Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Feinstaubwirkung auf der Spur

27.06.2014

Eigentlich sieht der „BlistAir“ relativ unspektakulär aus. Ein rechteckiger Rohling aus Kunststoff. Darin aufgesiegelt eine Membran.

Drei Jahre intensiver Forschung stecken in dem unspektakulären Teil, das einmal dafür sorgen soll, dass die körperlichen Auswirkungen der Feinstaubbelastung in Räumen schnell und unproblematisch analysiert werden können. Und dass dafür sorgen soll, dass Menschen weniger Feinstaubbelastungen ausgesetzt sind, weil damit die Einhaltung eines Grenzwertes für die menschliche Belastung überprüft werden kann.

Der „Blist Air“ ist das Ergebnis einer Forschungskooperation zwischen dem Labor für Molekulare Biotechnologie der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn unter Leitung von Prof. Dr. Kilian Hennes und der Fa. Zappe GmbH in Witten. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM), ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

„Bislang fehlt in der Routine der Raumluftüberwachung ein gesicherter Zusammenhang zwischen biologischen Belastungen und dadurch bedingten Erkrankungen“ erklärt Prof. Hennes, „wir wissen aber, dass sogenannte Pyrogene, also Bruchstücke von toten Keimen, Krankheiten wie Fieber und Lungenerkrankungen auslösen“. Ziel des Forschungsprojekts war es, mit einer vereinfachten Probeentnahme-Methode zur Erfassung dieser Pyrogene in Räumen frühzeitig Hinweise auf eine Überschreitung der verträglichen Belastung zu erhalten.

Das Förderprogramm sieht auch Überlegungen zur Verwertung der Forschungsergebnisse vor. Und hier kommen jetzt die Master-Studierenden des Studiengangs Bio- und Nanotechnologien ins Spiel. Sie haben die Übungsfirma „BioNanoSolutions“ gegründet und sich im Sommersemester damit beschäftigt, wie man die Forschungsergebnisse in einem Unternehmen verwerten kann.

Vier Abteilungen wurden eingerichtet: Entwicklung, Herstellung, Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung. „ Im Masterstudium sollten die Studierenden Kompetenzen des Technischen Qualitätsmanagements erwerben“, berichtet Prof. Hennes, „wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, wenn die Studierenden sich praktisch mit diesem Thema auseinandersetzen und selbständig Lösungen finden. Das nützt ihnen später im beruflichen Alltag und erschließt ihnen zahlreiche Arbeitsplätze“.

In diesem Jahr ging es eben um die Verwertung des „Blist Air“. Die Entwicklungsabteilung hat die Kunststoffsammelkammer entwickelt. Die aufhaftende Membran kann die Schadstoffbelastung der Luft mittels einer Pumpe aufnehmen. Die Abteilung „Entwicklung“ konnte hierzu einen voll funktionsfähigen Luftsammler-Prototypen fertigstellen. Die Probe wird nach der Probenahme mit menschlichem Spenderblut als Testsubstanz in Verbindung gebracht.

Der Test gibt dann quantitativ Auskunft über die Luftbelastung mit Pyrogenen in den untersuchten Räumlichkeiten. Die Abteilung Herstellung war insbesondere verantwortlich für die Qualifizierung der verwendeten Geräte und überprüfte, ob die Geräte auch, hinsichtlich eines „Scale-Ups“, eine größere Stückzahl des „Blist Air“ herstellen können.

Ebenso zählte die Prozessoptimierung zu ihren Aufgaben. Vier Studierende befassten sich mit der Qualitätskontrolle und überprüften untern anderem per Stichprobe, ob die Blister dicht waren und die Membran fest mit der Kunststoffkammer verbunden war. Die Kontrollmechanismen mussten angepasst und validiert werden. Auch die Analyse zur quantitativen Ermittlung der Belstung mit Pyrogenen wurde in dieser „Abteilung“ durchgeführt.

Mit dem nach eigenen Worten anfallenden „Papierkram“ beschäftigten sich die Studierenden der Qualitätssicherung. Sie überprüften beispielsweise die Einhaltung von DIN-Normen, legten Verhaltensweisen für die Arbeit im Labor und die Produktion fest und kontrollierten bei internen Audits die Einhaltung der Vorgaben.

Die Ergebnisse ihrer Verwertungsstrategie für den „Blist Air“ präsentierten die Studierenden am 27. Juni im Foyer der Iserlohner Hochschule.

Für die reale Verwertung seiner Forschungsergebnisse steht Prof. Hennes derzeit in Kontakt mit Unternehmen. Die können die Ergebnisse der Übungsfirma „BioNanoSolutions“ sicher gut gebrauchen.

Birgit Geile-Hänßel | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fh-swf.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuartiges Antibiotikum gegen Problemkeime in Sicht
21.11.2019 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Neue Forschungsinitiative CHEM|ampere: Nachhaltige chemische Produktion mit Elektrizität
21.11.2019 | Universität Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuartiges Antibiotikum gegen Problemkeime in Sicht

Internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Gießen entdeckt neuen Wirkstoff gegen gramnegative Bakterien – Darobactin attackiert die Erreger an einem bislang unbekannten Wirkort

Immer mehr bakterielle Erreger von Infektionskrankheiten entwickeln Resistenzen gegen die marktüblichen Antibiotika. Typische Krankenhauskeime wie Escherichia...

Im Focus: Machine learning microscope adapts lighting to improve diagnosis

Prototype microscope teaches itself the best illumination settings for diagnosing malaria

Engineers at Duke University have developed a microscope that adapts its lighting angles, colors and patterns while teaching itself the optimal...

Im Focus: Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

Konventionelle Lichtmikroskope können Strukturen nicht mehr abbilden, wenn diese einen Abstand haben, der kleiner als etwa die Lichtwellenlänge ist. Mit „Super-resolution Microscopy“, entwickelt seit den 80er Jahren, kann man diese Einschränkung jedoch umgehen, indem fluoreszierende Materialien eingesetzt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Polymerforschung haben nun entdeckt, dass aus Graphen bestehende Nano-Moleküle genutzt werden können, um diese Mikroskopie-Technik zu verbessern. Diese Nano-Moleküle bieten eine Reihe essentieller Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Materialien, die die Mikroskopie-Technik noch vielfältiger einsetzbar machen.

Mikroskopie ist eine wichtige Untersuchungsmethode in der Physik, Biologie, Medizin und vielen anderen Wissenschaften. Sie hat jedoch einen Nachteil: Ihre...

Im Focus: Small particles, big effects: How graphene nanoparticles improve the resolution of microscopes

Conventional light microscopes cannot distinguish structures when they are separated by a distance smaller than, roughly, the wavelength of light. Superresolution microscopy, developed since the 1980s, lifts this limitation, using fluorescent moieties. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now discovered that graphene nano-molecules can be used to improve this microscopy technique. These graphene nano-molecules offer a number of substantial advantages over the materials previously used, making superresolution microscopy even more versatile.

Microscopy is an important investigation method, in physics, biology, medicine, and many other sciences. However, it has one disadvantage: its resolution is...

Im Focus: Mit künstlicher Intelligenz zum besseren Holzprodukt

Der Empa-Wissenschaftler Mark Schubert und sein Team nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des maschinellen Lernens für holztechnische Anwendungen. Zusammen mit Swiss Wood Solutions entwickelt Schubert eine digitale Holzauswahl- und Verarbeitungsstrategie unter Verwendung künstlicher Intelligenz.

Holz ist ein Naturprodukt und ein Leichtbauwerkstoff mit exzellenten physikalischen Eigenschaften und daher ein ausgezeichnetes Konstruktionsmaterial – etwa...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sichere Datenübertragung mit Ultraschall am Handy: neue Methode zur Nahfeldkommunikation

21.11.2019 | Kommunikation Medien

Rasante Entstehung von Antibiotikaresistenzen im Behandlungsalltag

21.11.2019 | Medizin Gesundheit

Gesundheits-App als Fitness-Coach für Familien

21.11.2019 | Kommunikation Medien

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics