Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetische Vielfalt der Quastenflosser: 400 Millionen Jahre alt, aber immer noch anpassungsfähig

13.06.2012
- Quastenflosser sind mehr als „passive Überbleibsel vergangener Zeiten“

- RUB-Publikation: Forscherteam untersucht genetische Vielfalt lebender Fossilien

Der Körperbau von Quastenflossern hat sich seit dem Devon, also seit etwa 400 Millionen Jahren, nicht grundlegend verändert. Dennoch können sich die als lebende Fossilien bezeichneten Tiere genetisch an ihre Umwelt anpassen.

Das beschreibt PD Dr. Kathrin Lampert vom RUB-Lehrstuhl für Evolutionsökologie und Biodiversität der Tiere gemeinsam mit Kollegen aus Würzburg, Bremen, Kiel und Dar es Salaam (Tansania) in der Zeitschrift Current Biology. „Quastenflosser sind selten und stark gefährdet. Die genetische Vielfalt der Tiere zu verstehen, könnte helfen, Schutzprogramme gegen ihr Aussterben effektiver zu gestalten“, sagt die Biologin.

Verschiedene Populationen Afrikas untersucht

Bisherige genetische Studien waren hauptsächlich auf die Verwandtschaftsverhältnisse von Quastenflossern zu Lungenfischen und Landwirbeltieren konzentriert. Um zu beurteilen, ob die Fische sich noch an neue Umweltbedingungen anpassen können, muss man allerdings die genetische Vielfalt innerhalb der Art kennen. Zu diesem Zweck untersuchte das Forscherteam 71 Exemplare von verschiedenen Fundorten an der Ostküste Afrikas. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten genetische Marker aus dem Zellkern und aus den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen.

Geographische Unterschiede im Erbgut

Die Daten ergaben generell eine geringe genetische Diversität. Wie vermutet schreitet die Evolution der Tiere also nur langsam voran. Dennoch kamen bestimmte genetische Muster nur in bestimmten geographischen Regionen vor. „Wir nehmen an, dass die afrikanischen Quastenflosser ursprünglich von den Komoren kamen, die die größte bekannte Population beherbergen“, erklärt Lampert. Seitdem haben sich aber zwei weitere, inzwischen unabhängige Populationen in Südafrika und Tansania etabliert. Außerdem gehören die Tiere auf den Komoren zu zwei genetisch unterscheidbaren Gruppen. „Wir konnten damit zeigen, dass sich Quastenflosser trotz ihrer langsamen Evolutionsrate immer noch weiterentwickeln und so potenziell auch an neue Umweltbedingungen anpassen können“, sagt die RUB-Forscherin. „Das Bild der Quastenflosser als passive Überbleibsel längst vergangener Zeiten muss deshalb relativiert werden.“

Bindeglied zwischen Wasser und Land

Quastenflosser, Latimeria chalumnae, galten als ausgestorben, bis Marjorie Courtenay-Latimer 1938 ein lebendes Individuum auf einem Fischerboot entdeckte. Seitdem wurden vor der Küste Ostafrikas mehr als 100 Exemplare gefunden, die meisten vor den Komoren. Vermutlich existieren auf der Welt nur noch wenige hundert Exemplare, die stark vom Aussterben bedroht sind. „Quastenflosser sind nahe Verwandte des letzten gemeinsamen Vorfahrens von Fischen und Landwirbeltieren und deshalb von großem wissenschaftlichem Interesse“, sagt Kathrin Lampert. „Aus ihrer Untersuchung erhoffen wir uns neue Erkenntnisse über einen der großen Schritte der Evolution: Die Besiedlung des Landes.“

Titelaufnahme

K.P. Lampert, H. Fricke, K. Hissmann, J. Schauer, K. Blassmann, B.P. Ngatunga, M. Schartl (2012): Population divergence in East African coelacanths, Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2012.04.053

Weitere Informationen

PD Dr. Kathrin Lampert, Lehrstuhl für Evolutionsökologie und Biodiversität der Tiere, Fakultät für Biologie und Biotechnologie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25573
kathrin.lampert@rub.de

Angeklickt

Evolutionsökologie und Biodiversität der Tiere
http://www.ruhr-uni-bochum.de/spezzoo/

Redaktion: Dr. Julia Weiler

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/spezzoo/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Längeres Leben für Bioelektroden
26.04.2019 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Informationen in die Zelle bringen
26.04.2019 | Paul Scherrer Institut (PSI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Diamanten den Eigenschaften zweidimensionaler Magnete auf der Spur

Physikern der Universität Basel ist es erstmals gelungen, die magnetischen Eigenschaften von atomar dünnen Van-der-Waals-Materialien auf der Nanometerskala zu messen. Mittels Diamant-Quantensensoren konnten sie die Stärke von Magnetfeldern an einzelnen Atomlagen aus Chromtriiodid ermitteln. Zudem haben sie eine Erklärung für die ungewöhnlichen magnetischen Eigenschaften des Materials gefunden. Die Zeitschrift «Science» hat die Ergebnisse veröffentlicht.

Der Einsatz von zweidimensionalen Van-der-Waals-Materialien verspricht Innovationen in zahlreichen Bereichen. Wissenschaftler weltweit untersuchen immer neue...

Im Focus: Unprecedented insight into two-dimensional magnets using diamond quantum sensors

For the first time, physicists at the University of Basel have succeeded in measuring the magnetic properties of atomically thin van der Waals materials on the nanoscale. They used diamond quantum sensors to determine the strength of the magnetization of individual atomic layers of the material chromium triiodide. In addition, they found a long-sought explanation for the unusual magnetic properties of the material. The journal Science has published the findings.

The use of atomically thin, two-dimensional van der Waals materials promises innovations in numerous fields in science and technology. Scientists around the...

Im Focus: Volle Fahrt voraus für SmartEEs auf der Automotive Interiors Expo 2019

Flexible, organische und gedruckte Elektronik erobert den Alltag. Die Wachstumsprognosen verheißen wachsende Märkte und Chancen für die Industrie. In Europa beschäftigen sich Top-Einrichtungen und Unternehmen mit der Forschung und Weiterentwicklung dieser Technologien für die Märkte und Anwendungen von Morgen. Der Zugang seitens der KMUs ist dennoch schwer. Das europäische Projekt SmartEEs - Smart Emerging Electronics Servicing arbeitet an der Etablierung eines europäischen Innovationsnetzwerks, das sowohl den Zugang zu Kompetenzen als auch die Unterstützung der Unternehmen bei der Übernahme von Innovationen und das Voranschreiten bis zur Kommerzialisierung unterstützt.

Sie umgibt uns und begleitet uns fast unbewusst durch den Alltag – gedruckte Elektronik. Sie beginnt bei smarten Labels oder RFID-Tags in der Kleidung,...

Im Focus: Full speed ahead for SmartEEs at Automotive Interiors Expo 2019

Flexible, organic and printed electronics conquer everyday life. The forecasts for growth promise increasing markets and opportunities for the industry. In Europe, top institutions and companies are engaged in research and further development of these technologies for tomorrow's markets and applications. However, access by SMEs is difficult. The European project SmartEEs - Smart Emerging Electronics Servicing works on the establishment of a European innovation network, which supports both the access to competences as well as the support of the enterprises with the assumption of innovations and the progress up to the commercialization.

It surrounds us and almost unconsciously accompanies us through everyday life - printed electronics. It starts with smart labels or RFID tags in clothing, we...

Im Focus: Neuer LED-Leuchtstoff spart Energie

Das menschliche Auge ist für Grün besonders empfindlich, für Blau und Rot hingegen weniger. Chemiker um Hubert Huppertz von der Universität Innsbruck haben nun einen neuen roten Leuchtstoff entwickelt, dessen Licht vom Auge gut wahrgenommen wird. Damit lässt sich die Lichtausbeute von weißen LEDs um rund ein Sechstel steigern, was die Energieeffizienz von Beleuchtungssystemen deutlich verbessern kann.

Leuchtdioden oder LEDs können nur Licht einer bestimmten Farbe erzeugen. Mit unterschiedlichen Verfahren zur Farbmischung lässt sich aber auch weißes Licht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2019 in Berlin: Am 30. Mai 5 km laufen und Gutes tun

26.04.2019 | Veranstaltungen

Wie sieht das Essen der Zukunft aus?

25.04.2019 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mit Diamanten den Eigenschaften zweidimensionaler Magnete auf der Spur

26.04.2019 | Physik Astronomie

Multitasking in Perfektion: Nervenzelle arbeitet wie 1400 einzelne Zellen

26.04.2019 | Biowissenschaften Chemie

Neuer Goldstandard bei der Behandlung der Aortenklappenstenose

26.04.2019 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics