Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Greifswalder Forscher beobachten Krabben auf der Weihnachtsinsel mit GPS-Satelliten

15.11.2012
Wissenschaftler aus Jena und Greifswald haben über längere Zeit die Wanderungen von Landkrabben auf der Weihnachtsinsel mit Hilfe von Satelliten beobachtet.

Es ist das erste Mal, dass auf diese Art das Verhalten wirbelloser Tiere untersucht wurde. In dem gemeinsamen Projekt des Zoologischen Institutes und Museums der Universität Greifswald und des Max-Planck-Institutes für Chemische Ökologie Jena wurde ein GPS-basiertes Telemetrie System eingesetzt.


Die Karte von Christmas Island zeigt in der linken Box eine Punktwolke mit allen in der Studie aufgezeichneten GPS Positionen von 56 Tieren. In der größeren Box ist der Pfad eines einzelnen Tieres herausgehoben. Stationäre Phasen und solche mit längeren Wanderungen („migratory phase“) wechseln sich ab. Ganz links ist ein Palmendieb mit aufgeklebtem GPS-Empfänger zu sehen.

Quelle: Krieger, Harzsch, Hansson – unveröffentlicht

Die Untersuchungsergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht. http://dx.plos.org/10.1371/
journal.pone.0049809 Die Untersuchungen wurden durch die Max Planck Gesellschaft und die Universität Greifswald unterstützt.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand ein an Land lebendes Krebstier, der Palmendieb Birgus latro (Anomura, Coenobitidae), der auf tropischen Inseln des Indo-Pazifiks vorkommt. Die Tiere erreichen ein Alter von wahrscheinlich weit über 60 Jahren und sind mit einem Gewicht von bis zu vier Kilogramm die größten landlebenden Gliederfüßer (Arthropoda). Auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean gibt es eine noch weitgehend ungestörte Population von mehreren Hundertausend Tieren dieser Art.

Zwischen 2008 und 2011 wurden 55 Tiere mit GPS Empfängern bestückt, von denen die gespeicherten Daten dann drahtlos heruntergeladen und ausgewertet werden konnten. Diese lieferten mehrere Tausend GPS-Positionen und mehr als 1.500 Aktivitäts-Tagesprofile der Krabben. Einige Krebse konnten bis zu drei Monate verfolgt werden. Die Tiere konnten sich während der gesamten Untersuchungszeit uneingeschränkt und frei in ihrem Lebensraum bewegen. Es wurde beobachtet, dass die Krebse oft längere Zeit ihrem Standort treu blieben und nur kleinere Exkursionen unternahmen. Es konnten aber auch weitere Wanderungen zwischen Küste und dem rund drei Kilometer entfernten Regenwald im Inselinneren nachgewiesen werden. Diese ausgedehnten Ausflüge stehen vermutlich im Zusammenhang mit der Vermehrung, der Aufnahme von Salzen durch das Trinken von Meerwasser und dem Nahrungserwerb.

Auf ihren Wanderungen scheinen die Tiere alt bekannten, individuellen Routen zu folgen. In Experimenten, in denen die Tiere bis zu einem Kilometer weit an andere Standorte verfrachtet wurden, zeigte sich, dass sie innerhalb von wenigen Stunden gezielt wieder an den Ausgangsort zurück wandern. Insgesamt belegen diese Untersuchungen bemerkenswerte Orientierungsleistungen dieser Tiere. Die automatisierte Beobachtung mit einem GPS-System erlaubte detaillierte neue Einblicke in das Verhalten der Landkrabben dank einer hohen zeitlichen Auflösung bei den Messungen und aufgrund des bisher unerreicht langen Beobachtungszeitraumes.

Die GPS Module wurden durch die EObs GmbH (digitale Telemetrie) in München in Kleinserie hergestellt. Die Geräte können so programmiert werden, dass bei einer Aufzeichnung von GPS Positionen im Abstand von einer Stunde über mehrere Monate lang Daten erhoben und gespeichert werden. Das Modul enthält außerdem ein Accelerometer, um Bewegungen in x, y, z Achse und somit die Aktivität der Tiere aufzuzeichnen. Die Daten wurden dann drahtlos, also ohne die Tiere zu stören, über einen Radiolink mit einer Reichweite von ca. 200 m durch die Beobachter etwa einmal pro Woche geladen. Die Module senden außerdem Radioimpulse aus, die es ermöglichen, die Tiere mittels Richtantennen zu lokalisieren. Ähnliche Module wurden kürzlich auch genutzt, um die Wanderungen von Zugvögeln zu registrieren. Die immer weiter fortschreitende Miniaturisierung der Elektronik und besonders der Batterien zur Energieversorgung sollte es ermöglichen, diese Methode bei immer kleineren Tierarten erfolgreich einzusetzen.
Weitere Informationen
Originaltitel der Publikation:
Krieger J, Grandy R, Drew MM, Erland S, Stensmyr MC, Harzsch S, Hansson BS (2012) Giant robber crabs monitored from space: GPS-based telemetric studies on Christmas Island (Indian Ocean). PLOS ONE http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0049809

Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie Jena – Department of Evolutionary Neuroethology http://www.ice.mpg.de/ext/evolutionary-neuroethology.html
Zoologisches Institut und Museum der Universität Greifswald – Cytologie und Evolutionsbiologie
http://www.mnf.uni-greifswald.de/institute/fr-biologie/institute-und-forschung/zool-institut-museum/cytologie-und-evolutionsbiologie.html

Für redaktionelle Zwecke dürfen die Bilder unter Angabe der Urheber kostenfrei verwendet werden. Für kommerzielle Zwecke fragen Sie bitte in der Presse- und Informationsstelle nach:
Download http://www.uni-greifswald.de/informieren/pressestelle/download-presseinformationen/pressefotos-2012/pressefotos-november-2012.html

Ansprechpartner
Max Planck Institut für Chemische Ökologie
Prof. Bill S. Hansson
Abteilung Evolutionäre Neuroethologie
Hans-Knöll-Straße 8, 07745 Jena
Telefon 03641 571400
hansson@ice.mpg.de
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Prof. Dr. Steffen Harzsch
Zoologisches Institut und Museum
Cytologie und Evolutionsbiologie
Soldmannstraße 23, 17497 Greifswald
Telefon 03834 86-4124
steffen.harzsch@uni-greifswald.de
Dipl.-Biol. Jakob Krieger
jakob.krieger@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de
http://www.ice.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht HZDR-Forscher entwickeln Tarnkappen-Technologie für leuchtende Nanopartikel
13.11.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

nachricht Ein Chip mit echten Blutgefäßen
13.11.2018 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Im Focus: Datensicherheit: Aufbruch in die Quantentechnologie

Den Datenverkehr noch schneller und abhörsicher machen: Darauf zielt ein neues Verbundprojekt ab, an dem Physiker der Uni Würzburg beteiligt sind. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 14,8 Millionen Euro.

Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, umso mehr gewinnen Datensicherheit und sichere Kommunikation an Bedeutung. Für diese Ziele ist die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

Profilierte Ausblicke auf die Mobilität von morgen

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

MagicMoney: Offline bezahlen – mit deinem Smartphone

13.11.2018 | Wirtschaft Finanzen

5G sichert Zukunft von Industrie 4.0 – DFKI mit der SmartFactoryKL auf der SPS IPC Drives

13.11.2018 | Messenachrichten

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics