Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genmutation für Augenfehlbildung entdeckt

07.07.2014

Erstmalig gelang es Wissenschaftlern am Helmholtz Zentrum München, eine genetische Veränderung am Peroxidasin-Gen zu identifizieren, die für gravierende Fehlbildungen des Auges verantwortlich ist. Damit verfügt die Forschung nun über eine Möglichkeit zur näheren Untersuchung der betreffenden Wirkmechanismen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Human Molecular Genetics veröffentlicht.

Forscher identifizieren immer mehr Gene, deren Veränderungen für bestimmte Krankheiten verantwortlich sind. Am Helmholtz Zentrum München gelang dies nun auch für das Peroxidasin-Gen in Mäusen, das unter anderem die Entwicklung des Auges steuert. Ein Team um Prof. Dr. Jochen Graw erkannte, dass eine Mutation dieses Gens zu schweren, rezessiv vererbten Augenerkrankungen führt. Die Entdeckung kann nun als präklinisches Modell für entsprechende Erkrankungen am Menschen dienen.

„Im Rahmen einer personalisierten Medizin müssen natürlich alle Gene bekannt sein, die zu einem bestimmten Krankheitsbild führen“, erläutert Graw. „Unser Modell zeigt, dass hier eine wesentliche Ursache für eine Fehlsteuerung der Augenentwicklung liegt. Dadurch kommt es außerdem zu massiven Entzündungsprozessen im ganzen Auge.“

Schwere Missbildungen am Auge

Von den ersten Peroxidasin-Mutationen bei Menschen wurde 2011 berichtet. Das Krankheitsbild zeichnet sich durch schwere angeborene Missbildungen des vorderen Augenabschnitts aus. Dazu zählen Hornhauttrübung, entwicklungsbedingtes Glaukom und eine Linsentrübung. Der durch den China Scholarship Council geförderte Doktorand Dr. Xiaohe Yan und das Forscherteam um Graw entdeckten nun in einem neuen Mausmodell eine Mutation im Peroxidasin-Gen der Maus mit ähnlichen Auswirkungen auf das Auge wie bei Menschen. „Es handelt sich um die erste Mausmutante für das Peroxidasin-Gen“, so Graw, „Unsere Maus zeigt zusätzlich zu den Schäden des vorderen Augenabschnitts auch fortschreitende Fehlbildungen der Netzhaut.“

„Dieses Ergebnis war nur möglich durch die enge Zusammenarbeit der beiden genetischen Institute am Helmholtz Zentrum München, dem Institut für Experimentelle Genetik und dem Institut für Entwicklungsgenetik“, so Prof. Dr. Hrabě de Angelis. „Und es demonstriert und dokumentiert auch die Bedeutung unserer Genforschung, die klinisch relevante Phänotypen liefert.“

„Mechanismen, die bei angeborenen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen, sind oft auch in milderer Form für Augenprobleme im Alter verantwortlich“, sagt Graw. Ihre Erforschung und die Entwicklung von Therapieansätzen hätte große volkswirtschaftliche Bedeutung. Immerhin erkrankt etwa die Hälfte der Bevölkerung im Alter am Auge.

Weitere Informationen

Original-Publikation:
Yan, X. et al. (2014). Peroxidasin is essential for eye development in the mouse, Human Molecular Genetics, 2014, doi:10.1093/hmg/ddu274

Link zur Fachpublikation: http://hmg.oxfordjournals.org/content/early/2014/06/16/hmg.ddu274.full?sid=908e1...

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.200 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. <www.helmholtz-muenchen.de >

Ziel der Forschung des Instituts für Experimentelle Genetik (IEG) ist, Ursachen und Entstehung menschlicher Erkrankungen zu verstehen. Durch seine leitende Funktion in interdisziplinären und internationalen Konsortien hat das IEG eine weltweit führende Position in der systemischen Untersuchung von Mausmodellen für Krankheiten des Menschen und der Aufklärung von beteiligten Genen. Schwerpunkt bilden dabei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Das IEG ist Gründer der Deutschen Mausklinik (GMC) und leitet das Europäische Maus Mutanten Archiv (EMMA). Zudem koordiniert das IEG die europäische Forschungsinfrastruktur Infrafrontier (ESFRI). Das IEG ist Teil des Helmholtz Diabetes Center (HDC).

Durch eine steigende Lebenserwartung nehmen sowohl altersbedingte, als auch soziologische und umweltbedingte Einflüsse auf die Gene zu. Diese Veränderungen des genetischen Materials untersucht das Institut für Entwicklungsgenetik (IDG). Im Forschungsbereich Mouse Genetics werden genetische Tiermodelle zur Erforschung verschiedener Erkrankungen entwickelt. Diese Modelle werden im Disease Modelling analysiert um Genfunktionen und Zellprozesse zu identifizieren und den Einfluss von Umwelt und Alterungsprozessen zu bewerten. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Untersuchung neurologischer und psychiatrischer Krankheiten.
 
Ansprechpartner für die Medien

Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-2238 - Fax: 089-3187-3324 - E-Mail: http://presse(at)helmholtz-muenchen.de

Fachlicher Ansprechpartner

Prof. Dr. Jochen Graw, Helmholtz Zentrum München, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg, Tel. ++49-89/3187-2610, E-mail: http://graw(at)helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen:

http://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/uebersicht/pressemitteilungnews/artic...

Susanne Eichacker | Helmholtz-Zentrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Tellur macht den Unterschied
05.08.2020 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Ein neuer Job für Augenzellen
05.08.2020 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Im Focus: Lastenfahrräder: Leichtbaupotenziale erkennen und nutzen

Lastenräder sind »hipp« und ein Symbol für klimafreundliche Mobilität, tagtäglich begegnen wir ihnen. Straßen und Radwege müssen an diese neue Fahrzeugkategorie angepasst werden. Aber nicht nur die Infrastruktur kann optimiert werden, Lastenräder selbst bieten noch reichlich Potenzial. Im neu gestarteten Projekt »LastenLeichtBauFahrrad« (L-LBF) suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF zusätzliche Leichtbaupotenziale dieser urbanen Vehikel. Über die Fortschritte des Projekts informiert eine eigene Webseite unter www.lbf.fraunhofer.de/L-LBF 

Form und Design von Lastenfahrrädern variieren von schnittig schick bis kastig oder tonnig. Sie stellen das neue Statussymbol der »mittleren Generation« dar....

Im Focus: AI & single-cell genomics

New software predicts cell fate

Traditional single-cell sequencing methods help to reveal insights about cellular differences and functions - but they do this with static snapshots only...

Im Focus: Künstliche Intelligenz & Einzelzellgenomik: Neue Software sagt das Schicksal einer Zelle vorher

Die Erforschung der Zelldynamik ermöglicht einen tieferen Einblick in die Entstehung und Entwicklung von Zellen sowie ein besseres Verständnis von Krankheitsverläufen. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM) haben „scVelo“ entwickelt – eine auf maschinellem Lernen basierende Methode und Open-Source-Software, welche die Dynamik der Genaktivität in einzelnen Zellen prognostizieren kann. Damit können die Forscher den künftigen Zustand einzelner Zellen vorhersagen.

Herkömmliche Verfahren für die Einzelzellsequenzierung erlauben es, Erkenntnisse über Unterschiede und Funktionen auf zellulärer Ebene zu gewinnen - allerdings...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

Städte als zukünftige Orte der Nahrungsmittelproduktion?

29.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ein neuer Job für Augenzellen

05.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Essigsäure steuert Immunzellen für eine präzise orchestrierte Abwehr

05.08.2020 | Medizin Gesundheit

Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

05.08.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics