Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geschätzte Hefezellen - Das molekulare Verständnis morphogenetischer Veränderungen

23.07.2009
Bierbrauer, Winzer und Bäcker nutzen sie seit Jahrhunderten, die Wissenschaft hat ihre Bedeutung erst reichlich später entdeckt: Hefen, einzellige Pilze, die sich durch Sprossung oder Teilung vermehren.

Auch für einen Ulmer Wissenschaftler sind sie die Basis seiner Forschungsarbeiten. "Hefezellen haben große Ähnlichkeit mit menschlichen Zellen. Ihr entscheidender Vorteil ist, dass sie gezielt manipuliert werden können", erklärt Professor Nils Johnsson, Direktor des Instituts für Molekulare Genetik und Zellbiologie der Universität Ulm. Mit seiner Antrittsvorlesung beim Jahrestag der Uni hat sich der Wissenschaftler kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auch das Thema seiner Arbeitsgruppe, das molekulare Verständnis morphogenetischer Veränderungen. "Wir untersuchen, wie Hefezellen ihre Form erhalten und verändern", so Johnsson, "ausgehend von der Annahme, dass Proteine und insbesondere ihre Wechselwirkungen die zellulären Prozesse steuern, die morphogenetische Veränderungen bedingen". Der erste Schritt sei die Erstellung möglichst vollständiger Interaktionskarten der an den verschiedenen Prozessen beteiligten Proteine. "Im nächsten untersuchen wir dann die Logik dieser Netzwerke: Welche Proteine interagieren gleichzeitig mit einem dritten Protein? Welche Proteininteraktionen schließen sich gegenseitig aus und welche bedingen einander?"

Aus diesen so strukturierten Interaktionskarten können Professor Johnsson zufolge Hypothesen über die Funktionen und Arbeitsweisen von Proteinen abgeleitet und die für das Netzwerk kritischen Elemente identifiziert werden. "Durch genetische Manipulationen stören wir die potenziell wichtigen Verbindungen zwischen den Proteinen gezielt und messen die Auswirkung dieser Störung auf den untersuchten Prozess in der Zelle", beschreibt er die Methode weiter, nennt zudem das Ziel: "Aus den so gewonnenen komplementären Daten versuchen wir qualitative Modelle über Mechanismen der untersuchten Prozesse zu gewinnen."

Schließlich sollte die Generierung quantitativer Daten von wichtigen Teilaspekten der Prozesse in einem letzten Schritt die Modellierung dieser Prozesse erlauben. Allerdings macht der Wissenschaftler deutlich: "Von dieser Stufe sind unsere jetzigen Arbeiten noch recht weit entfernt."

Hintergrund sei gleichwohl "die Hoffnung, daraus gezielt Verständnis bei Fragestellungen in anderen Organismen zu gewinnen, bis hin zur Krebs- und Alterungsforschung". Insofern seien die Untersuchungen Grundlagenforschung im besten Sinne. Dabei leiste sein Institut zudem einen aktiven Beitrag zur Methodenentwicklung. Speziell: "Zeit und Ort der Interaktionen von Proteinen messen wir mit fluoreszenzmikroskopischen Methoden", sagt der promovierte Biochemiker, Jahrgang 1960, der in Tübingen studiert und am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen promoviert hat.

"Wir sind hier das einzige naturwissenschaftliche Institut", sinniert Johnsson über seine vorwiegend der medizinischen Forschung zugeordneten Nachbarschaft im neuen Forschungsgebäude der Universität, darunter die beiden Leibniz- und weitere Preisträger. "Ich denke aber, dass wir fachlich ganz gut in dieses Umfeld passen." Mit Stammzellforscher Professor Karl Lenhard Rudolph jedenfalls habe er sich bereits auf ein erstes gemeinsames Thema verständigt, mit Kollegen aus der Biophysik und der Telekommunikationstechnik sogar auf zwei interdisziplinär angelegte Projektanträge. Und rundum positiv äußert sich der in Clausthal-Zellerfeld geborene Wahl-Ulmer auch über seine bisherigen Erfahrungen: "Mein Institut ist instrumentell gut ausgestattet, der Aufbau reibungslos und unbürokratisch verlaufen."

Vergleichsmöglichkeiten hat er durchaus. Drei Jahre war Professor Johnsson zuletzt an der Universität Münster tätig, weitere renommierte Stationen seiner Laufbahn waren zuvor das Forschungszentrum Karlsruhe, das Max-Delbrück-Laboratorium der Max-Planck-Gesellschaft in Köln und das California Institute of Technology. Dem vorausgegangen war ein dreijähriger Forschungsaufenthalt als Stipendiat am Massachusetts Institute of Technology (MIT), eine der ersten Adressen bekanntlich weltweit nicht nur für Nachwuchswissenschaftler. Und nun Ulm. "Wir müssen uns hier nicht verstecken", ist der Hobby-Radler überzeugt, "gerade eine kleine Uni hat große Vorteile". Er jedenfalls fühle sich hier "in jeder Beziehung pudelwohl".

Weitere Informationen: Prof. Dr. Nils Johnsson, Tel. 0731/50-36301

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zika und Gelbfieber: Impfstoffe ohne Ei
21.09.2018 | Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg

nachricht Einbahnstraße für das Salz
21.09.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

ISO-27001-Zertifikat für die GFOS mbH und die GFOS Technologieberatung GmbH

21.09.2018 | Unternehmensmeldung

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics