Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fledermäuse passen ihre Echoortungslaute an Lärm an

23.12.2015

Fledermäuse orientieren sich im Flug akustisch durch Echoortungslaute und nutzen diese auch meistens zur Nahrungssuche. Wie die Tiere mit Beeinträchtigungen durch Umgebungslärm umgehen, fand nun ein Team von Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie Seewiesen und der Ludwig-Maximilians-Universität München heraus. Sie analysierten tausende von Echoortungsrufen unter verschiedenen, natürlichen Lärmbedingungen und zeigten, dass die Fledermäuse sowohl die Lautstärke ihrer Rufe wie auch deren Dauer an den Lärmpegel anpassen. Obwohl jedes Individuum dabei ein bisschen anders reagierte, verbessern alle Mechanismen die Erkennbarkeit des Signals.

Alle Fledermäuse nehmen ihre Umgebung durch Ultraschalllaute wahr, die sie aussenden und deren Echos sie auswerten. Viele Fledermäuse nutzen diese Laute auch zur Nahrungssuche, zum Beispiel solche, die Insekten im Flug jagen. Stark akustisch orientierte Tiere wie Fledermäuse brauchen also Mechanismen, um ihre Vokalisation auf Umgebungslärm anzupassen.


Die Kleine Lanzennase (Phyllostomus discolor) passt ihre Echoortungslaute an Umbebungslärm an

Pietro d' Amelio

Eine bereits recht gut untersuchte Form der lärmabhängigen Anpassung von akustischen Signalen ist der so genannte Lombard-Effekt: Als Antwort auf erhöhten Umgebungslärm wird die Lautstärke des Signals entsprechend angehoben. Dieser Grundeffekt zur Aufrechterhaltung von Kommunikation ist für Vögel und Säugetiere bekannt, einschließlich des Menschen.

Ein Team von Wissenschaftler aus Seewiesen unter Leitung von Lutz Wiegrebe von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München hat nun zum ersten Mal bei Fledermäusen Signallautstärke, Signaldauer und Signalwiederholung unter verschiedenen, kontrollierten Lärmbedingungen ausgewertet.

Die Wissenschaftler spielten der Kleinen Lanzennase (Phyllostomus discolor) Umgebungslärm in drei Frequenzbereichen in unterschiedlicher Lautstärke vor (28, 40 und 52 dB SPL) und nahmen dabei die Echoortungssignale der Tiere auf. Diese werteten sie anschließend mathematisch aus, um die akustische Wahrnehmung der Tiere zu verstehen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass auch bei den Fledermäusen der wichtigste und stärkste Mechanismus zur Kompensation von Lärm die Lautstärke des Signals ist: Alle Tiere riefen lauter mit Lärm, und zwar um bis zu 8 dB. Die Dauer der Laute nahm zwischen 13 und 85 Prozent zu, dies führt laut den Wissenschaftlern ebenfalls zu einer besseren Erkennbarkeit des Signals um aber nur maximal 5 dB.

Ein weiterer Mechanismus der Lärmkompensation, den die Wissenschaftler unter bestimmten Lärmbedingungen gefunden haben, ist die Bildung von Lautgruppen. Damit könnte die Wahrscheinlichkeit steigen, durch das mehrmals hintereinander zeitnahe Hinhören den Informationsgehalt und damit die Erkennbarkeit des Signals zu verbessern. Die Wissenschaftler errechneten, dass dies bis zu 4 dB ausmachen kann.

„Wir fanden bei gleichen Lärmbedingungen Unterschiede in der Signallautstärke zwischen den Individuen von knapp zwei bis acht dB. Ebenso deutlich variierte die Veränderung der Rufdauer,“ zeigte sich Holger Holger Goerlitz, Forschungsgruppenleiter in Seewiesen überrascht. Entscheidend war, dass diese unterschiedlichen Reaktionen der Individuen jedoch in der Summe zum selben Ergebnis führten: „Das Gehör wertet verschiedene Signalparameter, wie zum Beispiel Lautstärke und Lautdauer, aus, um Signale zu erkennen“, sagt Lutz Wiegrebe von der LMU München. Obwohl die Parameter unterschiedlich sind, erhöhen sie in der Summe alle die Erkennbarkeit der Signale und unterstützen somit die Signalwahrnemung in Umgebungslärm.

Kontakt:
Dr. Holger Goerlitz
Max-Planck-Institut für Ornithologie Seewiesen
Forschungsgruppe Akustische und Funktionelle Ökologie
Tel.: +49 (0)8157 932-372
E-Mail: hgoerlitz@orn.mpg.de

Prof. Dr. Lutz Wiegrebe
Ludwig-Maximilians-Universität München
Neurobiologie, Abteilung Biologie II
Tel.: +49 (0)89 2180-74314
E-Mail: lutzw@lmu.de

Weitere Informationen:

http://www.nature.com/articles/srep18556

Dr. Sabine Spehn | Max-Planck-Institut für Ornithologie
Weitere Informationen:
http://www.orn.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Erste SARS-CoV-2-Genome aus Österreich veröffentlicht
03.04.2020 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

nachricht Die Mimik der Mäuse
03.04.2020 | Max-Planck-Institut für Neurobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Den Regen für Hydrovoltaik nutzen

Wassertropfen, die auf Oberflächen fallen oder über sie gleiten, können Spuren elektrischer Ladung hinterlassen, so dass sich die Tropfen selbst aufladen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben dieses Phänomen, das uns auch in unserem Alltag begleitet, nun detailliert untersucht. Sie entwickelten eine Methode zur Quantifizierung der Ladungserzeugung und entwickelten zusätzlich ein theoretisches Modell zum besseren Verständnis. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der beobachtete Effekt eine Möglichkeit zur Energieerzeugung und ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Reibungselektrizität sein.

Wassertropfen, die über nicht leitende Oberflächen gleiten, sind überall in unserem Leben zu finden: Vom Tropfen einer Kaffeemaschine über eine Dusche bis hin...

Im Focus: Harnessing the rain for hydrovoltaics

Drops of water falling on or sliding over surfaces may leave behind traces of electrical charge, causing the drops to charge themselves. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz have now begun a detailed investigation into this phenomenon that accompanies us in every-day life. They developed a method to quantify the charge generation and additionally created a theoretical model to aid understanding. According to the scientists, the observed effect could be a source of generated power and an important building block for understanding frictional electricity.

Water drops sliding over non-conducting surfaces can be found everywhere in our lives: From the dripping of a coffee machine, to a rinse in the shower, to an...

Im Focus: Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

Verschränkte Lichtteilchen lassen sich nutzen, um Bildgebungs- und Messverfahren zu verbessern. Ein Forscherteam am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena hat eine Quantenimaging-Lösung entwickelt, die in extremen Spektralbereichen und mit weniger Licht genaueste Einblicke in Gewebeproben ermöglichen kann.

Optische Analyseverfahren wie Mikroskopie und Spektroskopie sind in sichtbaren Wellenlängenbereichen schon äußerst effizient. Doch im Infrarot- oder...

Im Focus: Sensationsfund: Spuren eines Regenwaldes in der Westantarktis

90 Millionen Jahre alter Waldboden belegt unerwartet warmes Südpol-Klima in der Kreidezeit

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Geowissenschaftlern des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)...

Im Focus: A sensational discovery: Traces of rainforests in West Antarctica

90 million-year-old forest soil provides unexpected evidence for exceptionally warm climate near the South Pole in the Cretaceous

An international team of researchers led by geoscientists from the Alfred Wegener Institute, Helmholtz Centre for Polar and Marine Research (AWI) have now...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

Europäischer Rheumatologenkongress EULAR 2020 wird zum Online-Kongress

30.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste SARS-CoV-2-Genome aus Österreich veröffentlicht

03.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Projekt »Lade-PV« gestartet: Fahrzeugintegrierte PV für Elektro-Nutzfahrzeuge

03.04.2020 | Energie und Elektrotechnik

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics