Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hormon Oxytocin kann soziale Angst verringern

27.03.2018

Biologen der Universität Regensburg entdecken angsthemmende Wirkung des Neuropeptids Oxytocin.

Soziale Angststörungen oder soziale Phobien sind eine weit verbreitete psychische Störung, unter der mindestens zehn Prozent der Bevölkerung leiden. Menschen mit sozialer Phobie meiden gesellschaftliche Zusammenkünfte, da sie fürchten, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, auf Ablehnung zu stoßen oder sich zu blamieren.


Eine Maus beschnüffelt einen Artgenossen in einem kleinen Käfig und zeigt somit normales Sozialverhalten.

© Foto Buchhauser/Grinevich

Die Angst vor alltäglichen sozialen Situationen kann von körperlichen Symptomen wie Zittern, Herzrasen, Atemnot oder Panikattacken begleitet sein. Die Patienten zeigen ein verhängnisvolles soziales Vermeidungsverhalten, was wiederum oft zur vollständigen sozialen Isolation führt.

Häufig sind negative soziale Erfahrungen und soziale Traumatisierung an der Entwicklung sozialer Angststörungen beteiligt. Neben Psychotherapie kommen bisher antidepressive und angstlösende Medikamente zum therapeutischen Einsatz, die jedoch wenig spezifisch wirken und zudem ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzen.

Ein Forscherteam um Prof. Dr. Inga Neumann, Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie der Universität Regensburg, hat an einem Tiermodell für soziale Angst entdeckt, dass das als Kuschelhormon bekannte körpereigene Neuropeptid Oxytocin soziale Angst dramatisch verringern kann.

Mäusen wurde beigebracht, dass sozialer Kontakt (Beschnüffeln eines Artgenossen) bestraft wird, was zur vollständigen Meidung von sozialen Interaktionen führte. Wenn die Neurobiologen um den Doktoranden Rohit Menon, am Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie der Universität Regensburg, die Menge des von Nervenzellen des Gehirns freigesetzten Oxytocin erhöhten, überwanden die Tiere die soziale Angst und beschnüffelten den fremden Artgenossen während einer kurzen Testzeit wieder.

Doch wie kann das körpereigene Oxytocin-System aktiviert werden? Hierfür diente den Neurobiologen als Modell der weibliche Organismus während der Laktationszeit (Stillzeit), denn das Oxytocin-System ist in dieser Zeit nach der Geburt hoch aktiv: Das Hormon Oxytocin wird während des Säugens aus der Hirnanhangsdrüse in die Blutbahn freigesetzt, wo es die Milchfreisetzung aus den Milchdrüsen gewährleistet. Die Neurobiologen wissen aus früheren Studien, dass Oxytocin auch in jenen Regionen des Gehirns freigesetzt wird, die für mütterliches Verhalten wichtig sind, aber auch Angst- und Furcht-Reaktionen regulieren.

In Kooperation mit Prof. Valery Grinevich, Universität Heidelberg, gelang dem Team um Prof. Neumann nun der Nachweis, dass laktierende Tiere resistent gegen soziale Angstkonditionierung sind. Dies ist auf eine begrenzte Population von Oxytocin-Nervenzellen zurückzuführen, die Verbindungen zum limbischen System haben. „Auch das synthetische Oxytocin, das beim Menschen z. B. durch Nasenspray verabreicht werden kann, verringert sehr effizient soziale Angst und erhöht die soziale Motivation im Tiermodell“, so Neumann. „Daher sind zahlreiche therapeutische Einsatzmöglichkeiten im Zusammenhang mit sozialen Störungen denkbar, die aktuell untersucht werden.“ Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Current Biology publiziert: http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)30229-X

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Inga Neumann
Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie
Universität Regensburg
Tel.: 0941 943-3053
E-Mail: Inga.neumann@ur.de

Weitere Informationen:

http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)30229-X

Petra Riedl | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen
17.08.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Forschende entschlüsseln das Alter feiner Baumwurzeln
17.08.2018 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics