Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Wachstumsfaktor für Blutgefäße als Schutzfaktor für metastasierende Tumorzellen

26.05.2020

Bei Krebspatienten mit soliden Tumoren sind Metastasen, die Absiedlungen des Primärtumors, die häufigste Todesursache. Dies gilt insbesondere beim malignen Melanom, dem schwarzen Hautkrebs. Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg haben Tumorproben von Patienten untersucht und einen möglichen neuen Angriffspunkt für die Therapie entdeckt – zumindest bei einer speziellen Gruppe von Melanompatienten, deren Tumorzellen den Wachstumsfaktor Angiopoietin-2 bilden.

Die Produktion des Wachstumsfaktors in Krebszellen war insbesondere in denjenigen Melanomen nachweisbar, die Metastasen bildeten.


© DKFZ/Augustin

Bei weiteren Untersuchungen zeigten die Forscher an Mäusen: Tumorzellen, die Angiopoietin-2 produzieren, sind gegen Zellstress geschützt und haben daher einen Vorteil bei der Metastasierung.

Melanome zählen zu den Tumoren, die bereits in einem besonders frühen Stadium Metastasen bilden. Zudem sind Metastasen die häufigste Todesursache beim schwarzen Hautkrebs. Die gefürchteten Absiedlungen zu verhindern, ist daher ein wichtiges Ziel für die Krebstherapie der Zukunft.

Wissenschaftler um Hellmut Augustin und Moritz Felcht, DKFZ und Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, haben nun das Protein Angiopoietin-2 (Angpt2) als neuen möglichen Angriffspunkt entdeckt, über den sich die Entstehung von Metastasen verhindern lassen könnte. Angpt2 war den Wissenschaftlern bislang als ein Faktor bekannt, der die Bildung von (Tumor)-Blutgefäßen steuert.

Bereits 2009 haben die Forscher aus Augustins Team Angpt2 als Biomarker ausgemacht, um Prognosen über das Fortschreiten von Melanomen zu treffen. Angpt2 ist insbesondere im Blut derjenigen Melanompatienten erhöht, deren Tumoren metastasiert haben.

Bislang galt Angpt2 als ein Faktor, der von Endothelzellen produziert wird, also von den Zellen, die das Innere der Blutgefäße auskleiden. Es gab zwar vereinzelte Berichte, dass auch Tumorzellen Angpt2 produzieren. Wie häufig dies jedoch vorkommt und welche Konsequenzen dies hat, wurde bislang nicht untersucht.

In der aktuellen Studie sind die Wissenschaftler nun der Frage nachgegangen, welche Rolle von Tumorzellen produziertes Angpt2 spielt. Untersuchungen an Tumorproben von Patienten ergaben, dass die Produktion von Angpt2 in Krebszellen insbesondere in denjenigen Melanomen nachweisbar ist, die Metastasen bilden.

Auf diese Beobachtung aufbauende Untersuchungen an Mäusen zeigten, dass Angpt2 in diesen Tumoren nicht die Neubildung von Gefäßen anregt.

„Wenn wir bei Mäusen Angpt2 in den Tumorzellen ausschalten, beobachten wir keine Veränderung in den Blutgefäßen, sondern sehen vielmehr, dass mehr Krebszellen absterben“, sagt Erstautor Ashik Ahmed Abdul Pari. „Gleichzeitig finden wir in diesen Tieren weniger Metastasen.“

Die Ursache hierfür erkannten die Wissenschaftler in weiterführenden Experimenten: Ohne Angpt2 zeigten die Tumorzellen eine erhöhte Empfindlichkeit auf Zellstress und starben.

„Unsere Beobachtungen haben wir zunächst erst einmal bei Mäusen gemacht, aber es erscheint plausibel, dass die Situation bei Melanompatienten vergleichbar ist. Weitere Untersuchungen müssen dies aber noch belegen“, so Studienleiter Moritz Felcht. „Damit haben wir möglicherweise einen neuen therapeutischen Angriffspunkt ausgemacht, um diejenige Gruppe von Patienten zu behandeln, bei der von den Tumorzellen produziertes Angpt2 deutlich erhöht ist.“

Abdul Pari AA, Singhal M, Hübers C, Mogler C, Schieb B, Gampp A, Gengenbacher N, Reynolds LE, Terhardt D, Géraud C, Utikal J, Thomas M, Goerdt S, Hodivala-Dilke KM, Augustin HG, Felcht M. Tumor cell-derived Angiopoietin-2 promotes metastasis in melanoma. Cancer Res. 2020 Apr 17. pii: canres.2660.2019. doi: 10.1158/0008-5472.CAN-19-2660. [Epub ahead of print]

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können.

Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern.
Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Ansprechpartner für die Presse:

Dr. Sibylle Kohlstädt
Pressesprecherin
Kommunikation und Marketing
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
F: +49 6221 42 2968
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de
E-Mail: presse@dkfz.de

www.dkfz.de

Originalpublikation:

Abdul Pari AA, Singhal M, Hübers C, Mogler C, Schieb B, Gampp A, Gengenbacher N, Reynolds LE, Terhardt D, Géraud C, Utikal J, Thomas M, Goerdt S, Hodivala-Dilke KM, Augustin HG, Felcht M. Tumor cell-derived Angiopoietin-2 promotes metastasis in melanoma. Cancer Res. 2020 Apr 17. pii: canres.2660.2019. doi: 10.1158/0008-5472.CAN-19-2660. [Epub ahead of print]

Dr. Sibylle Kohlstädt | Deutsches Krebsforschungszentrum
Weitere Informationen:
https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2020/dkfz-pm-20-35-Ein-Wachstumsfaktor-fuer-Blutgefaesse-als-Schutzfaktor-fuer-metastasierende-Tumorzellen.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Enzyme als Doppelagenten: Neuer Mechanismus bei der Proteinmodifikation entdeckt
07.07.2020 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Wegweiser für die Wundheilung: Erstmals Kleeblattpeptid synthetisiert
07.07.2020 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Im Focus: Robuste Materialien in Schwingung versetzt

Kieler Physikteam beobachtet in Echtzeit extrem schnelle elektronische Änderungen in besonderer Materialklasse

In der Physik werden sie zurzeit intensiv erforscht, in der Elektronik könnten sie ganz neue Funktionen ermöglichen: Sogenannte topologische Materialien...

Im Focus: Excitation of robust materials

Kiel physics team observed extremely fast electronic changes in real time in a special material class

In physics, they are currently the subject of intensive research; in electronics, they could enable completely new functions. So-called topological materials...

Im Focus: Neues Verständnis der Defektbildung an Silizium-Elektroden

Theoretisch lässt sich das Speichervermögen von handelsüblichen Lithiumionen-Batterien noch vervielfachen – mit einer Elektrode, die auf Silizium anstatt auf Graphit basiert. Doch in der Praxis machen solche Akkus mit Silizium-Anoden nach wenigen Lade-Entlade-Zyklen schlapp. Ein internationales Team um Forscher des Jülicher Instituts für Energie- und Klimaforschung hat jetzt in einzigartiger Detailgenauigkeit beobachtet, wie sich die Defekte in der Anode ausbilden. Dabei entdeckten sie bislang unbekannte strukturelle Inhomogenitäten in der Grenzschicht zwischen Anode und Elektrolyt. Die Erkenntnisse sind in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ erschienen.

Silizium-basierte Anoden können in Lithium-Ionen-Akkus prinzipiell neunmal so viel Ladung speichern wie der üblicherweise verwendete Graphit, bei gleichem...

Im Focus: Ein neuer Weg zur superschnellen Bewegung von Flussschläuchen in Supraleitern entdeckt

Ein internationales Team von Wissenschaftern aus Österreich, Deutschland und der Ukraine hat ein neues supraleitendes System gefunden, in dem sich magnetische Flussquanten mit Geschwindigkeiten von 10-15 km/s bewegen können. Dies erschließt Untersuchungen der reichen Physik nichtlinearer kollektiver Systeme und macht einen Nb-C-Supraleiter zu einem idealen Materialkandidaten für Einzelphotonen-Detektoren. Die Ergebnisse sind in Nature Communications veröffentlicht.

Supraleitung ist ein physikalisches Phänomen, das bei niedrigen Temperaturen in vielen Materialien auftritt und das sich durch einen verschwindenden...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz QuApps zeigt Status Quo der Quantentechnologie

02.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Social Learning in der Firma und virtuelle Seminarräume für Mitarbeiter

07.07.2020 | Seminare Workshops

„Maschinen-EKG“ soll Umwelt schonen

07.07.2020 | Maschinenbau

Erneuter Weltrekord für speedCIGS

07.07.2020 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics