Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Hefe war’s: ForscherInnen der Universität Graz entdecken neuen Partner bei Flechten

22.07.2016

Flechten sind eine Symbiose einer Alge mit einem Pilz – von dieser wissenschaftlichen Erkenntnis ging man die letzten 150 Jahre lang aus. Nun müssen die Lehrbücher umgeschrieben werden: WissenschafterInnen der Uni Graz fanden im Team mit KollegInnen aus den USA und Schweden heraus, dass einige der häufigsten Flechtenarten der Welt einen weiteren Partner im Bunde haben, nämlich einen Hefepilz. Diese Erkenntnisse werden am 22. Juli 2016 online und am 29. Juli als Titelgeschichte in der Printausgabe des renommierten Fachmagazins Science veröffentlicht.

Dank neuer Methoden zur Gen-Analyse entdeckte das Team um Dr. Toby Spribille, der sowohl am Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Graz in der Arbeitsgruppe von Univ.-Prof. Dr. Helmut Mayrhofer als auch an der University of Montana in den USA tätig ist, den bislang unbekannten Pilz, der als Hefe identifiziert wurde.


Die Flechte Vulpicida canadensis wächst auf Baumrinden in Nordamerika. Wie WissenschafterInnen nun herausfanden, besteht sich aus einer Alge und zwei Pilzen.

Foto: Tim Wheeler/timwheelerphotography.com

Spribille wollte herausfinden, warum von zwei eng verwandten und in Montana weit verbreiteten Flechten eine für Säugetiere giftig ist, die andere nicht. Nachdem er bei einer genauen Analyse der DNA auf die Hefe gestoßen war, begann er mit seinem Team systematisch Flechten aus der ganzen Welt zu untersuchen. Tatsächlich fand sich der zweite Pilz in häufig auftretenden Arten von der Antarktis bis Japan, von Südamerika bis ins Äthiopische Hochland.

„Die Erkenntnis erschüttert unser grundlegendes Wissen über Flechten. Wir müssen von Neuem untersuchen, wie diese Lebewesen entstehen und wer welche Funktionen in der Gemeinschaft übernimmt“, erklärt der Evolutionsbiologe die fundamentale Bedeutung der Entdeckung.

Die WissenschafterInnen konnten nun auch ein bislang rätselhaftes Phänomen erklären: Bestimmte Flechten, die man für identisch hielt, sehen unterschiedlich aus und setzen verschiedene chemische Stoffe frei, die nun auf ihre pharmazeutische Wirkung geprüft werden. „Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der zweite Pilz dabei eine Rolle spielt, da er in der einen Art zum größeren Teil vertreten ist als in der anderen“, schildert Spribille.

Das Institut für Pflanzenwissenschaften der Karl-Franzens-Universität ist ein weltweit führendes Zentrum der Flechtenforschung. Die Analysen in diesem Projekt wurden gemeinsam mit dem Institut für Molekulare Biowissenschaften durchgeführt und vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF gefördert.

Publikation:
Toby Spribille, Veera Tuovinen, Philipp Resl, Dan Vanderpool, Heimo Wolinski, M. Catherine Aime, Kevin Schneider, Edith Stabentheiner, Merje Toome-Heller, Göran Thor, Helmut Mayrhofer, Hanna Johannesson, John P. McCutcheon: „Basidiomycete yeasts in the cortex of ascomycete macrolichens“
Science, online am 22. Juli 2016, Printausgabe am 29. Juli 2016

Kontakt für Rückfragen:
Mag. Philipp Resl
Institut für Pflanzenwissenschaften der Uni Graz
Tel.: +43 (0) 650/734 8434
E-Mail: philipp.resl@uni-graz.at

Mag. Gudrun Pichler | Karl-Franzens-Universität Graz
Weitere Informationen:
http://www.uni-graz.at

Weitere Berichte zu: Flechten Hefe Karl-Franzens-Universität Pilz Spribille chemische Stoffe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sich vermehren oder sich nicht vermehren
22.03.2019 | Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik

nachricht Ketten aus Stickstoff direkt erzeugt
22.03.2019 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Im Focus: The taming of the light screw

DESY and MPSD scientists create high-order harmonics from solids with controlled polarization states, taking advantage of both crystal symmetry and attosecond electronic dynamics. The newly demonstrated technique might find intriguing applications in petahertz electronics and for spectroscopic studies of novel quantum materials.

The nonlinear process of high-order harmonic generation (HHG) in gases is one of the cornerstones of attosecond science (an attosecond is a billionth of a...

Im Focus: Magnetische Mikroboote

Nano- und Mikrotechnologie sind nicht nur für medizinische Anwendungen wie in der Wirkstofffreisetzung vielversprechende Kandidaten, sondern auch für die Entwicklung kleiner Roboter oder flexibler integrierter Sensoren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) haben mit einer neu entwickelten Methode magnetische Mikropartikel hergestellt, die den Weg für den Bau von Mikromotoren oder die Zielführung von Medikamenten im menschlichen Körper, wie z.B. zu einem Tumor, ebnen könnten. Die Herstellung solcher Strukturen sowie deren Bewegung kann einfach durch Magnetfelder gesteuert werden und findet daher Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen.

Die magnetischen Eigenschaften eines Materials bestimmen, wie dieses Material auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes reagiert. Eisenoxid ist der...

Im Focus: Magnetic micro-boats

Nano- and microtechnology are promising candidates not only for medical applications such as drug delivery but also for the creation of little robots or flexible integrated sensors. Scientists from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) have created magnetic microparticles, with a newly developed method, that could pave the way for building micro-motors or guiding drugs in the human body to a target, like a tumor. The preparation of such structures as well as their remote-control can be regulated using magnetic fields and therefore can find application in an array of domains.

The magnetic properties of a material control how this material responds to the presence of a magnetic field. Iron oxide is the main component of rust but also...

Im Focus: Goldkugel im goldenen Käfig

„Goldenes Fulleren“: Liganden-geschützter Nanocluster aus 32 Goldatomen

Forschern ist es gelungen, eine winzige Struktur aus 32 Goldatomen zu synthetisieren. Dieser Nanocluster hat einen Kern aus 12 Goldatomen, der von einer Schale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

Teilchenphysik trifft Didaktik und künstliche Intelligenz in Aachen

20.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zähmung der Lichtschraube

22.03.2019 | Physik Astronomie

Saarbrücker Forscher erleichtern durch Open Source-Software den Durchblick bei Massen-Sensordaten

22.03.2019 | HANNOVER MESSE

Ketten aus Stickstoff direkt erzeugt

22.03.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics