Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gepanzerte Schönheit in Gefahr - Neu entdeckte kolumbianische Schildkröte benötigt Schutz

06.10.2017

Senckenberg-Wissenschaftler haben gemeinsam mit kolumbianischen Kollegen eine neue Schildkröten-Art in Kolumbien entdeckt. Die neue Spezies gehört zur Gattung der auffällig gefärbten Schmuckschildkröten und ist erstaunlicherweise mit Arten verwandt, die in mehreren Tausend Kilometer Entfernung vorkommen. In ihrer heute im Fachjournal „Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research“ erschienenen Arbeit plädieren die Wissenschaftler für ein umfassendes Schutzkonzept für die neue Art, da sie besonders durch die Zerstörung ihres Lebensraumes und die Nutzung als Fastenspeise bedroht ist.

„Schmuckschildkröten sind eine artenreiche Gattung, die besonders durch die Rotwangen-Schmuckschildkröte bekannt ist. Sie wurde durch den Tierhandel bzw. ausgesetzte Tiere beinahe weltweit verbreitet und stellt heute in vielen Ländern ein Problem dar. Neben der ursprünglich in Nordamerika beheimateten ‚Rotwange’ gibt es jedoch noch viele weitere Arten, besonders in Lateinamerika, die teilweise nur schlecht bekannt sind“, erläutert Prof. Dr. Uwe Fritz, Direktor der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden und fährt fort:


Neu entdeckt und schon bedroht: Trachemys medemi.

© Carlos del Valle


Die neue Schmuckschildkröte ist auch von unten hübsch anzusehen.

© Carlos del Valle

„Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern von der Universidad Nacional de Colombia und der Universidad de Antioquia, Kolumbien, haben wir Schmuckschildkröten aus diesem Land genetisch und morphologisch untersucht und festgestellt, dass die Tiere in einem Fluss nahe der Grenze zu Panama genetisch völlig isoliert sind. Sie sind nicht mit den benachbarten Schmuckschildkröten-Arten verwandt, sondern mit Schmuckschildkröten aus Brasilien, die durch den Amazonas getrennt in mindestens 3700 km Entfernung leben“.

Die neue kolumbianische Schmuckschildkröte aus dem Río Atrato erreicht etwa 22 Zentimeter Panzerlänge und ist besonders farbenprächtig, mit gelben und roten Weichteilstreifen und einer oft intensiv roten Färbung der Panzerunterseite.

Sie wurde wissenschaftlich zu Ehren von Federico Medem, einem verstorbenen deutschstämmigen kolumbianischen Wissenschaftler als Trachemys medemi benannt, da er bereits in den 1950er Jahren auf Besonderheiten der Atrato-Schmuckschildkröten hingewiesen hatte.

„Obwohl das kleine Verbreitungsgebiet der Schmuckschildkröten zum Teil in Schutzgebieten liegt, ist Trachemys medemi stark bedroht. In Kolumbien werden in der Fastenzeit vor Ostern unvorstellbare Mengen von Schmuckschildkröten gefangen, da sie als „Fisch“ gegessen werden dürfen.

Genau diese Unsitte brachte in Europa in vergangenen Jahrhunderten die einheimische Sumpfschildkröte an den Rand der Ausrottung und auch in Kolumbien ist ähnliches zu befürchten. Zudem verkleinern Waldrodungen den natürlichen Lebensraum der Tiere“, erklärt Prof. Dr. Mario Vargas-Ramírez, Wissenschaftler der Universidad Nacional und Erstautor der Studie. Der Wissenschaftler schlägt daher vor die neu entdeckte Art als „gefährdet“ in die internationale Rote Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten aufzunehmen.

Kontakt
Prof. Dr. Uwe Fritz
Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden
Tel. 0351 - 795841 4326
Uwe.Fritz@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Vargas-Ramírez M, del Valle C, Ceballos CP, Fritz U. Trachemys medemi n. sp. from northwestern Colombia turns the biogeography of South American slider turtles upside down. J Zool Syst Evol Res. 2017;55:326–339. https://doi.org/10.1111/jzs.12179

Pressebilder können kostenfrei für redaktionelle Berichterstattung verwendet werden unter der Voraussetzung, dass der genannte Urheber mit veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zulässig.
Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg – die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert.

Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de

Judith Jördens | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff
17.07.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Künstliche neuronale Netze helfen, das Gehirn zu kartieren
17.07.2018 | Max-Planck-Institut für Neurobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics