Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genanalyse könnte Risikobestimmung für Speiseröhrenkrebs ermöglichen

28.12.2015

Eine genetische Veränderung in der Schleimhaut der Speiseröhre, der Barrett-Ösophagus, kann zu Speiseröhrenkrebs führen. Wenn in dieser Gewebsveränderung bestimmte Biomarker vorhanden sind, sogenannte miRNA (sehr kurze RNA Stränge), könnte das ein Hinweis dafür sein, dass sich aus der Vorstufe von Speiseröhrenkrebs tatsächlich Krebs entwickelt. Das fanden WissenschafterInnen der Gastroesophageal Tumor Unit (CCC-GET) des Comprehensive Cancer Center (CCC) Vienna der MedUni Wien und des AKH Wien in einer gemeinsamen Studie mit den National Institutes of Health, USA, und der Johns Hopkins University, USA, heraus.

Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) ist in der westlichen Welt die achthäufigste Tumorerkrankung. Eine Unterform, das Adenokarzenom, ist jene Krebsart, die in den vergangenen zehn Jahren den stärksten relativen Anstieg, nämlich um rund 600 Prozent bei Männern und bis zu 380 Prozent bei Frauen, verzeichnete.


Neue Erkenntnisse zur Früherkennung von Speiseröhrenkrebs

Stärkster Risikofaktor für den Speiseröhrenkrebs ist Sodbrennen (Reflux), also der Rückfluss von saurer und galliger Magenflüssigkeit in die Speiseröhre. Wenn der Reflux unbehandelt bleibt, kann er zu genetischen Veränderungen in der Schleimhaut und somit langfristig zum Ausbruch der Krankheit führen.

Eine Vorstufe des Adenokarzinoms ist der sogenannte Barrett-Ösophagus, der ebenfalls schon Mutationen in der Schleimhaut aufweist. In 0,5 Prozent der Fälle entsteht aus dem Barrett-Ösophagus Speiseröhrenkrebs. Um einem bösartigen Verlauf vorzubeugen, empfehlen ÄrztInnen standardmäßig die Entfernung dieser Schleimhautveränderung.

Schaltmodule für die Tumorentstehung

Da nicht alle Fälle von Barrett-Ösophagus bösartig werden, ist es für die behandelnden ÄrztInnen wichtig, dass es verlässliche Indikatoren (sog. Biomarker) gibt, die es ermöglichen abzuschätzen, ob sich aus der noch harmlosen Veränderung ein Tumor entwickeln wird. Sebastian Schoppmann von der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien und des AKH Wien, Leiter der CCC-GET und einer der Leiter der Studie:

„In der vorliegenden Arbeit haben wir mit Hilfe eines Gentests die Rolle von molekularbiologischen Schaltmodulen für dieses Tumorgeschehen, der sogenannten miRNA, im betroffenen Gewebe untersucht. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die miRNA-Profile von Speiseröhrenkrebs tatsächlich vom Barrett-Ösophagus unterscheiden.“

Risikoabschätzung und kostengünstigere Krankheitskontrolle

Die Studienergebnisse legen nahe, dass man aufgrund des Vorhandenseins bestimmter miRNA abschätzen kann, ob sich aus der vorliegenden Schleimhautveränderung eine bösartige Erkrankung entwickeln wird. Damit könnte man PatientInnen die belastende Entfernung des Barrett-Ösophagus ersparen und die Verlaufskontrollen der Erkrankung kostengünstiger gestalten.

Internationale Top-Kooperation

Alle 300 PatientInnen, die an der Studie teilgenommen haben, wurden von der CCC-GET Unit der MedUni Wien und des AKH Wien eingebracht. Schoppmann: „Die Kooperation mit den National Institutes of Health und der Johns Hopkins Universität, beide sehr renommierte Einrichtungen in den USA, ist ein großer Erfolg. Die Zusammenarbeit zeigt nicht nur, welche Expertise wir uns in den letzten Jahren erarbeitet haben, sondern auch, dass diese auch in internationalen Fachkreisen anerkannt wird.“

http://www.meduniwien.ac.at

Johannes Angerer | AlphaGalileo

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues aus der Schaltzentrale
18.07.2018 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Chemische Waffe durch laterale Gen-Übertragung schützt Wollkäfer gegen schädliche Pilze
18.07.2018 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics