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Fische scheuen kein Blitzlichtgewitter

16.10.2018

Fische können - ähnlich wie Säugetiere und Menschen - Stress empfinden. Sie schütten dann die Hormone Adrenalin und Cortisol aus. Ob das Fotografieren mit Blitz im Aquarium bei Fischen zum Anstieg des Cortisolspiegels führt, hat ein Wissenschaftlerteam unter Leitung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) untersucht. Die gute Nachricht: Den Schmetterlingsbuntbarsch können Sie gerne knipsen.

„Fotografieren mit Blitz erlaubt!“ könnte es zukünftig an einigen Becken in Schauaquarien heißen, denn für manche Fische bedeutet das gleißende Licht eines Kamera-Blitzes kein Stress. IGB-Forscher Klaus Knopf hat zusammen mit Kollegen der Universität Girona in Spanien und des SEA LIFE Berlin die Reaktion des Südamerikanischen Schmetterlingsbuntbarsches (Mikrogeophagus ramirezi) auf regelmäßiges Kamera-Blitzlicht über 14 Tage untersucht.


Der Schmetterlingsbuntbarsch: farbenfroh und nicht kamerascheu.

shutterstock


SEA LIFE Berlin

Regina Sablotny

Die Forscher bestimmten unter anderem das Stresshormon Cortisol der Fische. „ Fische sind in Bezug auf die Stressreaktion den Säugetieren und uns Menschen sehr ähnlich. Wird eine stressige Situation erlebt, steigt zuerst binnen Sekunden der Adrenalinspiegel im Blut. Nach einigen Minuten wird dann Cortisol ausgeschüttet“, so Klaus Knopf.

Beide Hormone unterstützen zunächst verschiedene Anpassungsmaßnahmen des Körpers: die Herzfrequenz steigt, Muskeln und lebenswichtige Organe werden besser durchblutet. Wirkt der sogenannte Stressor weiter, kann die andauernde Alarmbereitschaft negative Folgen beispielsweise für die Fortpflanzung, das Wachstum und die Immunfunktionen haben.

„Unsere Arbeitsgruppe am IGB erforscht, wie Stress in der Fischzucht und Fischhaltung vermieden werden kann – ein wichtiger Baustein der Krankheitsprophylaxe“, erklärt Knopf.

Mitarbeitende von Schauaquarien und auch die Besucherinnen und Besucher befürchten häufig, dass Blitzlicht die Fische stört und stresst. Die Ergebnisse des Forschungsteams zeigen jedoch für den Schmetterlingsbuntbarsch genau das Gegenteil: Die Werte für Cortisol und Glucose (ein weiterer Stressparameter) waren bei den „geblitzten“ Tieren sogar niedriger als bei den „ungeblitzten“ Fischen der Kontrollgruppe. Die Forscher beobachteten während der Versuchsdauer auch das Verhalten der Tiere.

Die „geblitzten“ Fische zeigten weniger aggressives Verhalten in Form von lateralen Attacken und Maulkontakt als die „ungeblitzten“. „Der Kamera-Blitz scheint die Tiere lediglich etwas abzulenken, aber nicht negativ zu beeinflussen. Dieses Ergebnis lässt sich aber nicht unbedingt auf alle Fischarten übertragen“, so Knopf.

Denn die verschiedenen Fischarten besiedeln Lebensräume mit ganz unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Andere Spezies könnten eine andere Reaktion auf grelle Lichtblitze zeigen als der Schmetterlingsbuntbarsch. Einige Wassertiere, wie beispielsweise der Oktopus, reagieren schreckhaft auf Blitzlicht. Vorerst wird sich bei SEA LIFE Berlin an der Foto-Beschränkung nichts ändern:

„Bisher haben wir unsere Besucherinnen und Besucher gebeten, die Fische in den Aquarien nicht mit Blitz zu fotografieren. Dennoch kommt dies immer wieder vor und dann ist es beruhigend zu wissen, dass es für die Tiere nicht unbedingt Stress bedeutet “, so Martin Hansel von SEA LIFE Berlin.

Über das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB):
Das Leibniz-IGB ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements.

Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten angesichts sich rasch ändernder Umweltbedingungen, die Renaturierung von Ökosystemen, die Biodiversität aquatischer Lebensräume sowie Technologien für eine ressourcenschonende Aquakultur.

Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin-Brandenburg und weltweit. Das Leibniz-IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. www.igb-berlin.de/

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Klaus Knopf
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
klaus.knopf@igb-berlin.de
+49 (0)30 64181 637

Originalpublikation:

K. Knopf; K. Buschmann; M. Hansel; J. Radinger; W. Kloas: Flash photography does not induce stress in the Ram cichlid Mikrogeophagus ramirezi (Myers &Harry, 1948) in aquaria. Journal of Applied Ichthyology. - 34(2018)4, S. 922-928
https://doi.org/10.1111/jai.13673

Weitere Informationen:

http://www.igb-berlin.de

Nadja Neumann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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