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Fledermäuse tanken gemischten Treibstoff

20.06.2012
Zugfledermäuse verbrennen zu gleichen Teilen Energie aus ihren Fettreserven und aus der Nahrung. Das berichten Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in den Proceedings of the Royal Society of London.

Singvögel, die nachts wandern, wie die Mönchsgrasmücken, benutzen ausschließlich ihre Fettreserven als Treibstoff. Dies ist für sie die einzige Möglichkeit Energie zu gewinnen, denn in der Dunkelheit Insekten jagen können sie nicht. Säugetiere sind jedoch nicht in der Lage, eine hohe Stoffwechselrate zu hundert Prozent durch Fettverbrennung zu befeuern - sonst wäre das Problem der Fettleibigkeit dem Menschen unbekannt.

Die Forscher um Christian Voigt wollten deshalb wissen, wie wandernde Fledermäuse die Energie für ihren anstrengenden Flug gewinnen. Sie fingen dazu Rauhautfledermäuse während ihres Zugs aus dem Baltikum in den Süden und sammelten Atemproben. In diesen bestimmten sie das Stabilisotopenverhältnis des Kohlendioxids. Bei einer reinen Fettverbrennung enthält der Atem weniger Kohlenstoff 13 (13C). Befeuert ein Tier seinen Stoffwechsel hingegen nur von der gerade gefressenen Nahrung, ist der Atem verstärkt mit 13C angereichert. Die Forscher fanden heraus, dass Rauhautfledermäuse unmittelbar nach dem Fangen mittlere Werte hatten, was darauf hindeutet, dass die Tiere sowohl Fett als auch aufgenommene Nahrung, also Insekten, als Treibstoff verbrennen.

Insofern verwenden Fledermäuse einen gemischten Treibstoff, ähnlich dem E10 für unsere Autos. Die Tiere müssen vermutlich ihre Fettreserven schonen, weil sie das Fett noch für die Überwinterung benötigen – im Gegensatz zu Zugvögeln, die sich in ihrem Winterquartier wieder Fett anfressen können. Die Fähigkeit zur Überwinterung ist wiederum der Grund dafür, dass Fledermäuse nicht so weit in den Süden fliegen müssen, wie etwa viele Singvögel. Sie können in etwas gemäßigteren Breiten wie zum Beispiel Frankreich überwintern, jedoch nicht in ihren Sommerlebensräumen. Dort würden ihre Baumquartiere zu stark durchfrieren. Aus diesem Grund wandern auch bevorzugt Baumhöhlen bewohnende Fledermäuse in den Süden.
Originalarbeit:
doi:10.1098/rspb.2012.0902 1471-2954

Kontakt:
Dr. Christian Voigt (Wissenschaftler)
voigt@izw-berlin.de
Telefon 0049 (0)30 51 26 517
Steven Seet (Pressesprecher)
seet@izw-berlin.de
Telefon 0049 (0)30 51 68 108

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin
GERMANY

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de

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