Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gedankenlesen leicht gemacht

05.03.2010
Wer eine Entscheidung trifft, verrät sich durch die Erweiterung seiner Pupillen. Das haben Neurowissenschaftler aus Marburg, Australien und den USA herausgefunden.

Sie konnten aus der Pupillenausdehnung mit großer Sicherheit bestimmen, welche Entscheidung eine Versuchsperson getroffen hat, der nacheinander eine Reihe von Zahlen zur Auswahl geboten wurde. Die Forscher um den Marburger Neurophysiker Dr. Wolfgang Einhäuser-Treyer veröffentlichten ihre Ergebnisse in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Frontiers in Human Neuroscience".

Ob beim Flirten an der Bar oder beim Pokerspiel - oftmals entscheidet das richtige Timing über unseren Erfolg. Dabei gilt es als vorteilhaft, die eigenen Entscheidungen zu verbergen. Die Autoren des vorliegenden Aufsatzes untersuchten, ob der Pupillenreflex einen Einblick in Entscheidungsprozesse ermöglicht, bevor diese aus freien Stücken offenbart werden. "Die Pupille allein erlaubt dabei Vorhersagen in ähnlicher Qualität, wie sie mit ungleich größerem Aufwand durch Kernspintomographen erzielt werden", erläutert Erstautor Einhäuser-Treyer von der Philipps-Universität.

Die Vergrößerung und Verkleinerung der Pupillen steuert den Lichteinfall ins Auge. Das kann aufgrund von Änderungen der Lichtverhältnisse geschehen, aber auch bei konstanter Beleuchtung zum Beispiel als Schreckreaktion. Der Reflex ist mit der Ausschüttung des Hormons Noradrenalin verbunden, das bei Tieren auch im Zusammenhang mit Entscheidungsprozessen und Gedächtnisleistungen steht. Ausgangspunkt der aktuellen Studie war die Frage, ob ähnliche Prozesse für kognitive Entscheidungen wichtig sind. Dabei wurde die Pupillenerweiterung als Maß für die Noradrenalin-Ausschüttung verwendet.

In einem der berichteten Experimente wurden die Probanden gebeten, zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb von zehn Sekunden einen Schalter zu betätigen. In weiteren Versuchsreihen wurden nacheinander fünf Zahlen präsentiert, von denen eine ausgewählt werden sollte, ohne das Ergebnis bekannt zu geben. In allen Fällen waren die Wissenschaftler in der Lage, allein aus der Pupillenerweiterung vorherzusagen, wann der Schalter gedrückt wurde oder auf welche Zahl die Entscheidung fiel. "Unsere Befunde legen den Schluss nahe, dass verborgenen und offenen Entscheidungen ähnliche Mechanismen zugrunde liegen", resümieren die Autoren.

Originalpublikation: Wolfgang Einhäuser, Christof Koch & Olivia L. Carter: Pupil dilation betrays the timing of decisions. Frontiers in Human Neuroscience 4 (2010), 1-9, doi: 10.3389/fnhum.2010.00018

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Professor Dr. Wolfgang Einhäuser-Treyer,
Arbeitsgruppe Neurophysik
Tel. (Sekretariat): 06421 28-24160
E-Mail: wet@physik.uni-marburg.de

Johannes Scholten | idw
Weitere Informationen:
http://www.physik.uni-marburg.de
http://www.physik.uni-marburg.de/de/forschung/neurophysik/gruppe-einhaeuser.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einheitliche Qualitätsstandards für die Virenforschung
18.12.2018 | Universität Wien

nachricht Notsignal im Zellkern – neuartiger Mechanismus der Zellzykluskontrolle
18.12.2018 | Universitätsmedizin Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Bakterien ein Antibiotikum ausschalten

Forscher des HZI und HIPS haben entdeckt, dass resistente Bakterien den Wirkstoff Albicidin mithilfe eines massenhaft gebildeten Proteins einfangen und inaktivieren

Gegen die immer häufiger auftauchenden multiresistenten Keime verlieren gängige Antibiotika zunehmend ihre Wirkung. Viele Bakterien haben natürlicherweise...

Im Focus: How bacteria turn off an antibiotic

Researchers from the HZI and the HIPS discovered that resistant bacteria scavenge and inactivate the agent albicidin using a protein, which they produce in large amounts

Many common antibiotics are increasingly losing their effectiveness against multi-resistant pathogens, which are becoming ever more prevalent. Bacteria use...

Im Focus: Wenn sich Atome zu nahe kommen

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ - dieses Faust’sche Streben ist durch die Rasterkraftmikroskopie möglich geworden. Bei dieser Mikroskopiemethode wird eine Oberfläche durch mechanisches Abtasten abgebildet. Der Abtastsensor besteht aus einem Federbalken mit einer atomar scharfen Spitze. Der Federbalken wird in eine Schwingung mit konstanter Amplitude versetzt und Frequenzänderungen der Schwingung erlauben es, kleinste Kräfte im Piko-Newtonbereich zu messen. Ein Newton beträgt zum Beispiel die Gewichtskraft einer Tafel Schokolade, und ein Piko-Newton ist ein Millionstel eines Millionstels eines Newtons.

Da die Kräfte nicht direkt gemessen werden können, sondern durch die sogenannte Kraftspektroskopie über den Umweg einer Frequenzverschiebung bestimmt werden,...

Im Focus: Datenspeicherung mit einzelnen Molekülen

Forschende der Universität Basel berichten von einer neuen Methode, bei der sich der Aggregatzustand weniger Atome oder Moleküle innerhalb eines Netzwerks gezielt steuern lässt. Sie basiert auf der spontanen Selbstorganisation von Molekülen zu ausgedehnten Netzwerken mit Poren von etwa einem Nanometer Grösse. Im Wissenschaftsmagazin «small» berichten die Physikerinnen und Physiker von den Untersuchungen, die für die Entwicklung neuer Speichermedien von besonderer Bedeutung sein können.

Weltweit laufen Bestrebungen, Datenspeicher immer weiter zu verkleinern, um so auf kleinstem Raum eine möglichst hohe Speicherkapazität zu erreichen. Bei fast...

Im Focus: Data storage using individual molecules

Researchers from the University of Basel have reported a new method that allows the physical state of just a few atoms or molecules within a network to be controlled. It is based on the spontaneous self-organization of molecules into extensive networks with pores about one nanometer in size. In the journal ‘small’, the physicists reported on their investigations, which could be of particular importance for the development of new storage devices.

Around the world, researchers are attempting to shrink data storage devices to achieve as large a storage capacity in as small a space as possible. In almost...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie Bakterien ein Antibiotikum ausschalten

18.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Kleinstsatellit UWE-4 auf dem Weg in den Orbit

18.12.2018 | Informationstechnologie

Wenn Fische flüssig werden

18.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics