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Forschung zur mikrobiellen Bioelektrotechnologie wird in Leipzig etabliert

13.09.2012
Das Forschungsportfolio am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) wird um die mikrobielle Bioelektrotechnologie erweitert.
Ab November wird Dr. Falk Harnisch (momentan TU Braunschweig) dazu mit Förderung der Helmholtz-Gemeinschaft eine neue Nachwuchsgruppe aufbauen. Ziel der Forschungsaktivitäten ist es, elektrochemische und mikrobiologische Prozesse zur nachhaltigen Erzeugung von wertvollen Grund- und Feinchemikalien zu verbinden.

Diese stark interdisziplinären Forschungsaktivitäten werden dabei weiterhin durch einen der zwei Forschungspreise des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt, welcher Dr. Harnisch kürzlich im Rahmen des Strategieprozesses "Nächste Generation biotechnologischer Verfahren – Biotechnologie 2020+" verliehen wurde.

Die Bewerbung um den Forschungspreis des BMBF erfolgte dabei in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Hauke Harms, dem Leiter des UFZ-Departments Umweltmikrobiologie. Ziel der beiden Wissenschaftler ist die Erforschung und Entwicklung von Prozessen der mikrobiellen Bioelektrotechnologie – einer Weiterentwicklung von mikrobiellen Brennstoffzellen und potenziellen zukünftigen Plattformtechnologie.

Im Mittelpunkt des Vorhabens stehen dabei die Synthese und Veredlung von Grund- und Feinchemikalien durch mikrobiell bioelektrokatalytische Prozesse. Dr. Harnisch wird ab 01. November 2012 die bis zu fünfköpfige Forschergruppe leiten, die im UFZ-Department Umweltmikrobiologie angesiedelt wird. Die eingeworbenen Drittmittel seitens des BMBF betragen dabei 1,8 Millionen Euro für fünf Jahre.

Dazu kommen jetzt von der Helmholtz-Gemeinschaft weitere Fördermittel für fünf Jahre und die Option auf eine unbefristete Anstellung, die jungen Talenten den Einstieg in die wissenschaftliche Karriere erleichtern soll. Dr. Falk Harnisch wird daher eine mit insgesamt etwa drei Millionen Euro ausgestattete Nachwuchsgruppe am UFZ leiten. Dabei sollen seine Forschungen die Expertise am UFZ sowohl im Bereich der Biotechnologie als auch auf anderen Forschungsfeldern stärken – beispielsweise dem Verständnis mikrobieller Gemeinschaften in natürlichen biogeochemischen Kreisläufen.

„Spitzenforschung ist ein globaler Wettbewerb um die besten Köpfe. Wie attraktiv eine Forschungseinrichtung für exzellenten Nachwuchs ist, hängt ganz stark davon ab, wie früh ihnen wissenschaftliche Selbstständigkeit und Verantwortung übertragen werden“, erklärt Prof. Georg Teutsch, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. „Für das UFZ ist der Nachwuchs sehr wichtig.

Deswegen haben wir neben den bereits existierenden 250 Doktorandenstellen jetzt noch weitere 50 Stellen geschaffen. Die Nachwuchsgruppen der Helmholtz-Gemeinschaft ermöglichen uns, nicht nur exzellente Forscher hierher zu holen, sondern auch die Kooperationen mit den Universitäten zu stärken.“ Die neue Nachwuchsgruppe um Dr. Falk Harnisch wird bereits die fünfte Helmholtz-Nachwuchsgruppe am UFZ werden. Vorgesehen ist, die neue Nachwuchsgruppe an der Universität Leipzig anzubinden.

In einem strengen Wettbewerbsverfahren hatte die Helmholtz-Gemeinschaft im September insgesamt 14 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ausgewählt, die nun an verschiedenen Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft ihre eigene Forschungsgruppe aufbauen können und dazu fünf Jahre lang bis zu 250 000 Euro erhalten. Mit dem Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe bietet die Helmholtz-Gemeinschaft jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hervorragende Karriereaussichten in der Forschung, betont Prof. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.

„Gerade in der Lebensphase zwischen 30 und 40 Jahren ist es wichtig, die Weichen für die berufliche Zukunft in der Wissenschaft zu stellen“, so Mlynek. Die Leiterinnen oder Leiter einer Helmholtz-Nachwuchsgruppe können selbstständig forschen, ihre Ideen realisieren und profitieren von den sehr guten Arbeitsbedingungen und der Ausstattung in einem Helmholtz-Zentrum.

Die 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich in einem mehrstufigen Wettbewerbsverfahren mit externen Fachbegutachtungen und Präsentationen vor einer interdisziplinären Jury durchgesetzt. Nach drei bis vier Jahren werden alle Gruppen einer Zwischenevaluation unterzogen. Fällt diese positiv aus, geht die Stelle in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis über, dem sogenannten „Tenure Track“. Darüber hinaus verstärkt das Programm die Vernetzung zwischen Helmholtz-Zentren und Partnerhochschulen. Die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen an einem Helmholtz-Zentrum und halten Vorlesungen oder Seminare an der Partnerhochschule. Damit qualifizieren sie sich für eine Universitätskarriere. Entsprechend werden auch gemeinsame Berufungen auf eine Juniorprofessur unterstützt.

Insgesamt hatten sich 244 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland bei den Helmholtz-Zentren beworben, etwa ein Drittel der Bewerbungen wurde von Frauen eingereicht. In der Endrunde des harten Wettbewerbs konnten 7 Frauen und 7 Männer die international und interdisziplinär besetzte Jury von ihrem Forschungsvorhaben sowie ihrer Eignung zur Leitung einer Nachwuchsgruppe überzeugen. Mittlerweile beträgt der Frauenanteil unter den Gruppenleitern seit dem Beginn des Programms 2003 etwa 34 Prozent. Mit der diesjährigen Wahl hat die Helmholtz-Gemeinschaft in bislang 10 Auswahlrunden insgesamt 164 Nachwuchsgruppen ermöglicht. Die Kosten werden zur Hälfte aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds gedeckt, den die Helmholtz-Gemeinschaft eingerichtet hat, um strategische Vorhaben rasch und flexibel umsetzen zu können. Dazu zählen das Aufgreifen neuer Themen, der Ausbau der Vernetzung im Wissenschaftssystem sowie Maßnahmen zur Nachwuchsförderung. Zur anderen Hälfte werden die Nachwuchsgruppen von den Helmholtz-Zentren finanziert. Damit können die Nachwuchsgruppenleiter neben ihrer eigenen Stelle in der Regel drei bis vier Mitarbeiter sowie eine Laborausstattung finanzieren.
Janine Tychsen/ Tilo Arnhold

Weitere fachliche Informationen:
Prof. Dr. Hauke Harms
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Leipzig
Telefon: 0341-235-1260
http://www.ufz.de/index.php?de=13566
und
Dr. Falk Harnisch
TU Braunschweig
Telefon: 0531-391-8428
https://www.tu-braunschweig.de/oekochemie/akschroeder/team/harnisch
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Weiterführende Links:
Helmholtz-Nachwuchsgruppen
http://www.helmholtz.de/index.php?id=2013

BMBF-Strategieprozess "Nächste Generation biotechnologischer Verfahren - Biotechnologie2020+"
http://www.bmbf.de/de/15002.php

UFZ-Umweltmikobiologie:
http://www.ufz.de/index.php?de=1443

Fortschritte bei der Nutzung von Mikroorganismen für die Erzeugung von elektrischer Energie:
http://presse.rz.tu-bs.de/presseinformationen/?p=1140
http://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article13903052/Bakterien
-produzieren-in-Klaeranlagen-Strom.html

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 33.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

http://www.helmholtz.de

Tilo Arnhold | UFZ News
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=30828

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