Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gemeinsam der Teilung auf der Spur - Europäisches Team in Wien präsentiert Datenbank zur Zellteilungsforschung

08.04.2010
Das im Jahr 2004 gestartete EU-Projekt MitoCheck, geleitet vom Wiener IMP (Institut für Molekulare Pathologie), wurde nun erfolgreich abgeschlossen. Elf europäische Forschungsteams und Unternehmen untersuchten die genetischen Grundlagen der Zellteilung. Die beiden Wissenschaftsjournale Science und Nature teilen sich die Veröffentlichung der Ergebnisse.

Wie aus einer Zelle zwei, aus zweien vier, und schließlich aus wenigen Zellen ein ganzer Organismus entsteht, hat Biologen und Mediziner seit eineinhalb Jahrhunderten interessiert. Seit dieser Zeit weiß man, dass alle Lebewesen aus Zellen aufgebaut sind, die durch wiederholte Teilung entstehen und letztendlich alle aus einer einzigen befruchteten Eizelle hervorgehen. Wie funktioniert das? Der Beantwortung dieser für die Lebenswissenschaften so zentralen Frage sind Biologen um Jan-Michael Peters am IMP jetzt ein wesentliches Stück näher gekommen.

Obwohl man die Zellteilung seit langer Zeit im Mikroskop genau verfolgen kann, war bisher nicht vollständig bekannt, welche Gene dafür verantwortlich sind. Noch weniger wusste man über die Rolle der Proteine, die nach dem Bauplan dieser Gene entstehen. Um diese Lücke zu schließen, schlossen sich vor sechs Jahren elf europäische Forschungsinstitute und Firmen unter der Leitung des IMP zusammen, um systematisch die molekularen Grundlagen der menschlichen Zellteilung zu untersuchen. Die Europäische Union förderte das Projekt "MitoCheck" mit 8,6 Millionen Euro. Die Ergebnisse der konzertierten Forschungsanstrengung werden nun erstmalig veröffentlicht.

Um herauszufinden, welche Gene für die Zellteilung notwendig sind, musste die MitoCheck-Arbeitsgruppe von Jan Ellenberg am EMBL (Europäisches Molekularbiologie Laboratorium, Heidelberg) systematisch Gen für Gen in menschlichen Zellen inaktivieren - insgesamt alle 22 000. Anschließend verfolgten die Forscher im Mikroskop, ob diese Zellen sich weiterhin normal teilten. Die Arbeitsgruppe von Jan-Michael Peters am IMP untersuchte in weiteren Arbeitsschritten, wie die von diesen Genen hergestellten Proteine sich zu kleinen molekularen Maschinen zusammenfügen, die dann verschiedene Schritte der Zellteilung auslösen.

Das Ergebnis dieser internationalen Teamarbeit ist der erste Katalog aller menschlichen Gene, die für die Zellteilung notwendig sind. Gleichzeitig haben die Forscher nun den Bauplan für viele der molekularen Maschinen in der Hand, die die Funktion dieser Gene ausführen. Alle Daten wurden jetzt in Form einer Datenbank des menschlichen Genoms öffentlich zugänglich gemacht (www.mitocheck.org). Gleichzeitig publizierte das MitoCheck-Team die wichtigsten Schlussfolgerungen in den beiden Fachzeitschriften Science und Nature.1) 2)

"Unsere Datenbank wird eine wichtige Informationsquelle für viele Bereiche der bio-medizinischen Forschung sein. Sie ist auch ein hervorragendes Beispiel dafür, dass in der Wissenschaft nur internationale Zusammenarbeit die Lösung schwieriger und ehrgeiziger Aufgaben ermöglicht", sagt Projektkoordinator Jan-Michael Peters. MitoCheck stellt nicht nur einen Meilenstein für das Verständnis der Zellteilung dar, sondern wird auch anderen Disziplinen der Lebenswissenschaften nützen. Die Arbeiten an MitoCheck haben die Entwicklung neuer Technologien, z.B. in der automatisierten Mikroskopie und der Proteomik, entscheidend vorangetrieben.

Langfristig wollen die Forscher die Zellteilung vollständig verstehen und dieses Wissen auch für die Entwicklung wirksamerer Krebsmedikamente nützen. Dazu wird allerdings noch viel Grundlagenarbeit notwendig sein. Der nächste große Schritt in diese Richtung ist bereits getan. Die Europäische Union fördert ein fünfjähriges Nachfolgeprojekt mit dem Namen "MitoSys", das ebenfalls wieder vom IMP koordiniert wird. Das Projekt startet noch in diesem Jahr.

1) Die Arbeit des IMP-Teams "Systematic Characterization of Human Protein Complexes Identifies Chromosome Segregation Proteins" (Hutchins et al.) erscheint am 1. April 2010 in der online-Ausgabe der Zeitschrift Science.

2) Die Arbeit des EMBL-Teams "Phenotypic profiling of the human genome by time-lapse microscopy reveals cell division genes" (Neumann et al.) erscheint am 1. April 2010 in der Zeitschrift Nature.

Kontakt
Mag. Evelyn Missbach MAS
IMP-IMBA Communications
Tel.: +43 1 79730 3626
E-Mail: evelyn.missbach(at)imba.oeaw.ac.at
Dr. Yan Sun
Projet-Koordination
Tel.: +43 1 79730 3254
E-Mail: Yan.sun(at)imp.ac.at
Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Jan-Michael Peters
E-Mail: Jan-Michael.Peters(at)imp.ac.at
Quelle: IMP - Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie GmbH

| IMP
Weitere Informationen:
http://www.mitocheck.org
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht „Science“-Artikel: Bruchstelle verlangsamt Blutzucker-Stoffwechsel
04.08.2020 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Saatguttresor Global Seed Vault startet 100-jähriges Langzeitexperiment mit IPK-Proben
04.08.2020 | Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lastenfahrräder: Leichtbaupotenziale erkennen und nutzen

Lastenräder sind »hipp« und ein Symbol für klimafreundliche Mobilität, tagtäglich begegnen wir ihnen. Straßen und Radwege müssen an diese neue Fahrzeugkategorie angepasst werden. Aber nicht nur die Infrastruktur kann optimiert werden, Lastenräder selbst bieten noch reichlich Potenzial. Im neu gestarteten Projekt »LastenLeichtBauFahrrad« (L-LBF) suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF zusätzliche Leichtbaupotenziale dieser urbanen Vehikel. Über die Fortschritte des Projekts informiert eine eigene Webseite unter www.lbf.fraunhofer.de/L-LBF 

Form und Design von Lastenfahrrädern variieren von schnittig schick bis kastig oder tonnig. Sie stellen das neue Statussymbol der »mittleren Generation« dar....

Im Focus: AI & single-cell genomics

New software predicts cell fate

Traditional single-cell sequencing methods help to reveal insights about cellular differences and functions - but they do this with static snapshots only...

Im Focus: Künstliche Intelligenz & Einzelzellgenomik: Neue Software sagt das Schicksal einer Zelle vorher

Die Erforschung der Zelldynamik ermöglicht einen tieferen Einblick in die Entstehung und Entwicklung von Zellen sowie ein besseres Verständnis von Krankheitsverläufen. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM) haben „scVelo“ entwickelt – eine auf maschinellem Lernen basierende Methode und Open-Source-Software, welche die Dynamik der Genaktivität in einzelnen Zellen prognostizieren kann. Damit können die Forscher den künftigen Zustand einzelner Zellen vorhersagen.

Herkömmliche Verfahren für die Einzelzellsequenzierung erlauben es, Erkenntnisse über Unterschiede und Funktionen auf zellulärer Ebene zu gewinnen - allerdings...

Im Focus: Perseiden: Die Sternschnuppen-Sommernächte im August

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg -In diesem Jahr wird der Sternschnuppenstrom der Perseiden am Vormittag des 12. August seinen Höhepunkt erreichen. In den Nächten vom 11. auf den 12. und vom 12. auf den 13. August geht der Mond nach Mitternacht auf, so dass die späten Abendstunden nicht vom Mondlicht aufgehellt werden - ideal um nach den Perseiden Ausschau zu halten. Man blickt dazu in Richtung Osten, wo das Sternbild Perseus aufgeht, nach dem diese Sternschnuppen benannt wurden.

Der Hochsommer ist die Zeit der Sternschnuppen: Schon ab Mitte bis Ende Juli tauchen die ersten Sternschnuppen der Perseiden am Himmel auf, die aus dem dem...

Im Focus: Mit dem Lego-Prinzip gegen das Virus

HZDR-Wissenschaftler*innen erhalten millionenschwere Förderung für Corona-Forschung

Um die Corona-Pandemie zu bewältigen, stattet der Freistaat Sachsen ein Forschungsteam um Prof. Michael Bachmann vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

Städte als zukünftige Orte der Nahrungsmittelproduktion?

29.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

„Science“-Artikel: Bruchstelle verlangsamt Blutzucker-Stoffwechsel

04.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Fraunhofer IPT und Partner setzen Standards für Augmented-Reality-Anwendungen in der Produktion

04.08.2020 | Informationstechnologie

Saatguttresor Global Seed Vault startet 100-jähriges Langzeitexperiment mit IPK-Proben

04.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics