Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was hören Fische? Neue Forschungsergebnisse zur Lautwahrnehmung von Krötenfischen

22.09.2010
Viele Fischarten leben unter schlechten Sichtverhältnissen und sind daher auf ihre Hörfähigkeiten angewiesen, um Paarungspartner, Kontrahenten, Räuber und Beutetiere wahrzunehmen. Aber was können Fische wirklich hören?

Friedrich Ladich und sein Team untersuchten die Wahrnehmungsfähigkeit von Lautäußerungen beim Lusitanischen Krötenfisch und kamen zu dem Ergebnis, dass diese Tiere akustische Informationen sehr detailliert ausmachen können. Die Forschungsergebnisse erscheinen in der aktuellen Ausgabe des renommierten Journals "Proceedings of the Royal Society B".

Zahlreiche Fischarten sind in der Lage, Laute von sich zu geben und sich somit akustisch zu verständigen. Diese Kommunikation innerhalb der Art spielt besonders bei Auseinandersetzungen mit Kontrahenten und bei der Fortpflanzung eine große Rolle. Neben der Wahrnehmung von Artgenossen sind Fische aber auch in der Lage, akustische Informationen von anderen Arten – insbesondere von Räubern und Beutetieren – zu verarbeiten, um in der Folge entsprechend reagieren zu können.

Die "lauten" Krötenfische eignen sich besonders gut für bioakustische Analysen

Zu den am häufigsten untersuchten, lautbildenden Fischarten zählen Vertreter der Familie der Krötenfische. Männchen dieser Arten erzeugen Balzlaute, die krötenähnlich klingen. Sie produzieren diese Balzrufe über Tage hinweg, um Weibchen anzulocken und um Männchen vom Territorium fernzuhalten. Darüber hinaus erzeugen sie Klopflaute, um Artgenossen zu vertreiben (siehe Tonbeispiel). Rufe der Krötenfische sind teilweise auch außerhalb des Wassers hörbar.

In der aktuellen Publikation wurde untersucht, wie präzise Lusitanische Krötenfische – "Halobatrachus didactylus" – neben arteigenen auch artfremde akustische Signale wahrnehmen können. Dazu wurden die Reaktionen der Krötenfische auf arteigene Balz- und Aggressionslaute als auch auf ökologisch relevante, akustische Signale von im selben Habitat vorkommenden Fischen untersucht. Darüber hinaus wurden die Reaktionen der Krötenfische auf die Laute eines gefährlichen Jägers aus der Gruppe der Delphine – des Großen Tümmlers – analysiert.

Untersuchungen im Bioakustik-Labor der Universität Wien

Die bis zu 32 cm großen Krötenfische wurden von Portugal nach Wien geflogen. Im Bioakustik-Labor untersuchte Raquel O. Vasconcelos, Doktorandin an der Universität Lissabon, gemeinsam mit Friedrich Ladich vom Institut für Verhaltensbiologie der Universität Wien das Hörvermögen der Tiere. Den Fischen wurden verschiedene Lautäußerungen vorgespielt; währenddessen wurden die dabei generierten, akustisch evozierten Potentiale (AEP-Technik) nichtinvasiv vom Kopf der Tiere abgeleitet. Die AEP-Methode funktioniert ähnlich den EEG-Ableitungen bei Menschen; die Tiere nehmen dabei keinen Schaden. Nach den Untersuchungen wurden die Krötenfische dem Haus des Meeres geschenkt.

Die Ableitungen zeigten, dass das Hörsystem weiblicher und männlicher Krötenfische in der Lage ist, zeitliche Muster, die Frequenz-Zusammensetzung und die Amplitudenunterschiede innerhalb komplexer Lautäußerungen sehr präzise aufzulösen. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass Krötenfische in der Lage sind, wichtige akustische Informationen von Artgenossen als auch von anderen, ökologisch relevanten Arten differenziert wahrzunehmen. Die Tiere sind dadurch imstande, gezielt zu reagieren.

Publikation:
Representation of complex vocalizations in the Lusitanian toadfish auditory system: evidence of fine temporal, frequency and amplitude discrimination: Raquel O. Vasconcelos, Paulo J. Fonseca, M. Clara P. Amorim and Friedrich Ladich. Proceedings of the Royal Society B, September 22, 2010.

DOI:10.1098/rspb.2010.1376

Kontakt
Ao. Univ.-Prof. Dr. Friedrich Ladich
Department für Verhaltensbiologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14
T +43-1-4277-542 27
friedrich.ladich@univie.ac.at
Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://public.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen
20.07.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Erwiesen: Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten
20.07.2018 | Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics