Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Desinfektion aus der Steckdose

25.01.2013
Die Entwicklung eines Desinfektionsverfahrens auf der Basis elektrischer pulsierender Felder ist das Ziel eines Forschungsprojekts an der Technischen Hochschule Mittelhessen.

Der Elektrodesinfektor soll bei der Reinigung von Kühlschmierstoffen, Kühlwässern oder Abwässern eingesetzt werden. Das Land Hessen fördert das Vorhaben mit 444.000 Euro. Projektleiter ist Prof. Dr. Markus Röhricht vom TH-Kompetenzzentrum für Energie- und Umweltsystemtechnik. Kooperationspartner sind Prof. Dr. Wilhelm Urban von der TU Darmstadt, die Bensheimer Aqon Water Solutions und Metall- und Gerätebau Dingeldey aus Bickenbach.


Die Wissenschaftliche Mitarbeiterin Franziska Nun und Projektleiter Prof. Markus Röhricht beim Testbetrieb des Elektrodesinfektors.

Wasserbasierte Kühlschmierstoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Metallver- und bearbeitung. Die in Europa benötigte Gesamtmenge wird auf jährlich etwa vier Millionen Tonnen geschätzt. Die Stoffe müssen im Durchschnitt alle zwölf Monate ersetzt und entsorgt werden. Hauptgrund dafür ist das Wachstum von Bakterien, Hefen und Pilzen, die die organischen Bestandteile des Kühlschmierstoffs aufzehren, seine Funktionsfähigkeit beeinträchtigen und gesundheitliche Risiken fördern.

Zurzeit setzt man toxisch wirkende Biozide ein, um die Verkeimung zu bekämpfen. Umweltrechtliche Auflagen beschränken deren Einsatz aber immer mehr. Der Einsatz von UV-Licht funktioniert nicht, da die zu behandelnden Flüssigkeiten – wie Kühlschmierstoffe – meistens zu trüb sind oder zu viele Eisenionen enthalten.

Im aktuellen Forschungsprojekt sollen zur Desinfektion gepulste elektrische Felder eingesetzt werden. Basis der Entwicklung ist eine Technologie der Firma Aqon, die bereits erfolgreich als Schutz vor Kalk, Korrosion und Biofilmbelag in offenen und geschlossenen Wassersystemen genutzt wird. Sie funktioniert nach dem Prinzip der elektrischen Polarisation und Ladungstrennung. Dadurch lässt sich eine dauerhafte Veränderung gelöster und ungelöster Stoffe in wässrigen Medien erzielen. Um eine Desinfektionswirkung herbeizuführen, muss die Technologie angepasst werden. Dazu gehört zum Beispiel die Entwicklung von Spezialelektroden. Außerdem müssen Feldstärke, Stromfluss und Pulsfrequenz so justiert werden, dass die Zellmembranen der Bakterien dauerhaft geschädigt und so ihre Vermehrung begrenzt wird.

Parallel zu Laborexperimenten an der THM sind Computermodellierungen an der TU Darmstadt geplant, die den Versuchsaufwand reduzieren. Für Feldversuche zur Effizienz der Technologie bei Kühlschmierstoffen arbeiten die Forscher mit den Drahtwerken Oberndorfer Hütte zusammen. Wie der Elektrodesinfektor bei Abwässern und Kühlwässern wirkt, sollen Untersuchungen in Gießen bei den Mittelhessischen Wasserbetrieben und dem von Agaplesion betriebenen Evangelischen Krankenhaus Mittelhessen zeigen.

Ziel des Projekts ist laut Röhricht, „ein völlig neues Verfahren auf dem Markt zu etablieren, das energieeffizient ist und keine bioziden Nebenwirkungen hat“. Das Forschungsvorhaben läuft bis Ende 2014. Es wird im Rahmen der Förderlinie 3 der hessischen „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ (LOEWE) unterstützt. Damit bezuschusst die Landesregierung Projekte, bei denen Hochschulen mit kleinen und mittleren hessischen Unternehmen zusammenarbeiten.

Erhard Jakobs | idw
Weitere Informationen:
http://www.thm.de/site/kompetenzzentren/zeuus.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen
20.07.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Erwiesen: Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten
20.07.2018 | Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics