Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chronische Infektionen besser verstehen

23.03.2010
Mukoviszidose ist eine der am häufigsten angeborenen Stoffwechselerkrankungen beim Menschen. Ein Team von Basler Wissenschaftlern hat nun herausgefunden, dass ein bestimmter Bakterientypus eine entscheidende Rolle beim chronischen Infektionsverlauf der Krankheit spielt. Die Forschungsergebnisse, die in der Fachzeitschrift "PLoS Pathogenes" veröffentlicht wurden, liefern neue Ansatzpunkte für eine antibakterielle Chemotherapie.

Patienten mit Mukoviszidose oder zystischer Fibrose leiden häufig unter chronischen Entzündungen der Lunge, die das Lungengewebe dauerhaft schädigen und dadurch die Hauptursache für den tödlichen Ausgang der Krankheit sind. Haupterreger im späteren Stadium der Erkrankung sind Bakterien der Spezies Pseudomonas aeruginosa.

Da die Lunge der meisten Betroffenen eine chronische Besiedelung mit diesem Bakterium aufweist, ist vor allem die Bekämpfung dieses Krankheitserregers wichtig. Allerdings können mit klassischen Antibiotika nicht alle Erreger in der Lunge abgetötet werden, was zum chronischen Verlauf der Infektion führt.

Studien haben gezeigt, dass im späten Stadium der Erkrankung, die mit einer verschlechterten Lungenfunktion einhergeht, gehäuft eine Variante von P. aeruginosa, Small Colony-Variants (SCVs) genannt, auftritt. Dieser Typus zeichnet sich durch ein stark verlangsamtes Wachstum und die Bildung einer Hülle aus Zuckerpolymeren aus, in die sich die Bakterien einschliessen. Diese Hülle verhindert einen effektiven Angriff des körpereigenen Abwehrsystems.

Einer Gruppe von Wissenschaftlern vom Biozentrum der Universität Basel und vom Universitätsspital Basel unter der Leitung von Prof. Urs Jenal gelang es nicht nur zu zeigen, wie SCV-Varianten entstehen, sondern auch, wie diese zum chronischen Verlauf der Krankheit beitragen. Die Schlüsselrolle dabei spielt ein bakterieller Botenstoff namens zyklisches-dimeres-GMP, der nun als neuer Angriffspunkt für eine antibakterielle Chemotherapie genutzt werden soll.

Die Erkenntnisse der Basler Forscher sind ein erster und wichtiger Schritt bei der Bekämpfung von chronisch verlaufenden bakteriellen Infektionen wie der Mukoviszidose.

Originalbeitrag
Malone JG, Jaeger T, Spangler C, Ritz D, Spang A, et al. (2010)
YfiBNR Mediates Cyclic di-GMP Dependent Small Colony Variant Formation and Persistence in Pseudomonas aeruginosa

PLoS Pathog 6(3): e1000804. | doi: 10.1371/journal.ppat.1000804

Weitere Auskünfte
Prof. Urs Jenal, Biozentrum der Universität Basel, Tel. +41 61 267 21 35, E-Mail: urs.jenal@unibas.ch

Reto Caluori | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch
http://www.plospathogens.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.ppat.1000804

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Die Definierung des Zentromers – Erforschung der Rolle von Kinetochoren bei der Zellteilung
21.10.2019 | Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung

nachricht Bluteiweiss schützt vor neurologischen Schäden nach Hirnblutung
21.10.2019 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Freiburger Forschenden gelingt die erste Synthese eines kationischen Tetraederclusters in Lösung

Hauptgruppenatome kommen oft in kleinen Clustern vor, die neutral, negativ oder positiv geladen sein können. Das bekannteste neutrale sogenannte Tetraedercluster ist der weiße Phosphor (P4), aber darüber hinaus sind weitere Tetraeder als Substanz isolierbar. Es handelt sich um Moleküle aus vier Atomen, deren räumliche Anordnung einem Tetraeder aus gleichseitigen Dreiecken entspricht. Bisher waren neben mindestens sechs neutralen Versionen wie As4 oder AsP3 eine Vielzahl von negativ geladenen Tetraedern wie In2Sb22– bekannt, jedoch keine kationischen, also positiv geladenen Varianten.

Ein Team um Prof. Dr. Ingo Krossing vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Freiburg ist es gelungen, diese positiv geladenen...

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitales-Krankenhaus – wo bleibt der Mensch?

21.10.2019 | Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Digitales-Krankenhaus – wo bleibt der Mensch?

21.10.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Das Stromnetz fit für E-Mobilität machen

21.10.2019 | Förderungen Preise

Kompakt, effizient, robust und zuverlässig: FBH-Entwicklungen für den Weltraum

21.10.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics