Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genplagiate: Rotalgen schafften, wovon Biotechnologen träumen

15.03.2013
Veröffentlichung in Science
Biologen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Oklahoma State University stellen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Science Forschungsergebnisse über die extremophile Rotalge Galdieria vor. Sie ist widerstandsfähig wie Aliens aus dem gleichnamigen Kinofilmen; ihre Fähigkeiten haben sie aber großteils von Bakterien abgekupfert.

Die Rotalge Galdieria ist überall dort zu finden, wo es extrem ungemütlich ist: in den heißen Quellen des Yellowstone-Nationalparks überlebt sie in kochend heißer Umgebung, in säurehaltigen Abwässern in Minenschächten trotzt sie extremen Schwermetallkonzentrationen, und auch hohe Salzgehalte in ihrer Umgebung machen ihr nichts aus. Auch ihre Ernährungsgewohnheiten sind höchst variabel: Mal nutzen sie Photsynthese, mal verspeisen sie Bakterien aus ihrer Umgebung.

Prof. Dr. Andreas Weber (Institut für Biochemie der Pflanzen) und Prof. Dr. Martin Lercher (Abteilung Bioinformatik) von der Heinrich-Heine-Universität und Prof. Dr. Gerald Schönkrecht von der Oklahoma State University haben sich gefragt, wie die Rotalge ihre enorme Widerstands- und Anpassungsfähigkeit ausbilden konnte. „Warum das Rad neu erfinden, wenn wir es uns bei unseren Nachbarn abschauen können“, fasst Prof. Lercher die Untersuchungsergebnisse des Gentests von Galdieria zusammen. Tatsächlich hat sich der Organismus über den sogenannten horizontalen Gentransfers vom Erbgut seiner bakteriellen Nachbarn bedient. Die Rotalge hat Gensequenzen, die andere Organismen für ihre evolutionären Anpassung an extreme Umgebungen entwickelt haben, einfach kopiert. Prof. Lercher weiter: „Nun ist spannend, wie Galdieria die Grenzen zwischen den Arten überwinden konnte.“
Die Hitze-Unempfindlichkeit hat Galdieria schon vor Jahrmillionen von Archaebakterien – urtümlichen Bakterienarten – abgeschaut. Die Resistenz gegen Schwermetalle wie Quecksilber und Arsen wiederum stammt von Bakterien, die spezielle Eiweiße – Transportproteine und Enzyme – entwickelt haben. „Letztlich ist es Galdieria gelungen, wovon viele Biotechnologen träumen“, erklärt Prof. Weber. „Sie hat Gene aus einer Vielzahl verschiedener Organismen aufgenommen und sich so neue, für den Überlebenskampf wichtige Eigenschaften angeeignet.“

Originalartikel:
Gerald Schönknecht et. al., „Gene Transfer from Bacteria and Archaea Facilitated Evolution of an Extremophilic Eukaryote”, Science – Vol. 340, 8. März 2013

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Weber
Institut für Biochemie der Pflanzen
Tel.: 0211-81-12347
E-Mail: andreas.weber@hhu.de

Dr. Arne Claussen | idw
Weitere Informationen:
http://www.hhu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Darmbakterien das Herzinfarktrisiko beeinflussen
10.12.2018 | Berliner Institut für Gesundheitsforschung / Berlin Institute of Health (BIH)

nachricht Neues über ein Pflanzenhormon
07.12.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode verpasst Mikroskop einen Auflösungsschub

Verspiegelte Objektträger ermöglichen jetzt deutlich schärfere Bilder / 20fach bessere Auflösung als ein gewöhnliches Lichtmikroskop - Zwei Forschungsteams der Universität Würzburg haben dem Hochleistungs-Lichtmikroskop einen Auflösungsschub verpasst. Dazu bedampften sie den Glasträger, auf dem das beobachtete Objekt liegt, mit maßgeschneiderten biokompatiblen Nanoschichten, die einen „Spiegeleffekt“ bewirken. Mit dieser einfachen Methode konnten sie die Bildauflösung signifikant erhöhen und einzelne Molekülkomplexe auflösen, die sich mit einem normalen Lichtmikroskop nicht abbilden lassen. Die Studie wurde in der NATURE Zeitschrift „Light: Science and Applications“ veröffentlicht.

Die Schärfe von Lichtmikroskopen ist aus physikalischen Gründen begrenzt: Strukturen, die näher beieinander liegen als 0,2 tausendstel Millimeter, verschwimmen...

Im Focus: Supercomputer ohne Abwärme

Konstanzer Physiker eröffnen die Möglichkeit, Supraleiter zur Informationsübertragung einzusetzen

Konventionell betrachtet sind Magnetismus und der widerstandsfreie Fluss elektrischen Stroms („Supraleitung“) konkurrierende Phänomene, die nicht zusammen in...

Im Focus: Drei Nervenzellen reichen, um eine Fliege zu steuern

Uns wirft so schnell nichts um. Eine Fruchtfliege kann dagegen schon ein kleiner Windstoß vom Kurs abbringen. Drei große Nervenzellen in jeder Hälfte des Fliegenhirns reichen jedoch aus, um die Fliege mit Hilfe visueller Signale wieder auf Kurs zu bringen.

Bewegen wir uns vorwärts, zieht die Umwelt in die entgegengesetzte Richtung an unseren Augen vorbei. Drehen wir uns, verschiebt sich das Bild der Umwelt im...

Im Focus: Researchers develop method to transfer entire 2D circuits to any smooth surface

What if a sensor sensing a thing could be part of the thing itself? Rice University engineers believe they have a two-dimensional solution to do just that.

Rice engineers led by materials scientists Pulickel Ajayan and Jun Lou have developed a method to make atom-flat sensors that seamlessly integrate with devices...

Im Focus: Drei Komponenten auf einem Chip

Wissenschaftlern der Universität Stuttgart und des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT gelingt wichtige Weiterentwicklung auf dem Weg zum Quantencomputer

Quantencomputer sollen bestimmte Rechenprobleme einmal sehr viel schneller lösen können als ein klassischer Computer. Einer der vielversprechendsten Ansätze...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungen

Fachforum über intelligente Datenanalyse

10.12.2018 | Veranstaltungen

Plastics Economy Investor Forum: Treffpunkt für Innovationen

10.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Klein und vielseitig: Schlüsselorganismen im marinen Stickstoffkreislauf nutzen Cyanat und Harnstoff

10.12.2018 | Studien Analysen

Ungesundes Sitzen vermeiden: Stuhl erkennt Sitzposition und motiviert zur Änderung der Körperhaltung

10.12.2018 | Energie und Elektrotechnik

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics