Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Darmkrebs: Kombinierte Analyse verbessert Risikovorhersage

27.02.2018

Sind direkte Angehörige von Darmkrebs betroffen, signalisiert dies ein erhöhtes Risiko, selbst auch an einem bösartigen Darmtumor zu erkranken. Gleiches gilt für Menschen, die eine hohe Anzahl genetischer Risikomarker im Erbgut tragen. Beide Faktoren werden in der Regel alternativ zur Risikovorhersage herangezogen, nicht gemeinsam. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum zeigten nun, dass die Kombination aus Familiengeschichte und der Analyse der genetischen Marker dabei hilft, das persönliche Darmkrebsrisiko präziser zu ermitteln.

Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums zum Darmkrebsmonat März

Wenn das Gespräch auf die Darmkrebsvorsorge kommt, erkundigen sich Ärzte häufig nach Krebsfällen im engeren Familienkreis ihrer Patienten. Darmkrebs bei direkten Angehörigen gilt als ein bekannter Risikofaktor. Neben der Familiengeschichte liefert auch das Profil genetischer Risikomarker Informationen über das persönliche Krebsrisiko.


Quelle: Yodiyim, Fotolia

Darunter verstehen Wissenschaftler winzige genetische Varianten (sog. Einzelnukleotid-Polymorphismen), die jede für sich nur einen sehr geringen Zusammenhang mit der Erkrankungswahrscheinlichkeit zeigt. In ihrer Gesamtheit haben sie aber einen wesentlichen Einfluss.

„Vielfach herrscht die Meinung, das genetische Risikoprofil und die Familiengeschichte würden im Wesentlichen dieselbe, redundante Information liefern“, sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Der Experte für Darmkrebs-Prävention hat diese Vorstellung mit einer aktuellen Arbeit relativiert und nachgewiesen, dass es sinnvoll ist, beide Informationsquellen in Kombination zu nutzen.

Für etwa 4500 Teilnehmer der DACHS-Studie*, darunter etwa die Hälfte Darmkrebspatienten, analysierte der Erstautor Korbinian Weigl die Familiengeschichte und parallel dazu ein Panel von 53 bekannten genetischen Risikomarkern. Der Epidemiologe entdeckte, dass beide Faktoren weitestgehend voneinander unabhängige Ergebnisse liefern:

• Teilnehmer mit Darmkrebsfällen unter Verwandten ersten Grades hatten ein etwa doppelt so hohes Erkrankungsrisiko wie Menschen ohne Darmkrebs-Familiengeschichte

• Die Gruppe der Teilnehmer, die die meisten genetischen Risikomarker in ihrem Erbgut trägt, hatte ein dreimal höheres Erkrankungsrisiko als die Studienteilnehmer mit der geringsten Anzahl an Risikovarianten.

• Bei Teilnehmern mit positiver Familiengeschichte, die zugleich zahlreiche genetische Risikomarker tragen, multiplizierte sich das Risiko: Sie erkranken sechsmal häufiger als Menschen ohne Darmkrebs-Familiengeschichte, in deren Erbgut sich nur wenige Risikomarker finden.

• Zwischen der Zahl der genetischen Risikovarianten und der Familiengeschichte fand sich kein signifikanter Zusammenhang.

„Es wird häufig vermutet, dass die familiäre Häufung von Darmkrebs in erster Linie genetisch bedingt ist. Das ist für einem kleinen Teil der Darmkrebsfälle, insbesondere für Erkrankungen in sehr jungem Alter, auch zutreffend“, sagt Hermann Brenner. Für die Mehrzahl der Darmkrebserkrankungen ist dies aber nicht der Fall. Das könnte seiner Meinung nach daran liegen, dass Krebsfälle in der Familie vor allem gemeinsame nicht-genetische Faktoren reflektieren wie etwa Rauchen oder eine körperlich inaktive Lebensweise.

Weiterhin steigert eine hohe Anzahl an genetischen Risikomarkern das Krebsrisiko gleichermaßen bei Menschen mit wie auch bei Menschen ohne Darmkrebs-Familiengeschichte.

„Das Ergebnis zeigt uns eindeutig, dass die Kombination beider Faktoren das Potenzial hat, die Risikovorhersage für Darmkrebs erheblich zu präzisieren“, fasst Brenner zusammen. „Je genauer wir das persönliche Risiko bestimmen können, desto besser können wir die Vorsorge anpassen. Für Menschen mit hohen Risiken wäre es beispielsweise sinnvoll, mit der Darmkrebs-Vorsorge deutlich vor dem 50. Lebensjahr zu beginnen.“

Die DACHS-Studie ist eine epidemiologische Fall-Kontroll-Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums DKFZ und steht für "Darmkrebs: Chancen der Verhütung durch Screening".
DACHS ist eine der größten populationsbezogenen Fall-Kontroll-Studien weltweit.
Siehe auch: http://dachs.dkfz.org/dachs/

Korbinian Weigl, Jenny Chang-Claude, Phillip Knebel, Li Hsu, Michael Hoffmeister, Hermann Brenner: Strongly enhanced colorectal cancer risk stratification by combining family history and genetic risk score.
Clinical Epidemiology 2018, DOI: 10.2147/CLEP.S145636

Ein Bild zur Pressemitteilung steht zum Download zur Verfügung:
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2018/bilder/Fotolia_139480276_L....

Nutzungshinweis für Bildmaterial zu Pressemitteilungen
Die Nutzung ist kostenlos. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) gestattet die einmalige Verwendung in Zusammenhang mit der Berichterstattung über das Thema der Pressemitteilung bzw. über das DKFZ allgemein. Bitte geben Sie als Bildnachweis an: „Quelle: Yodiyim, Fotolia“.
Eine Weitergabe des Bildmaterials an Dritte ist nur nach vorheriger Rücksprache mit der DKFZ-Pressestelle (Tel. 06221 42 2854, E-Mail: presse@dkfz.de) gestattet. Eine Nutzung zu kommerziellen Zwecken ist untersagt.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Ansprechpartner für die Presse:

Dr. Sibylle Kohlstädt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
F: +49 6221 42 2968
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de
E-Mail: presse@dkfz.de

www.dkfz.de

Dr. Sibylle Kohlstädt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen
17.08.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Forschende entschlüsseln das Alter feiner Baumwurzeln
17.08.2018 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics