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Chagas – eine vernachlässigte Krankheit

19.07.2012
Chagas ist eine lebensgefährliche Tropenkrankheit: Sie wird durch Insekten und verunreinigte Bluttransfusionen auf den Menschen oder von Schwangeren auf den Embryo übertragen.

Weltweit sind fast 10 Millionen Menschen infiziert – hauptsächlich in Mittel- und Südamerika sowie in Teilen der USA. Durch Touristen oder Einwanderer gelangt die Krankheit inzwischen auch nach Europa.


Mikrofluidische Kartusche mit integrierten Reagenzien und Pumpen, die im Rahmen der Fraunhofer ivD-Plattform (www.ivd-plattform.fraunhofer.de) entwickelt wurde.
Foto: Fraunhofer ENAS / Andreas Morschhauser

Ein Biss mit fatalen Folgen

Überträger sind Raubwanzen, deren Biss die Wunde kontaminiert und letztlich nach mehreren Schritten die Infektion überträgt. Die akute Phase der Erkrankung beginnt nach vier Wochen und kann ebenso lange andauern. Von den Symptomen wie lokalen Rötungen, Schwellungen im Wundbereich, Fieber oder Übelkeit sind 30 – 40 % der infizierten Personen betroffen. Eine Therapie schlägt nur in dieser Phase des Krankheitsverlaufs an.

Nach einer, mitunter jahrelangen, symptomfreien Phase kommt die chronische, akute und oft tödlich verlaufende Krankheitsphase: Bei etwa 20% der Infizierten vergrößern sich das Herz und die Verdauungsorgane bis sie versagen.

Wissenschaftler sind besorgt, denn bislang existiert kein Impfschutz. Derzeitige Behandlungsmethoden sind nicht nur mit schweren Nebenwirkungen verbunden, sondern auch für viele Betroffene unbezahlbar.

Wirkungsvoller Test bietet Chance für Therapie

Unter der Leitung des Fraunhofer ENAS entwickelt ein Europäisch-Brasilianisches Konsortium einen Vor-Ort-Test, vergleichbar mit Laboranalysen, der zuverlässig und schnell die Infektion erkennt.

Wissenschaftler aus acht europäischen und fünf brasilianischen Forschungseinrichtungen und Firmen entwickeln ein kompaktes, preisgünstiges Detektionssystem, das den Erreger an jedem Ort nachweist. Mit dabei sind drei Partner der Heterogeneous Technology Alliance HTA: das französische CEA Leti, das Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS aus Deutschland und Teknologian tutkimuskeskus VTT aus Finnland.

Über die Erreger-DNA und die Immunantwort des Körpers erfolgt der Nachweis – beispielsweise mit einer Blutprobe. Der Test erlaubt eine hochspezifische Diagnostik in allen Stadien der Infektion; inklusive Vorbehandlung der Proben hat das gesamte Testsystem die Größe eines Handys.

Förderung erhalten die Forscher von der Europäischen Union und dem National Council for Scientific and Technological Development in Brasilien. Das Projekt »PodiTrodi – Technology platform for Point of-care diagnostics for tropical diseases« (EU-FP7-287770) startete im September 2011 und hat eine Laufzeit von zweieinhalb Jahren. Als Technologie-Plattform soll das System später auch für andere Tropenkrankheiten eingesetzt werden können.

Weitere Informationen unter http://www.poditrodi.org.

Europäisches Konsortium:
• Fraunhofer ENAS (Deutschland)
• CEA Leti (Frankreich)
• Teknologian tutkimuskeskus VTT (Finnland)
• ST Microelectronics (Italien)
• Haecker Automation GmbH (Deutschland)
• University of Aveiro (Portugal)
• CNRS, University of Montpellier, Laboratoire Charles Coulomb Frankreich)
• BiFlow Systems GmbH (Deutschland)
Brasilianisches Konsortium:
• Centro de Tecnologia da Informação Renato Archer (CTI)
• Fundação Centros de Referência em Tecnologias Inovadoras (CERTI)
• Fundação Oswaldo Cruz (FioCruz)
• Centro de Componentes Semicondutores, Universidade Estadual de Campinas-UNICAMP

• Universidade Federal do Paraná

Kontakt:
Christian Lüdemann
Telefon +49 30 688 3759-6103
christian.luedemann@mikroelektronik.fraunhofer.de
Fraunhofer-Verbund Mikroelektronik VμE
Anna-Louisa-Karsch-Straße 2
10178 Berlin

Christian Lüdemann | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mikroelektronik.fraunhofer.de
http://www.poditrodi.org

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