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Erstmals winterschlafende Primatenart außerhalb Madagaskars entdeckt

04.12.2015

Drei Lemurenarten auf Madagaskar waren bislang die einzig bekannten Primaten, die Winterschlaf halten. Forschende der Vetmeduni Vienna zeigten nun erstmals, dass eine in Vietnam, Kambodscha, Laos und China lebende Primatenart, die sogenannten Zwergloris, ebenso den Winterschlaf nutzen, um Energie zu sparen. Die Ergebnisse werden diese Woche in Scientific Reports veröffentlicht.

Winterschlaf ist ein Zustand der Energieeinsparung, bei dem die Körpertemperatur und die Stoffwechselrate drastisch sinken. Hält dieser Zustand länger als 24 Stunden an, spricht man vom echten Winterschlaf.


Zwergloris halten regelmäßig Winterschlaf.

Foto: Tilo Nadler

Kürzere Perioden werden als täglicher Torpor bezeichnet. Es gibt viele verschiedene Säugetiere, die Winterschlaf halten. Bei Primaten stellt der Zustand jedoch eine ganz besondere Fähigkeit dar, weil er bisher weltweit nur bei drei Lemurenarten beobachtet wurde.

Lemuren leben ausschließlich auf der afrikanischen Insel Madagaskar, wo sie während der Trockenzeit Winterschlaf halten, hauptsächlich um Wasser zu sparen.

Südostasiatische Zwergloris halten regelmäßig Winterschlaf

Nun entdeckte ein Team vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna, in Zusammenarbeit mit KollegInnen des vietnamesischen Endangered Primate Rescue Center, eine weitere Primatenart, die Winterschlaf hält:

Die sogenannten Zwergloris (Nycticebus pygmaeus). Sie gehören zu den Feuchtnasenprimaten und werden etwa 20 Zentimeter groß und 400 Gramm schwer. Sie leben in Südostasien und sind nachtaktive Baumbewohner.

Die WissenschafterInnen untersuchten die Körpertemperatur von fünf Zwergloris im Herbst, Winter und Frühling in einem vietnamesischen Primatenreservat. Es zeigte sich, dass beide Geschlechter zwischen Dezember und Februar mehrmals bis zu 63 Stunden Winterschlaf hielten.

Gründe sind laut Erstautor Thomas Ruf einerseits die innere Uhr der Tiere, die zu bestimmten Jahreszeiten – wenn die Nahrung knapp wird - den Winterschlaf induziert. Es seien aber auch die Außentemperaturen, die den Energiesparmodus auslösen.

„In Vietnam, wo wir die Tiere untersucht haben, gibt es deutliche Jahreszeiten. Die Temperatur kann bis auf fünf Grad Celsius sinken. Genau dann war die Wahrscheinlichkeit für eine Winterschlafphase bei den Loris besonders hoch“, erklärt Ruf.

Freilebende Zwergloris haben sich laut Ruf auch dem Nahrungsangebot im Winter angepasst. In der kalten Jahreszeit steht weniger Nahrung zur Verfügung. Winterschlaf hilft in solchen Situationen, den Energiebedarf zu senken.

„Bei den Zwergloris beobachtete man schon längere Zeit, dass sie tagelang inaktiv sein können. Manchmal wurden sogar Individuen mit sehr niedriger Körpertemperatur aufgefunden. Dass es sich dabei um echten Winterschlaf handelt, haben wir erst jetzt herausgefunden“, erklärt der Erstautor Thomas Ruf.

Winterschlaf als Überwinterungsstrategie bei Primaten

Bisher gingen WissenschafterInnen davon aus, dass die Lebensbedingungen auf Madagaskar entscheidend für die Entwicklung des Winterschlafes bei Primaten waren. „Mit dem ersten Fund einer winterschlafenden Primatenart außerhalb von Madagaskar, rückt der Winterschlaf evolutionsbiologisch gesehen in ein neues Licht“, betont Ruf.

„Möglicherweise ging der Winterschlaf als Überwinterungsstrategie bei anderen Primaten in Afrika, Asien und Amerika im Laufe der Zeit verloren. Vielleicht nutzen ihn aber auch weitere Primatenarten, die bisher in dieser Hinsicht noch nicht erforscht wurden.“

Service:
Der Artikel „Hibernation in the pygmy slow loris (Nycticebus pygmaeus): multiday torpor in primates is not restricted to Madagascar” von Thomas Ruf, Ulrike Streicher, Gabrielle L. Stalder, Tilo Nadler und Chris Walzer wird in Scientific Reports der Nature Publishing Group veröffentlicht.
DOI: 10.1038/SREP17392
http://nature.com/articles/doi:10.1038/srep17392

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Im Jahr 2015 feiert die Vetmeduni Vienna ihr 250-jähriges Bestehen. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Ao.Univ.-Prof.Dr. Thomas Ruf
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-7150
thomas.ruf@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
Dr. Susanna Berger (vormals Kautschitsch)
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Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.berger@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

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Dr. Susanna Berger | Veterinärmedizinische Universität Wien

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