Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hepatitis-C Virusinfektionen im Drogenmilieu – Die Übertragungswege des Virus.

07.11.2012
Etwa 160 Millionen Menschen sind weltweit mit dem Hepatitis-C Virus infiziert.
Es verursacht akute und chronische Leberinfektionen, die häufig Leberzirrhosen und -karzinome nach sich ziehen und die häufigste Ursache für Lebertransplantationen sind. Das Virus wird ebenso wie HIV durch Blut-Blut-Kontakt übertragen. Ein besonders hohes Infektionsrisiko haben Drogenabhängige - vor allem bei intravenösem Drogenkonsum.

Durch Aufklärungskampagnen über die Infektionswege von HIV hat sich das Verhalten Drogenabhängiger in den letzten Jahren weitgehend verändert und mit frei verfügbarem sterilem Spritzenbesteck konnte die Verbreitung von HIV verringert werden. "Auf die Verbreitung von HCV haben diese Maßnahmen jedoch offenbar einen geringen Einfluss", sagt Juliane Doerrbecker, Wissenschaftlerin am TWINCORE. "Wir haben nach den Gründen gesucht."

Drogenkonsum verläuft nicht nach einem festen Schema, allerdings wiederholen sich bestimmte Verhaltensmuster: Zunächst muss die Substanz, beispielsweise Heroin oder Kokain, in Flüssigkeit gelöst werden. Es reicht ein wenig Wasser und etwas Vitamin C auf einem Metalllöffel. Dann erhitzen die Drogenabhängigen die gelöste Droge auf einem Kocher und ziehen sie durch einen Zigarettenfilter in eine Spritze auf, um Feststoffe zu entfernen. Nach der Injektion säubern sie das Drogenbesteck.

Jeder Drogenabhängige konsumiert an anderen Orten, unterschiedliche Drogen, in verschieden großen Gemeinschaften und damit ändert sich auch stets das Prozedere. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie Wasser zum Lösen der Substanzen und zum Reinigen des Drogenbestecks benötigen. Häufig nutzen sie den Wasserbehälter nicht nur zum Spülen der Spritze, sondern ebenfalls zum Trinken und sie teilen zudem ihr Wasser mit anderen Personen. Über das Spülen der Spritze kann HCV infiziertes Blut in den Wasserbehälter gelangen. Die Wissenschaftler des Instituts für Experimentelle Virologie am TWINCORE haben sich in einer der ersten Studien zur Stabilität von HCV im Equipment Drogenabhängiger gefragt: Wie stabil ist das Virus in einem derartigen Milieu und besteht für die Mitnutzer der Flaschen ein Infektionsrisiko? Sie haben die Stabilität des Virus in Dosen, PET- und Glasflaschen verfolgt. Das Ergebnis: Es war bis zu drei Wochen noch in den Wasserflaschen infektiös und es bleibt sogar so viel HCV in einer geleerten Dose zurück, dass beim wiederauffüllen mit frischem Wasser noch Virus in der neuen Füllung nachweisbar ist.

Ein weiteres Übertragungsrisiko birgt der Zigarettenfilter, durch den die Drogendosis in die Spritze gezogen wird. In den Filtern bleibt viel der Droge zurück und daher sammeln einige Drogenabhängige ihre Filter und heben sie teilweise in Folie auf, um später die Rückstände für eine neue Dosis zu benutzen - oder sie geben sie an andere weiter. In den Filtern bleibt ein Zehntel der Virusmenge nachweisbar und ohne Verpackung sind die Viren noch am nächsten Tag, mit Folie sogar noch zwei Tage lang infektiös.

"Wir konnten damit nachweisen, dass HCV recht stabil in Wasser ist und so die gemeinsame Nutzung von Wasser, Flasche und Filter beim Drogenkonsum ein potentieller Übertragungsweg für HCV ist", sagt Forschungsgruppenleiter Eike Steinmann. "Damit liefern diese Studien wichtige Hinweise für den praktischen Schutz vor HCV im Drogenmilieu."

Literatur:
Juliane Doerrbecker, Patrick Behrendt, Pedro-Mateu-Gelabert, Sandra Ciesek, Nina Riebesehl, Corinne Wilhelm, Joerg Steinmann, Thomas Pietschmann, Eike Steinmann (2012). Transmission of hepatitis C virus among people who inject drugs: viral stability and association with drug preparation equipment. J Infect. Dis. in press

Ansprechpartner:
Dr. Eike Steinmann, eike.steinmann(at)twincore.de
Tel: +49 (0)511-220027-133
Juliane Dörrbecker, juliane.doerrbecker@twincore.de
Tel: +49 (0)511-220027-135

Dr. Jo Schilling | idw
Weitere Informationen:
http://www.twincore.de/infothek-und-presse/mitteilungen/newsdetails/artikel/361/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht HIF-1α bremst Natürliche Killerzellen aus
25.05.2020 | Universitätsmedizin Mannheim

nachricht Biochemie-Absolvent der Universität Bayreuth hat Antigen für hochspezifischen Corona-Antikörpertest entwickelt
22.05.2020 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: I-call – Wenn Mikroimplantate miteinander kommunizieren / Innovationstreiber Digitalisierung - »Smart Health«

Die Mikroelektronik als Schlüsseltechnologie ermöglicht zahlreiche Innovationen im Bereich der intelligenten Medizintechnik. Das vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT koordinierte BMBF-Verbundprojekt »I-call« realisiert erstmals ein Elektroniksystem zur ultraschallbasierten, sicheren und störresistenten Datenübertragung zwischen Implantaten im menschlichen Körper.

Wenn mikroelektronische Systeme für medizintechnische Anwendungen eingesetzt werden, müssen sie hohe Anforderungen hinsichtlich Biokompatibilität,...

Im Focus: I-call - When microimplants communicate with each other / Innovation driver digitization - "Smart Health“

Microelectronics as a key technology enables numerous innovations in the field of intelligent medical technology. The Fraunhofer Institute for Biomedical Engineering IBMT coordinates the BMBF cooperative project "I-call" realizing the first electronic system for ultrasound-based, safe and interference-resistant data transmission between implants in the human body.

When microelectronic systems are used for medical applications, they have to meet high requirements in terms of biocompatibility, reliability, energy...

Im Focus: Wenn aus theoretischer Chemie Praxis wird

Thomas Heine, Professor für Theoretische Chemie an der TU Dresden, hat 2019 zusammen mit seinem Team topologische 2D-Polymere vorhergesagt. Nur ein Jahr später konnten diese Materialien von einem italienischen Forscherteam synthetisiert und deren topologische Eigenschaften experimentell nachgewiesen werden. Für die renommierte Fachzeitschrift Nature Materials war das Anlass, Thomas Heine zu einem News and Views Artikel einzuladen, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Unter dem Titel "Making 2D Topological Polymers a reality" beschreibt Prof. Heine, wie aus seiner Theorie Praxis wurde.

Ultradünne Materialien sind als Bausteine für nanoelektronische Bauelemente der nächsten Generation äußerst interessant, da es viel einfacher ist, Schaltungen...

Im Focus: When predictions of theoretical chemists become reality

Thomas Heine, Professor of Theoretical Chemistry at TU Dresden, together with his team, first predicted a topological 2D polymer in 2019. Only one year later, an international team led by Italian researchers was able to synthesize these materials and experimentally prove their topological properties. For the renowned journal Nature Materials, this was the occasion to invite Thomas Heine to a News and Views article, which was published this week. Under the title "Making 2D Topological Polymers a reality" Prof. Heine describes how his theory became a reality.

Ultrathin materials are extremely interesting as building blocks for next generation nano electronic devices, as it is much easier to make circuits and other...

Im Focus: Mikroroboter rollt tief ins Innere des Körpers

Mit einem Leukozyten als Vorbild haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Stuttgart einen Mikroroboter entwickelt, der in Größe, Form und Bewegungsfähigkeit einem weißen Blutkörperchen gleicht. In einem Labor simulierten sie dann ein Blutgefäß – und es gelang ihnen, den Mikroroller durch diese dynamische und dichte Umgebung zu steuern. Der Roboter hielt dem simulierten Blutfluss stand und brachte damit das Forschungsgebiet rund um die zielgenaue Medikamentenabgabe einen Schritt weiter: Es gibt keinen besseren Zugangsweg zu allen Geweben und Organen im menschlichen Körper als den Blutkreislauf.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) in Stuttgart haben einen winzigen Mikroroboter entwickelt, der einem weißen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

Erfolgreiche Premiere für das »Electrochemical Cell Concepts Colloquium«

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Künstliche Intelligenz für einen optimierten Mobilfunk

25.05.2020 | Informationstechnologie

Struktur mit dem gewissen Extra

25.05.2020 | Materialwissenschaften

Batterieforschung: Lithium kommt in Sicht

25.05.2020 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics