Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Glamour färbt nicht ab: Forscher klären Farbunterschiede zwischen den Geschlechtern bei Vögeln auf

05.11.2015

Forscher erklären das herrliche Gefieder der Männchen vieler Vogelarten mit sexueller Selektion. Manchmal sind jedoch die Weibchen viel bunter gefärbt.

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und Kollegen haben sich nun die Gefiederfärbung von fast 6000 Singvogelarten angeschaut und herausgefunden, dass die Selektion die Färbung beider Geschlechter beeinflusst – manchmal sogar in entgegengesetzter Richtung.


Ein Pärchen Weißflügel-Staffelschwänze (Malurus leucopterus) aus Australien

Kaspar Delhey


Männlicher Grünrücken-Nektarvogel (Cinnyris jugularis). Diese Art kommt vom südlichen China bis zu den Philippinen sowie von Malaysia bis Nordost-Australien vor.

Kaspar Delhey

So führt starker sexueller Selektionsdruck auf Männchen dazu, dass ihre Farbausprägung zunimmt, die ihrer Weibchen aber sehr viel stärker abnimmt. Bunte Weibchen gibt es vor allem bei großen Arten, in den Tropen und bei Arten, die Brutgemeinschaften bilden.

Spermien sind kleiner und können daher günstiger produziert werden als Eizellen. Deshalb investieren Vogelweibchen mehr in die Elternschaft. Es ist auch meist das weibliche Geschlecht, das den Paarungspartner wählt.

Merkmale, die die Weibchen für die Wahl eines Männchens nutzen, unterliegen daher der sexuellen Selektion, denn sie erhöhen den Fortpflanzungserfolg. Solche Merkmale sind zum Beispiel ein prächtiges Federkleid, mit der Männchen die Gunst eines Weibchens zu erringen versuchen.

Weibchen vieler Vogelarten haben jedoch ebenfalls ein bunt gefärbtes Gefieder. Bislang hielten Forscher das für einen Nebeneffekt der Färbung der Männchen: Die Gene für ein auffälliges Gefieder sind demnach in abgeschwächter Form auch bei den Weibchen aktiv.

Die Weibchen und Männchen konkurrieren jedoch untereinander um ökologische Ressourcen wie Futter und Territorien, und Gefiedermerkmale könnten im Wettbewerb helfen. Es ist also nicht unbedingt nur die sexuelle Selektion, welche die Evolution der Gefiederfärbung bedingt.

Um herauszufinden, welche Grundkräfte der Evolution auf die Gefiederfärbung beider Geschlechter wirken, analysierte ein Team von Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen mit Kollegen aus Neuseeland, Kanada und Australien die Gefiederfärbung von fast 6000 Sperlingsvogel-Arten, die im „Handbuch der Vögel der Welt“ aufgeführt sind.

Hier findet sich das ganze Spektrum an Gefiederfärbungen wieder. Bei vielen Arten sind die Männchen bunter als die Weibchen. Aber es gibt auch Sperlingsvogelarten, bei denen beide Geschlechter gleich farbenfroh bzw. gleich eintönig sind oder bei denen die Weibchen sogar ausgeprägter gefärbt sind als die Männchen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Farbausprägung von Männchen und Weibchen einer Art tatsächlich eng miteinander verknüpft und eine unabhängige Evolution der Farbausprägung zwischen den Geschlechtern nur eingeschränkt möglich ist. Anders als erwartet, verringert jedoch eine starke sexuelle Selektion auf Männchen die Gefiederfärbung der Weibchen stärker als sie die Färbung der Männchen erhöht.

„Dass starke sexuelle Selektion zu größeren Unterschieden in der Färbung zwischen den Geschlechter führt, liegt also vor allem daran, dass die Weibchen farbloser werden“, fasst Mihai Valcu zusammen.

Die Wissenschaftler haben darüber hinaus entdeckt, dass große Vogelarten und Vögel, die in den Tropen leben, die am stärksten gefärbten Gefieder haben. Große Vögel werden seltener Beute von Fressfeinden und können sich daher bunte Farben eher leisten. In den Tropen ist der Wettbewerb um Ressourcen stärker, deshalb sind auch dort die Vögel bunter.

Insgesamt erklärten die Analysen die zwischenartlichen Unterschiede der Weibchen besser als die der Männchen: Weibchen sind bunter bei Vögeln mit festen Partnern und bei Arten, bei denen neben den eigenen Eltern noch andere erwachsene Gruppenangehörige die Nestlinge mit Futter versorgen. Die Konkurrenz zwischen Weibchen um die Gelegenheit der Fortpflanzung ist in diesen Fällen höher.

„Insgesamt zeigt unsere Studien, dass die Gefiederfärbung der Weibchen nicht einfach ein Nebenprodukt der sexuellen Selektion auf Männchen ist“, sagt Bart Kempenaers, Direktor in Seewiesen. Vielmehr scheint die Farbenpracht bei Weibchen direkt der Selektion zu unterliegen, sei es, weil sie eine Rolle bei der Partnerwahl spielt oder durch die Konkurrenz zwischen Weibchen. Trotz der genetischen Zwänge ist die Färbung beider Geschlechter also stark und oft unterschiedlich abhängig von morphologischen, sozialen und lebensgeschichtlichen Gegebenheiten.

SSp/HR

Weitere Informationen:

https://www.mpg.de/9693013/vogel-gefieder-farbe
http://DOI:10.1038/nature15509 

Dr. Sabine Spehn | Max-Planck-Institut für Ornithologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers
18.10.2019 | Universität zu Köln

nachricht Das Rezept für eine Fruchtfliege
18.10.2019 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics