Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Buntbarsch-Männchen „züchten“ großflossige Weibchen

08.10.2010
Buntbarsch-Männchen finden Partnerinnen mit großen Bauchflossen deutlich attraktiver als kleinflossige Fischdamen. Diese sexuelle Vorliebe geht an den Weibchen nicht spurlos vorbei: Ihre Bauchflossen scheinen im Verlauf der Evolution im Vergleich zu anderen Flossen immer größer geworden zu sein.

Darauf weisen zumindest die Daten einer aktuellen Studie an der Universität Bonn hin. Die Biologen konnten damit erstmals zeigen, dass die Partnerwahl von Männchen Auswirkungen auf das Aussehen von Weibchen hat. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt in der Zeitschrift BMC Evolutionary Biology erschienen (doi: 10.1186/1471-2148-10-301 ).


Buntbarsch-Weibchen (vorne) haben im Laufe der Evolution große Bauchflossen entwickelt, um ihre Chancen bei der Partnersuche zu steigern. © Sebastian Baldauf, Universität Bonn

Charles Darwin dachte noch, dass nur die Weibchen im Tierreich wählerisch seien. Die Männchen nähmen dagegen jede, die sie kriegen könnten. Dass das nicht immer stimmt, ist erst seit Ende der 1980er Jahre bekannt. Damals zeigte sich in Experimenten, dass zumindest bei manchen Tierarten auch die Männchen bei der Partnerwahl genau hinsehen.

Dass sich die weibliche Wahl auf das Aussehen der Männchen auswirkt, ahnte ebenfalls schon Darwin. So hat z.B. der Pfau im Laufe der Evolution ein prachtvolles Federkleid entwickelt, um damit den Weibchen zu imponieren. Doch jetzt fanden die Bonner Biologen am Beispiel der Buntbarschart Pelvicachromis taeniatus heraus, dass auch die Damen ihr Aussehen verändern, um den Herren zu gefallen. Es ist bislang der erste empirische Beleg für diesen Zusammenhang.

Die Forscher haben 73 Buntbarsch-Weibchen geröntgt und anhand der Knochenstrahlen die Größe der Flossen ermittelt. Mit einem interessanten Ergebnis: „Die Bauchflosse wird im Vergleich zu anderen Flossen besonders groß“, sagt Dr. Sebastian Baldauf, Forscher am Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie der Universität Bonn.

Doch warum ist das so? Die Bauchflosse ist bei Buntbarsch-Weibchen auffällig bunt. Während der Balz stellen die Weibchen sie auf und wedeln sie vor den Männchen hin und her. Daher vermuteten die Forscher, dass die Flosse bei der Partnerwahl eine Rolle spielt und durch diese beeinflusst wird.

Auf die Größe kommt es an

Um diese These zu überprüfen, haben die Forscher einen Partnerwahlversuch mittels Computeranimation durchgeführt. Aquarien mit je einem Männchen wurden zwischen zwei Computermonitore gestellt. Auf dem einen Bildschirm schwamm ein virtuelles Weibchen mit einer kleinen Bauchflosse hin und her, auf dem anderen genau dasselbe Weibchen mit einer großen Flosse. Die Männchen entschieden sich in den Experimenten für die Partnerin mit der größeren Bauchflosse.

Weibchen mit großen Bauchflossen haben es tendenziell also leichter, einen Sexualpartner zu finden und mit ihm Nachwuchs zu bekommen. Im Laufe der Evolution sollten sich die Flossen daher immer weiter vergrößern. Doch irgendwann ist Schluss: „Zu große Flossen behindern die Fische beim Schwimmen und erschweren beispielsweise die Flucht vor Feinden“, sagt Sebastian Baldauf. Die Flosse kann daher in der Natur keine übertrieben großen Ausmaße annehmen, wie es häufiger bei Fischzuchten anzutreffen ist.

Nur aus purer Eitelkeit suchen sich die männlichen Buntbarsche natürlich nicht die Partnerin mit den größten Flossen aus. Die Bonner Biologen konnten zeigen, dass eine große Bauchflosse bei Weibchen eine gute Kondition signalisiert. Dadurch steigen die Überlebenschancen der Jungbarsche: „Weibchen mit guter Kondition können intensive Brutpflege betreiben“, führt der Forscher aus. „Außerdem besteht nicht die Gefahr, dass sie aus Mangel an Nahrung die eigene Brut auffressen.“

Kontakt:
Dr. Sebastian A. Baldauf
Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5749
E-Mail: sbaldauf@evolution.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Enzyme besser nutzen: Neues Forschungsprojekt an der Jacobs University Bremen
19.09.2018 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Unordnung kann Batterien stabilisieren
18.09.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Im Focus: Patented nanostructure for solar cells: Rough optics, smooth surface

Thin-film solar cells made of crystalline silicon are inexpensive and achieve efficiencies of a good 14 percent. However, they could do even better if their shiny surfaces reflected less light. A team led by Prof. Christiane Becker from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) has now patented a sophisticated new solution to this problem.

"It is not enough simply to bring more light into the cell," says Christiane Becker. Such surface structures can even ultimately reduce the efficiency by...

Im Focus: Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfen: Dieser Idee gehen derzeit Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Zusammen mit einem führenden US-Experten tüfteln sie an millionstel Millimeter kleinen Lenkraketen, die antimikrobielles Silber zielsicher transportieren, um MRE vor Ort zur Strecke zu bringen.

In deutschen Krankenhäusern führen die MRE jährlich zu tausenden, teils lebensgefährlichen Komplikationen. Denn wer sich zum Beispiel nach einer Implantation...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungen

Unbemannte Flugsysteme für die Klimaforschung

18.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fester Platz im Unternehmen - 36 Auszubildende und Studierende der Friedhelm Loh Group erhalten Zeugnisse

19.09.2018 | Unternehmensmeldung

Virtual Reality ohne Kopfschmerz oder Simulationsübelkeit

19.09.2018 | Informationstechnologie

Kaiserslauterer Architekten setzen Holzkuppel dank Software einfach wie Puzzle zusammen

19.09.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics