quadratmeter unserer heimischen Waldböden leben. Sie übernehmen hier eine wichtige ökologische Funktion und sind maßgeblich am Abbau der herbstlichen Laubstreu beteiligt.

Und sie haben fast keine natürlichen Fressfeinde, bis heute kennt man kaum Räuber, die sich von Hornmilben ernähren können. Unter der Leitung des Zoologen Michael Heethoff von der Abteilung für Evolutionsbiologie der Invertebraten an der Universität Tübingen ist es einem internationalen Forscherteam nun gelungen, nachzuweisen, wie sich Hornmilben gegen Angreifer wehren.

Da die Spinnentiere in so hohen Dichten auftreten, sollten sie eigentlich eine lohnende Nahrungsquelle für im und auf dem Boden lebende räuberische Insekten darstellen. Hornmilben sind aber nicht nur stark gepanzert oder können sich so zusammenkugeln, dass zumindest kleinere Räuber wie Raubmilben keine Chance haben. Die meisten von ihnen tragen auf ihrem Rücken auch Drüsen, in welchen sie einen Cocktail verschiedener chemischer Substanzen produzieren. Seit etwa 100 Jahren sind diese Drüsen bekannt, ihre Funktion jedoch war bis jetzt unerforscht.

Das konnte das Team aus deutschen, österreichischen und amerikanischen Wissenschaftlern um Michael Heethoff im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts nun ändern. Wie in der amerikanischen Fachzeitschrift Journal of Chemical Ecology berichtet wird, fütterten die Wissenschaftler hierzu im Labor einen relativ großen räuberischen Käfer mit Hornmilben. Obwohl der Käfer etwa 35-fach schwerer ist als die Hornmilben, konnte er diese nicht überwältigen. „Das ist vergleichbar mit einem Kaninchen, welches einen ausgewachsenen Tiger in die Flucht schlägt“, erklärt Michael Heethoff. Nachdem die Biologen jedoch die Drüsen der Hornmilben künstlich entleert hatten, konnten sich die Tiere nicht länger gegen die Käfer wehren. Das Drüsensekret wird also von den Milben als hochwirksamer chemischer Abwehrstoff eingesetzt. Die hierbei abgegebene Menge an Wehrsekret ist unvorstellbar klein: ein Regentropfen ist etwa 150.000 mal größer. „Diese kleine Menge reicht jedoch völlig aus, damit die Hornmilben, von Räubern weitgehend unbehelligt, in unseren Waldböden ihren wichtigen Beitrag zu einem geordneten Abbau des Herbstlaubes leisten können“, sagt Heethoff.

Kontakt:
Dr. Michael Heethoff
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Abteilung für Evolutionsbiologie der Invertebraten
Auf der Morgenstelle 28E • 72076 Tübingen
michael[at]heethoff.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/

Weitere Berichte zu: Abwehrstoff Drüsen Evolutionsbiologie Hornmilben Räuber Spinnentiere Waldböden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ein neues Mittel gegen Zöliakie
24.09.2018 | Technische Universität Wien

nachricht Zika und Gelbfieber: Impfstoffe ohne Ei
21.09.2018 | Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Innovative Technologien für den Weltraumeinsatz – DFKI Robotics Innovation Center auf dem IAC 2018

24.09.2018 | Messenachrichten

Forscher untersuchten Wechselwirkungen in künstlichen Systemen

24.09.2018 | Physik Astronomie

19"-Rangierverteiler zur effizienten LWL-Datenübertragung

24.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics