Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gallenblasenkrebs: Pharmazeutin entdeckt Protein, das Tumor wachsen lässt – neuer Therapieansatz

27.09.2017

Patienten mit Gallenblasenkrebs haben lange Zeit wenig bis keine Beschwerden. Daher wird dieser Tumor meist spät erkannt – nicht selten zu spät für eine Therapie. Die Pharmazeutin Sonja Keßler aus der Arbeitsgruppe von Professor Alexandra Kiemer an der Universität des Saarlandes hat zusammen mit Pathologen der Universität Magdeburg einen neuen Weg gefunden, der zu einer früheren Diagnose und zu einer verbesserten Therapie der Krankheit führen kann: Die Forscherin hat ein Protein entdeckt, das mit dem Tumorwachstum in Verbindung steht und als so genannter prognostischer Marker Rückschlüsse zulässt, wie die Krebserkrankung verlaufen wird.

Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Oncotarget“.
DOI: 10.18632/oncotarget.21116

Normalerweise spielen die drei Proteine, die die Pharmazeutin Sonja Keßler für ihre Forschung ins Visier genommen hat, nur beim Embryo im Mutterleib eine Rolle. Sie tragen dazu bei, dass das ungeborene Kind schnell wächst und gedeiht. Später kommen sie für gewöhnlich nicht mehr zum Einsatz.


Die Pharmazeutin Dr. Sonja Keßler von der Universität des Saarlandes hat ein Protein entdeckt, das mit dem Tumorwachstum von Gallenblasenkrebs in Verbindung steht.

Foto: Ehrlich

„Nach der Geburt werden diese Proteine gleichsam abgeschaltet, sie werden nicht mehr vom Bauplan abgeschrieben“, erklärt Sonja Keßler, die promovierte Diplom-Pharmazeutin und Apothekerin arbeitet an ihrer Habilitation bei Professor Alexandra Kiemer an der Universität des Saarlandes.

Doch die Proteine mit den schlichten Namen IMP1 bis 3 können wieder angeschaltet werden. Und in diesem Fall können sie viel Schaden anrichten. Vor allem eines der Proteine, das so genannte IMP2, fällt hier unangenehm auf: „Dieses Protein fördert die Zellteilung und die Vervielfältigung von Zellen und trägt so zum Wachstum von Tumoren bei“, erläutert Keßler.

Der Pharmazeutin ist es jetzt gelungen, die Protein-Gruppe auch im Gallenblasenkrebs zu überführen. „Wir konnten die Proteine in zahlreichen Gewebeproben von Gallenblasenkrebs-Patienten nachweisen. Außerdem konnten wir zeigen, dass der Tumor schneller wächst, wenn die Zellen viel an Protein IMP2 enthalten. Auch die Prognose für den Patienten fällt in diesem Fall schlechter aus“, erklärt die Forscherin.

Dieses Ergebnis der Grundlagenforschung könnte künftig dazu beitragen, die Therapie des Gallenblasenkrebses zu verbessern. „Bei diesem Tumor gab es bislang sehr wenige prognostische Marker“, sagt Keßler. Prognostische Marker sind Stoffe, die in Blut- oder Gewebeproben darauf hindeuten, dass ein bösartiger Krebs voraussichtlich schlecht verlaufen wird.

Die Therapie kann in diesem Fall gezielt auf den Patienten zugeschnitten und damit die Aussichten verbessert werden. Mit IMP2 steht jetzt für den Gallenblasenkrebs ein aussagekräftiger prognostischer Marker zur Verfügung. Auch kann das Forschungsergebnis die Basis für neue wirksame Medikamente sein: Ist das beteiligte Protein erst einmal identifiziert, kann gezielt nach Methoden geforscht werden, um die schädlichen Vorgänge, die es in Gang setzt oder beeinflusst, auszubremsen oder ganz zu verhindern.

Bei ihrer Forschung arbeitete Sonja Keßler mit dem Magdeburger Pathologen Professor Johannes Haybäck zusammen: Haybäck hat die weltweit größte Sammlung an Gewebeproben von fast 500 Gallenblasenkrebs-Patienten aufgebaut.

Mithilfe dieser Gewebebank konnte die Saarbrücker Pharmazeutin mit IMP2 erstmals einen vollkommen neuen Beteiligten am Gallenblasenkrebs identifizieren. Bei ihren Experimenten hat sie die IMP-Proteine in den Gewebeproben mit Hilfe von markierten Antikörpern sichtbar gemacht und analysiert.

Pressefotos für den kostenlosen Gebrauch unter: http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Kontakt: Dr. Sonja M. Keßler (Pharmazeutische Biologie):
Tel.: (0681) 302-57314; E-Mail: s.kessler@mx.uni-saarland.de
Prof. Dr. Alexandra K. Kiemer (Pharmazeutische Biologie)
Tel.: 0681 302-57311 oder -57322; E-Mail: pharm.bio.kiemer@mx.uni-saarland.de

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Telefoninterviews in Studioqualität möglich über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-64091 oder -2601).

Weitere Informationen:

http://www.impactjournals.com/oncotarget/index.php?journal=oncotarget&page=a... "IMP2/IGF2BP2 expression, but not IMP1 and IMP3, predicts poor outcome in patients and high tumor growth rate in xenograft models of gallbladder cancer" DOI: 10.18632/oncotarget.21116

Claudia Ehrlich | Universität des Saarlandes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen
20.07.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Erwiesen: Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten
20.07.2018 | Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics