Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Sanddornfruchtfliege bedroht den Sanddornanbau in Nordostdeutschland

04.06.2014

Die Sanddornfruchtfliege, eine Bohrfliege mit dem wissenschaftlichen Namen Rhagoletis batava, legt ihre Eier in die reifenden Früchte des Sanddorns ab. Die Larven fressen die Früchte von innen aus und schädigen so die Ernte.

Zur Identifikation des Schädlings konnten Forscher der Zoologischen Staatsammlung München im Rahmen des deutschlandweiten DNA-Barcoding-Projektes die Fruchtfliege inzwischen genetisch analysieren. Sie arbeiteten hierzu mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow in Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Der Gencode ist ab sofort in einer Internet-Datenbank verfügbar und kann von Spezialisten für die Identifizierung herangezogen werden.


Schaden durch die Sanddornfruchtfliege an der Sanddornsorte `Sirola` am 22.8.2013 in Gülzow

Foto: F. Höhne

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit erobert derzeit ein neuer landwirtschaftlicher Schädling weite Gebiete in Nordostdeutschland. Die Sanddornfruchtfliege, eine Bohrfliege mit dem wissenschaftlichen Namen Rhagoletis batava, legt ihre Eier in die reifenden Früchte des Sanddorns ab. Die Larven fressen die Früchte von innen aus und schädigen so die Ernte. Landwirte berichten von Verlusten bis zu 60 Prozent des Sanddornertrages.

Befall durch den Schädling wird meist erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt, da die Larven mit herkömmlichen Methoden nur sehr schwer zu identifizieren sind und anderen, harmlosen Fliegenmaden ähneln. Um die Art rasch und sicher identifizieren zu können, konnten Forscher der Zoologischen Staatsammlung München im Rahmen des deutschlandweiten Barcoding-Projektes den Schädling inzwischen genetisch analysieren. Sie arbeiteten hierzu mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow in Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Der Gencode ist ab sofort in einer Internet-Datenbank verfügbar und kann von Spezialisten für die Identifizierung herangezogen werden.

Sanddorn ist wegen seines hohen Vitamin-C-Gehalts und gesunden Öls zunehmend gefragt. Er wird in der Pharma- und der Kosmetikbranche verwendet sowie zur Produktion von Saft, Tee, Marmelade und Likören verwendet. Der deutsche Anbau beschränkt sich bisher weitgehend auf die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Noch sind die bebauten Flächen gering, in Mecklenburg wurden 2013 rund 200 Hektar angebaut. Doch der Anbau expandiert, auch weil derzeit neue Techniken zur Ernte und Aufbereitung entwickelt werden.

Aus diesen Grund bereitet der neue Schädling, der vermutlich aus Osteuropa zu uns eingewandert ist, große Sorgen. Eine Bekämpfung sei schwierig, und zurzeit fehlten vor allem geeignete Strategien für eine wirksame Eindämmung des Schädlings, erklärt Friedrich Höhne, Sachgebietsleiter Obstbau an der Landesforschungsanstalt in Gülzow. Da Sanddorn in Deutschland überwiegend ökologisch angebaut werde, so der Fachmann weiter, schließe dies eine Bekämpfung mit chemischen Pflanzenschutzmitteln aus. Die ersten massiven Schäden konnten die Landwirte 2013 beobachten.

Der Schädling selbst ist eine unscheinbare, wenige Millimeter große Fliege, die man kaum einmal zu Gesicht bekommt. Die Weibchen des Schädlings legen ihre Eier im Frühsommer in die jungen Sanddornfrüchte ab. Dort entwickeln sich die madenförmigen weißen Larven, die den eigentlichen Schaden verursachen. Die Früchte werden durch den Befall matschig und sterben schließlich ganz ab. Von der Gensequenzierung an der Zoologischen Staatsammlung in München erhoffen sich die Fachleute vor allem eine sehr schnelle und sichere Möglichkeit, den Schädling eindeutig zu erkennen. Das kann vielleicht eine Bekämpfung erleichtern.

Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen des Projektes "Barcoding Fauna Germanica", bei dem die Münchener Forscher alle deutschen Tierarten genetisch erfassen und in einer Online-Bibliothek für Fachleute zur Verfügung stellen. Das Projekt ist Teil des internationalen Barcoding-Projektes iBol mit Sitz in Kanada, welches das ehrgeizige Ziel verfolgt, alle Tierarten weltweit genetisch zu erfassen. Gerade für landwirtschaftliche Schädlinge, die inzwischen über die Kontinente hinweg verschleppt werden, biete das Projekt großartige Möglichkeiten für die Praxis, beschreibt Oliver Hawlitschek, Projektkoordinator in München.

Ansprechpartner
Dr. O. Hawlitschek
Zoologische Staatssammlung
Münchhausenstr. 21
81247 München
Tel.: 089 / 8107 108, Fax: 8107
e-mail: hawlitschek@zsm.mwn.de, http://www.faunabavarica.de

Dr. F. Höhne
Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern
Gartenbaukompetenzzentrum
Dorfplatz 1, OT. Gülzow
18276 Gülzow-Prüzen
Tel.: 03843 / 789 222, Fax: 789 111
e-mail: f.hoehne@lfa.mvnet.de, www.lfamv.de

Weitere Informationen:

http://www.faunabavarica.de
http://www.zsm.mwn.de
http://www.lfamv.de
http://www.snsb.de

Dr. Eva-Maria Natzer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht CeMM Studie gibt Einblick in die Funktionsweise eines wichtigen Genregulators
01.06.2020 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

nachricht Wie sich Nervenzellen zum Abruf einer Erinnerung gezielt reaktivieren lassen
29.05.2020 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Im Focus: Textilherstellung für Weltraumantennen startet in die Industrialisierungsphase

Im Rahmen des EU-Projekts LEA (Large European Antenna) hat das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Textile Faserkeramiken TFK in Münchberg gemeinsam mit den Unternehmen HPS GmbH und Iprotex GmbH & Co. KG ein reflektierendes Metallnetz für Weltraumantennen entwickelt, das ab August 2020 in die Produktion gehen wird.

Beim Stichwort Raumfahrt werden zunächst Assoziationen zu Forschungen auf Mond und Mars sowie zur Beobachtung ferner Galaxien geweckt. Für unseren Alltag sind...

Im Focus: Biotechnologie: Enzym setzt durch Licht neuartige Reaktion in Gang

In lebenden Zellen treiben Enzyme biochemische Stoffwechselprozesse an. Auch in der Biotechnologie sind sie als Katalysatoren gefragt, um zum Beispiel chemische Produkte wie Arzneimittel herzustellen. Forscher haben nun ein Enzym identifiziert, das durch die Beleuchtung mit blauem Licht katalytisch aktiv wird und eine Reaktion in Gang setzt, die in der Enzymatik bisher unbekannt war. Die Studie ist in „Nature Communications“ erschienen.

Enzyme – in jeder lebenden Zelle sind sie die zentralen Antreiber für biochemische Stoffwechselprozesse und machen dort Reaktionen möglich. Genau diese...

Im Focus: Biotechnology: Triggered by light, a novel way to switch on an enzyme

In living cells, enzymes drive biochemical metabolic processes enabling reactions to take place efficiently. It is this very ability which allows them to be used as catalysts in biotechnology, for example to create chemical products such as pharmaceutics. Researchers now identified an enzyme that, when illuminated with blue light, becomes catalytically active and initiates a reaction that was previously unknown in enzymatics. The study was published in "Nature Communications".

Enzymes: they are the central drivers for biochemical metabolic processes in every living cell, enabling reactions to take place efficiently. It is this very...

Im Focus: Innovative Sensornetze aus Satelliten

In Würzburg werden vier Kleinst-Satelliten auf ihren Start vorbereitet. Sie sollen sich in einer Formation bewegen und weltweit erstmals ihre dreidimensionale Anordnung im Orbit selbstständig kontrollieren.

Wenn ein Gegenstand wie der Planet Erde komplett ohne tote Winkel erfasst werden soll, muss man ihn aus verschiedenen Richtungen ansehen und die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie sich Nervenzellen zum Abruf einer Erinnerung gezielt reaktivieren lassen

29.05.2020 | Biowissenschaften Chemie

Wald im Wandel

29.05.2020 | Agrar- Forstwissenschaften

Schwarzer Stickstoff: Bayreuther Forscher entdecken neues Hochdruck-Material und lösen ein Rätsel des Periodensystems

29.05.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics